Warum fahren wir noch Autos aus dem 19ten Jahrhundert?

Der Amber One sieht auf den ersten Blick aus wie ein modernes, dreitüriges Kom­pakt­auto. Nur mit Leichtbaukarosserie, Elektroantrieb und 400km Reichweite. Allerdings kann man es noch nicht kaufen. Genauer gesagt: Man wird es nie kaufen können. Es ist nämlich (diese Idee haben wir schon gehört) kein Besitz, sondern ein Service: Man muss nur ausreichend viele dieser Mobile in einer Stadt abstellen, die App auf alle Smartphones verteilen und jeder Abonnent (ca. 33 Euro/Woche) kann nachsehen, wo der nächste Amber steht, hinlaufen und das Gerät ausleihen. Danach lässt man es stehen und der nächste Ambernutzer ist dran. Vorteil für den Einzelnen: Legendär niedrige Kosten. Vorteil für die Gesellschaft: Weniger Autos auf der Strasse, weil alle Ambers von vielen Leuten nacheinander genutzt werden können. Nachteile?

Die Autoindustrie, wie wir sie kennen, ist tot. Weil so ein Elektroauto mit nicht­rostender Karosserie gerne mal 1,5 Millionen Kilometer hält (der durchschnittliche Renault oder Fiat schafft nicht ein Zehntel) und bei Problemen einfach repariert wird. Stört uns das, wenn die Autoindustrie stirbt? Eigentlich nicht, weil auch diese Milchmädchenrechnung, jeder sechste Arbeitsplatz in Deutschland hänge von ihr ab, in Zeiten von Zeitarbeit und Werkverträgen zu Mindestlöhnen keine existenzielle Rolle mehr spielt. Allerdings sind die Fahrzeughersteller heute riesige, kapitalstarke Konzerne mit entsprechend ungezügelter Lobbymacht – wie wir schon am globalen Abgasskandal (nicht nur VW-Diesel, sondern alle Motorfahrzeuge aller Marken) sehen konnten. Diese werden mit allen Mitteln um ihr Überleben kämpfen. Gegen moderne Mobilitätsmodelle wie das des niederländischen Amber One. Auch gegen das Interesse der Bevölkerung. Ach, obwohl, das tun sie ja schon die ganze Zeit.

Trotzdem wird sich eine Evolution der Mobilität hin zum Auto-as-a-Service oder Auto-as-an-App nicht aufhalten lassen. Die alten Hersteller können dann mitmachen, oder untergehen, wie zuvor die Fabrikanten von Dampfloks, Pferdekutschen oder Faustkeilen. amber via techcrunch

2 Kommentare

  1. Warum beteiligen sich dann große Autokonzerne an Carsharingfirmen?

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    • Damit sie als Mitbesitzer mitbestimmen können. zB welche Modelle gekauft werden. Oder welche Preise man verlangt.

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