Die 14 Kennzeichen des Faschismus

trump

Im Jahr 1999 erschien das Buch „Vier moralische Schriften“ von Umberto Eco, in dem der bedeutende italienische Autor die 14 grundsätzlichen kennzeichen des Ur-Faschismus zusammenfasste. Hier sind die Liste dieser Eigenschaften und Verweise auf ausführlichere Quellen dazu. Überlegt euch nach der Lektüre, wie erschreckend viel davon auf Trump und seine europäischen Gegenstücke zutrifft.

Die einzelnen Merkmale dieses Urfaschismus sind hier aus dem gesamten Text herausgegriffen:

1. Traditionskult. Zu erinnern wäre hier z.B. an Bemühungen der Nazis zur Anknüpfung an okkulte Riten der Germanen, aber auch ansonsten die immer mal wieder vernommene Beschwörung „traditioneller Werte“.

2. Ablehnung der Moderne. Damit ist keine Technikantipathie gemeint, sondern die Ablehnung des Geistes von 1789, also der Werte der Aufklärung und der französischen Revolution, mithin auch der Menschenrechte. Das sich an 1789 anschließende Zeitalter der Vernunft gilt als Beginn moderner Entartung. Eine aktuelle Variante dieses Antimodernismus stellt die Diskreditierung der 68er Bewegung dar.

3. Irrationalismus. Dieser sei auch vom Kult der Aktion um der Aktion Willen abhängig. Antiintellektualismus, Theoriefeindlichkeit, ein tiefes Misstrauen gegenüber der Welt des Intellekts begleiten ihn.

4. Verdammung jeder Kritik. Während die Wissenschaft mangelnde Übereinstimmung als nützlich für die Bereicherung des Wissens erachte, sei fehlende Übereinstimmung für den Urfaschismus Verrat.

5. Rassismus. Meinungsverschiedenheiten seien ein Anzeichen der Vielfalt. Der Urfaschismus wachse und suche Unterstützung, indem er die natürliche Angst vor Unterschieden ausbeute und verschärfe. Der erste Appell einer faschistischen oder vorfaschistischen Bewegung richte sich daher gegen Eindringlinge.

6. Angst der Mittelschichten vor sozialem Abstieg. Urfaschismus entstehe aus individueller oder sozialer Frustration. Deshalb gehöre zu den typischen Merkmalen des historischen Faschismus der Appell an eine frustrierte Mittelklasse, eine Klasse, die unter einer ökonomischen Krise oder der Empfindung politischer Demütigung leide und sich vor dem Druck sozialer Gruppen von unten fürchte. In unserer Zeit, da die alten „Proletarier“ zu Kleinbürgern werden (und die Lumpenproletarier von der politischen Szene weitgehend ausgeschlossen sind), werde der Faschismus von morgen sein Publikum in dieser neuen Mehrheit finden.

7. Nationalismus. Den Menschen, die sich einer ausgeprägten sozialen Identität beraubt fühlen, spreche der Urfaschismus als einziges Privileg das häufigste zu: im selben Land geboren zu sein. Dies sei der Ursprung des Nationalismus. Außerdem beziehe eine Nation ihre Identität nur aus ihren Feinden. Daher liege an der Wurzel der urfaschistischen Psychologie die Obsession einer Verschwörung, am besten einer internationalen Verschwörung. Die Anhänger müssten sich belagert fühlen. Am leichtesten ließe sich dieser Verschwörung mit einem Appell an den Fremdenhass begegnen.

8. Das Gefühl der Demütigung. „Urfaschisten“ bräuchten dieses Gefühl, durch Macht und Reichtum innerer und äußerer „Feinde“ gedemütigt zu werden. Gleichzeitig müssten sie davon überzeugt sein, die „Feinde“ trotzdem besiegen zu können. Durch ständige Verlagerung des rhetorischen Brennpunkts seien die „Feinde“ gleichermaßen „zu stark“ und „zu schwach“. Faschistische Regierungen seien dazu verurteilt, Kriege zu verlieren, weil sie konstitutiv unfähig seien, die Stärke des Feindes richtig einzuschätzen.

9. „Kampf“ als Selbstzweck. Da das Leben nur um des Kampfes Willen da sei, sei Pazifismus Kollaboration mit dem Feind. Dies führe zu einem Armageddon-Komplex, zu einem unauflöslichen Paradoxon: Da alles auf eine „Entscheidungsschlacht“, eine „Endlösung“ hinausliefe, begänne danach eigentlich eine „Friedensära“ – was natürlich dem Prinzip des ständigen Krieges widerspräche. Keinem faschistischen Führer sei bislang die Lösung dieses Paradoxon geglückt.

10. Elitedenken. Dies sei ein Charakteristikum jeder reaktionären Ideologie. Es sei aristokratisch und militärisch und ginge einher mit einer grausamen Verachtung des Schwächeren. Der Urfaschismus könne nur ein allgemeines Eliteempfinden vertreten. Jeder Bürger gehöre dem besten Volke der Welt an, die besten Bürger seien die Mitglieder der Partei, etc.Da die Gruppe hierarchisch organisiert sei, verachtet jeder Unterführer seine Untergebenen, und jeder von diesen verachte die ihm Untergebenen. Das verstärkt das massenhafte Elitebewusstsein.

11. Heldentum und Todeskult. In der urfaschistischen Ideologie sei Heldentum die Norm. Dieser Kult des Heldentums hänge aufs engste mit dem Todeskult zusammen. Es wäre kein Zufall gewesen, dass ein Motto der Falangisten lautete: „Viva la Muerte“. In nichtfaschistischen Gesellschaften gelte der Tod als eine unangenehme Erscheinung. Im Gegensatz dazu suche der urfaschistische Held den heroischen Tod als beste Belohnung für ein heldisches Leben. Der urfaschistische Held erwarte den Tod mit Ungeduld. In seiner Ungeduld schicke er allerdings gern andere in den Tod.

12. Waffenfetischismus. Da sowohl endloser Krieg als auch Heroismus recht schwierige Spiele seien, übertrage der Urfaschist seinen Willen zur Macht auf die Sexualität. Hier liege der Ursprung des machismo (zu dem Frauenverachtung ebenso gehört wie gewalttätige Intoleranz gegenüber ungewöhnlichen Sexualgewohnheiten, von der Keuschheit bis zur Homosexualität). Da auch die Sexualität ein schwieriges Spiel sei, neige der Urfaschist zum Spiel mit Waffen – das werde zu einer phallischen Ersatzübung.

13. Populismus. Der Urfaschismus gründe sich auf einen selektiven Populismus. In einer Demokratie verfügen die Bürger zwar über individuelle Rechte, besitzen in ihrer Gesamtheit politischen Einfluss aber nur als Teil einer anonymen Masse besitzen. Es gilt das Mehrheitsprinzip. Demgegenüber hätten für den Urfaschismus die Individuen als Individuen keinerlei Rechte, das Volk dagegen werde als eine Qualität begriffen, als monolithische Einheit, die den Willen aller zum Ausdruck bringe. Da eine große Menschenmenge keinen gemeinsamen Willen besitzen könne, präsentiere sich der Führer als Deuter. Die Bürger spielten nur noch eine Rolle als beschworenes Zustimmungsobjekt. Aufgrund seines qualitativen Populismus müsse der Urfaschismus gegen „verrottete“ parlamentarische Regierungen eingestellt sein. Wo immer ein Politiker die Legitimität eines Parlaments in Zweifel ziehe, weil es den „Willen des Volkes“ nicht mehr zum Ausdruck bringe, rieche es nach Urfaschismus.
In der Zukunft erwarte uns ein TV- oder Internet-Populismus, in dem die emotionale Reaktion einer ausgewählten Gruppe von Bürgern als Stimme des Volkes dargestellt und akzeptiert werden könne.

14. Der Urfaschismus spreche Newspeak. Orwell erfand in „1984“ Newspeak als offizielle Sprache von Ingsoc, dem englischen Sozialismus. Aber Elemente des Urfaschismus sind verschiedenen Formen der Diktatur gemeinsam. Alle Nazi- oder faschistischen Schulbücher bedienten sich eines verarmten Vokabulars und einer elementaren Syntax, um die Instrumente komplexen und kritischen Denkens im Keim zu ersticken. Aber wir müssten uns auch auf andere Formen von Newspeak einstellen, selbst wenn sie in der scheinbar unschuldigen Form einer populären Talk-Show daherkämen.

Liste entnommen vom kruppzeug blog, weitere infos kritiknetz, dazu ein Originalartikel von Eco in der zeit, pic via boingboing

6 Kommentare

  1. Ich überlege mir gerade, warum Du ausgerechnet den Kürbis in dem Kontext nennst. Denk mal an L.Ron Hubbard und David Mistkäfer, an Kim Jong Un, Mao Zedong. Zum Punkt 10 fällt mir wieder mal die Kapitalelite ein, zu Punkt 4 ein Event, zu dem ein Bekannter bei einer Antifa-Party rausgeworfen wurde, weil er vor Jahren mal einen Komilitonen hatte, der bei der CDU war, also die linksextreme Form des „Judenfreund“-Vorwurfs. Trump ist nicht das Problem. Trump ist nur ein Symptom. Und Bashing wird kein Teil der Lösung sein, egal wie sehr man den Typen haßt.

    Gruß

    Thomas

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  2. Hat dies auf Logbuch Labelizer rebloggt.

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  3. […] 11k2: Die 14 Kennzeichen des Faschismus (via @webrebell / […]

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  4. Trump ist kein Freund der PC und damit Freund der Meinungsfreiheit. Warum diese Bild, dazu noch ein unvorteilhaftes?

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  5. Viele von den 14 Punkten hier oben, besonders 7 bis 14, treffen sehr sark auch auf undere „freie Welt“ zu – und insbesondere natuerlich auf jenes „Land of the Free“ ueberm Atlantik.
    Da ist das Vietnam und Iran-Verlust-Syndrom (nicht zu erwaehnen der Cuba-Hass) und die Angst, auch noch ein freies Europa zu verlieren in einem enormen Kriegsbudget und ruecksichtslosen Kriegen, Buegerkriegen, Diktaturen usw. klar sichtbar.
    Der italienische Sprecher des Faschismus, Gentile, definierte diesen als „stato corporativo“.
    Schau Dir unsere USA und ihre Vasallenwelt an – ist die das nicht?
    Eine Welt regiert und kontrolliert von den grossen Korporationen. Man mag ja in einem Staat Korporationen haben – abe wenn diese alleinige Macht haben, ist das der Korporationsstaat: „il stato corporativo“.
    Also, weine nicht ueber andere – weine ueber uns!

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