Schach und der Krieg gegen Frauen

teheran

Der internationale Schachverband FIDE hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, die nächste Schachweltmeisterschaft für Frauen im Iran abzuhalten. Falls die Entscheidung bleibt, werden sich die Grossmeisterinnen der 64 Felder im Februar in Teheran treffen und dort alle im Hijab gegeneinander antreten. Eine Teilnahme ohne Kopftuch ist aus dortigen gesetzlichen Gründen nicht möglich.

„Da sehen wir‘s!“, könnten wir jetzt schreien, „Diskriminierung!“ und „der rück­stän­dige Islam tritt Frauenrechte mit Füssen!“. „Not so fast“, finde ich, das wollen wir doch einmal von der anderen Seite betrachten. Was wäre, liebe Leser, wenn die Frauen innerhalb der FIDE beschliessen würde, ihre nächste Spitzensportveranstaltung in Miami abzuhalten, dann aber im Bikini? Oder in einem Ostseebad mit Freikörper­kultur? Was würde dann passieren? Das ginge natürlich nicht. Und wer entscheidet das? Dieselben alten Männer, die es völlig in Ordnung finden, wenn im Iran ein Hijab getragen werden muss. Von Frauen, versteht sich. Und würde die Männer-WM in Neuguinea mit vorgeschriebener traditioneller Kleidung (ausschliesslich Bemalung und Penisköcher) aufgestellt, dann würden sich dieselben alten Männer unter Berufung auf ihre eigene Würde innerhalb ihrer eigenen kulturellen Traditionen natürlich weigern. Klar.

Also: Sollten nicht alle Menschen, wie es in den diversen Verfassungen und UN-Charten niedergelegt ist, selbst frei entscheiden, was sie anziehen wollen? Im Rahmen ihrer eigenen Gewohnheiten, meinetwegen? Eben. Ich hoffe, die Frauenschach-WM wird nochmal verlegt. Allerdings hat die FIDE das Problem, dass niemand diese nur wenig actiongeladene Sportivität ausrichten will, weswegen die übernächste schon wieder in Sibirien stattfinden wird. Klar, weil nur mit Fernsehübertragungsrechten (*hust) und Eintrittskarten (*räusper) lässt sich ein solcher Event mit Anreise und Hotelierung aller Funktionäre (und SportlerInnen) nicht finanzieren. Aber das ist eher ein Problem des Kapitalismus, nicht eines des Patriarchats. Letzteres sollten wir endlich zu Grabe tragen, ersterer wird sich wohl noch eine Weile gegen seine Abschaffung wehren. Jedenfalls solange ihr… aber ihr wisst ja selber was ihr wählen solltet.

chess, telegraph, guardian, pic fide, vom letzten Schachturnier in Teheran

3 Kommentare

  1. können die frauen das ja mal als möglichkeit zum boykott nutzen und ihre eigenen spiele organisieren :)
    soltte sie ja wenig intressieren was die männers dazu denken, vorallem wenn wie du sagst sowieso kein hahn danach kräht.

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  2. Woll´n wir doch mal ehrlich sein mit den Mode-Vorschriften:
    Hier im Westen ruehmen wir uns ja so sehr unserer ¨Werte¨ und ¨Freiheit¨ und doch sind wir mehr ueberwacht als in vielen weniger ¨ẗoll entwickelten“ Laendern.
    Und dass wir uns konfus zwischen wilhelminischer Antisexualitaet und reklamehaftem Exhibitionismus bewegen, ist nicht unbedingt aller Menschen -und vor allem Frauen!- Idealbild der Gesellschaft, und das ist auch ihr Recht.
    Ausserdem sollten wir uns klar sein darueber, dass die Freiheit der Kleidungswahl wie sie im Libyen von Herrn Ghadaffi, in Syrien, in Iraq, und im sovietisch-besetzten Afghanistan bestand, in den USA so entsetzlich gefunden wurde, dass man sie mit Krieg abschaffen musste. Ist es nicht erstaunlich: Gerade die Laender, die NICHT islamisch, sonder saekular regiert wurden, waren die Ziele der US-Zerstoerungswut?

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  3. Nebenher: ´Shah´ (nein, nicht der!) gehoert ja nach Persien
    – oder auch Nord-Indien, in kurz: Arier-Bereich: heisst ja Koenig.
    Und demnach stammt das Spiel ja von Persien – wenngleich die Han in China das bestreiten (aber was bestreiten die nicht?)
    Immerhin trat die 8 x 8 = 64 Tafel auch in China mit grosser Bedeutung auf: Im Yi Qing stellt es das Weltprinzip dar, in seiner Kompsition aus __ (Yang) und – – (Yin) – wobei aber die ersten Erscheinungen dieser Symbole in Dreier- nicht Sechsergruppen auftraten.

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