Aerosmith: Mehr Geld durch Games als durch Platten

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Präziser: Activision CEO Bobby Kotick erklärte auf einer aktuellen Pressekonferenz, dass die Rockband Aerosmith (muss man nicht mögen, ist aber auch nicht die schlimmste von allen) mehr Geld mit Guitar Hero: Aerosmith gemacht hat als mit irgendeiner ihrer Scheiben. Bonus: Das Game hat nach seiner Veröffentlichung einen kleinen Run auf den Backkatalog der Band ausgelöst. Muss man das jetzt zum Weinen finden, dass eine hart arbeitende Rockband mehr durch Spielelizensierung ihrer schweissgebadeten Akkorde einfährt, als durch den ehrlichen Verkauf richtiger Schallplatten? Nein, man kann ruhig anerkennen, das der Kunde immer Recht hat, und dass er oder sie das ebenso hart verdiente Geld eben für irgendwas ausgibt, was grade so cool rüberkommt. Derzeit eben Videogames. Und warum bringen Games mehr als Langrillen (schwarz oder silber, egal)? Ganz einfach weil die „Musikindustrie“, also die Musikabteilungen der weltweiten Medienkonzerne, noch weniger bezahlen als andere Branchen. Vom Verkaufspreis einer Scheibe bekommt die Band (a.k.a. „Der Urheber“) nur einige wenige Prozent. Buchautoren wenigstens rund 5 %, bei Games, Movies, Werbung gerne auch mehr. Na dann: Game on! gizmodo, pic Mark Vegas cc by sa

Anis Amri und ein schrecklicher Verdacht

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Am 19. Dezember kamen in Berlin 12 Menschen um, als ein polnischer Lastzug mit Stahlträgern für ThyssenKrupp in einen Weihnachtsmarkt fuhr. Man nimmt an, dass es sich um einen terroristischen Anschlag handelte, begangen vom Tunesier Anis Amri, der Tage später in Mailand von der Polizei bei einem Schusswechsel getötet wurde. Es ist allerdings nicht vollkommen auszuschliessen, dass es noch am Ort des Unglücks in der Fahrerkabine des LKW einen Kampf mit dem eigentlichen Fahrer Lukasz Urban gegeben hat, oder dass Herr Amri einfach zu doof war, um den Lastzug unfallfrei zu bedienen. „Anis Amri und ein schrecklicher Verdacht“ weiterlesen

Mit der Bombe leben, wenn auch nur für einen Tag

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Ihr habt es sicher alle mitbekommen: In meiner geliebten Heimat- und favourite Wohn/Schlafstadt ist eine am Ende „nur“ noch 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe ausgebaggert worden. Mitten in der City. Liegt da seit über 70 Jahren in der Erde und rostet vor sich hin. Klar, muss man entschärfen. Aber wenn das nicht so klappt, sind 1400 Kilo Sprengstoff unterwegs. Also wurde die Innenstadt geräumt, im Radius von 1,5 Kilometern, was 54.000 Einwohner betrifft. Mich auch, also hab ich heute morgen um 9 unter dem Getöse der Lautsprecherwagen („Hier spricht die Feuer­wehr, verlassen sie unverzüglich die Evakuierungszone…“) als letzter Bewohner das Haus abgeschlossen und mich in die Wohnung einer sehr guten Freundin (die somit mein Leben gerettet hat, irgendwie) am Cityrand geflüchtet (50 Meter hinter der roten Linie). Die sich selbst wiederum aus Feiertagsgründen bei Verwandten am Alpenrand (is ja nicht weit) aufhält, actually. Aber was mir beim Verlassen des Hauses aufgefallen ist: Es war nicht wie in „28 days later“, sondern fast alltäglich. Nur vorübergehend. Im worst case wären an meinem Wohnhaus, einen Kilometer von der Bombe entfernt, maximal Scheiben zu Bruch gegangen. Die drei Sprengmeister (pic unten) hätten dann mehr Pech gehabt, und die Häuser im engeren Viertel um den Blockbuster. Und dann? „Mit der Bombe leben, wenn auch nur für einen Tag“ weiterlesen

Bach-Choral der Woche

Gaetan Hadjeres und Francois Pachet am Sony Computer Science Labor in Paris haben die Deep-Learning-Software DeepBach geschrieben, die vorhandenen 352 Bach-Choräle eingegeben und dann auf Start gedrückt. Was die KI ausspuckte, könnt ihr oben hören. Ja, gut, dann setzen wir „Komponist“ eben auch auf die Liste der Berufe, die demnächst von der Robokalypse hinweggefegt werden. via boingboing

Politik, Lügen und Rechtspopulismus

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Bis zur Reagan/Thatcher-Ära, die um 1980 begann, glaubten fast alle Bewohner der „westlichen Welt“ an ein Gemeinschaftsideal, an eine bessere Zukunft für alle, sogar an gewisse gesellschaftliche Fortschritte (Frauenrechte, Ende der Apartheit, soziale Programme). Allerdings wurde als Garant dieser Fortschritte ab 1980 von der politischen Elite – und von der Medienelite – ein zunehmender Wohlstand der Wirtschaftselite genannt: Die Trickle-Down-Hypothese besagt, dass es allen Menschen immer besser geht, wenn die Reichen reicher werden, Preise vor allem für Wohnen stetig steigen und wenn internationale Abkommen für immer noch mehr globalen Handel sorgen. Nur hat das nicht funktioniert. Wie auch. „Politik, Lügen und Rechtspopulismus“ weiterlesen

So geht ehrliche Politik: Reichstes US-Kabinett ever

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Das insgesamt 17köpfige Kabinett des designierten Präsidenten Donald „pumpkin kingpin“ Trump besitzt privat so viel Vermögen wie das Drittel der weniger begüterten US-Haushalte, nämlich rund 9,5 Milliarden US-Dollar. Da noch einige Positionen unbesetzt sind, wird die 10 auch noch fallen. Wir sehen hier sehr schön deutlich, was Rechtspopulismus wirklich ist: Ein wirkungsvolles Instrument der Neoliberalen. Die „einfachen Leute“, die Trump gewählt haben, weil er „gegen die in Washington“ ist, im Gegensatz zur Clinton, die ja mit der „Wall Street“ im Bunde sei, wie man auf Fox News erfahren konnte, haben sich damit komplett über den Tisch ziehen lassen. Auch in Deutschland werden die Reichen immer reicher und alle anderen immer ärmer, wie auch der aktuelle, nur leicht zensierte Armutsbericht unserer Bundes­regierung zeigt. Und genau deswegen wählen die besonder einfach gestrickten Leute dann AfD, deren Wahlprogramm ja offen sagt, dass man in dieser Partei nicht nur Ausländer hasst, sondern auch Arme und Kranke und überhaupt alle, die nicht reich und mächtig sind. „So geht ehrliche Politik: Reichstes US-Kabinett ever“ weiterlesen

Rogue One: Nichts für Nazis, Maskus, Rassisten

“Anti-White Social Engineering”, also heimtückische Beeinflussung der Medien mit dem Ziel, die weisse Rasse zu vernichten. Doch, wirklich, das verbreiten grade die „Alt-Right“, also Neonazis oder Neurechten in den USA auf Reddit, Twitter, Blogs über den am Donnerstag kinostartenden Start Wars Rogue One. Eine Frau in der Hauptrolle! Undenkbar! Verschiedene Ethnien in der Gruppe der Helden! Abscheu­lich! Und irgendwas mit Juden! Bestimmt! Wenn die Hardcore-Kasper aus der Männer- und Rassenrechtsecke so gegen den Film schäumen, muss man sich den ja fast ansehen. Episode 7 war übrigens eine Enttäuschung. Mal sehn wir dieser wird. we hunted the mammoth

Warum Demokratie immer wieder scheitert

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Und warum sie trotzdem immer weiterlebt. Dies ist eine Antwort auf den Blogartikel von Markus Kompa über seinen aktuellen Austritt aus der Piratenpartei. Der, wohl aus Gründen des Zeitmanagements, keine Kommentare zulässt. Zunächst: Alles Gute und viel Erfolg weiterhin. Dann aber: Demokratie ist nicht das, wenn alle machen, wovon ich total genau weiss, dass es richtig ist. Sondern ein komplizierter Prozess, in dem man sich einigt, was denn nun gemacht werden soll. Und nachdem sich überhaupt nie alle einigen – und Direktwahl bisher entweder zu teuer oder zu anfällig gegen Hacks ist – bildet man Gruppen, die sich wieder um auf wichtige und weniger wichtige Themen eignen. Das wirft wieder neue Probleme auf (Parteien und Lobbyismus), aber das ist trotzdem das, was wir gerade haben: „Warum Demokratie immer wieder scheitert“ weiterlesen

Schöne neue Einkaufswelt: Amazon Go

Der US-Einzelhandelsriese mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen (nein, nicht Walmart) Amazon hat eine neue, tolle Idee, derzeit in der Erprobungsphase: Amazon Go. Einfach beim Betreten des Supermarkts mit dem Shopping-App einen QR-Code aufs Display zaubern und sich damit am Scanner einloggen. Dass QR-Codes ziemlich anfällig gegen Fälschung sind, lassen wir mal beiseite. Dann einpacken, was man haben möchte – oder wieder ins Regal zurückstellen – und gehen. Ohne bezahlen. Ohne Kasse. „Schöne neue Einkaufswelt: Amazon Go“ weiterlesen

Britische Polizei umgeht Verschlüsselung durch Raubüberfall

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Kann die Polizei einen Verdächtigen dazu zwingen, sein Telefon durch Pin-Eingabe oder Fingerabdruck zu entschlüsseln? Nein. Auch nicht im Post-1984-Britannien. Deswegen mussten sich die Detektive des Scotland Yard Cybercrime Unit einen neuen Trick ausdenken. Der geht so: Einfach den Verdächtigen auf der Strasse aufhalten, das Telefon wegnehmen, wenn er grade telefoniert, so dass es entschlüsselt ist, dann halten zwei Beamte in Zivil ihn fest, während ein Dritter so lange auf dem Iphone-Screen herumwischt, bis der Download aller Daten auf einen schnell angestöpselten Datenträger fertig ist. Hurra, man fand Beweise. Winziges Problem: Verdächtige zu dritt überfallen und ihnen das Telefon, die Autoschlüssel, die Kreditkarte oder sonst was wegnehmen, ist nichts, was die Polizei in einem Rechtsstat tun könnte. Nur in Nordkorea und politisch angrenzenden Ländern ist das kein Ding. Inzwischen also auch nicht in Britannien. Das kommt übrigens davon, wenn man sich in Panik vor äusseren Gefahren schubsen lässt, statt der eigenen Regierung auf die Finger zu schaun. Da fällt mir auf: Das könnte uns hierzulande auch passieren. Doch. Durchaus. bbc, pic cc0

Der LKW, der mit Wasser fährt

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Mit Wasserstoff, um genau zu sein. Den wir aber zuhause herstellen könnten, mit dem überschüssigen Strom von unseren Dächern. Der Nikola One soll jedenfalls mit seinen 1000 PS ab 2020 Lasten über USAmerikas Highways ziehen. Hierzulande dürfte er gerne auch Dieselmotoren in Zügen oder anderswo ersetzen. Warum ist das so toll? Weil aus Wasserstoff durch „Verbrennung“ mit dem Luftsauerstoff wieder Wasser wird. Keine Abgase. Und ist das besser als Elektroautos? Einerseits schlechter, weil wir den Wasserstoff erst herstellen müssen – der Gesamtwirkungs­grad ist also nicht toll. Andererseits besser, weil Batterien immer noch zu viel wiegen. Da enthält ein Wasserstofftank bei gleichem Gewicht eben viel mehr Kilometer. Im Fall des Nikola One 1900 davon. So lange fährt dann ein solcher Lastzug ohne Auftanken. Klingt für mich wie eine gute Brückentechnologie. arstechnica

Atomausstieg, Fukushima und die Korruption

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Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat heute entschieden, dass die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke ein Recht auf angemessene Entschädigung für den abrupten „Atomausstieg“ nach Fukushima (das übrigens weiter den Pazifik radioaktiv verseucht) fordern dürfen. Die Begründung ist komplex, aber schlüssig: Im Jahr 2000 beschloss die damalige rot-grüne Bundesregierung in Absprache mit den Energiekonzernen, dass alle Kernkraftwerke bis 2022 abgeschaltet werden sollen. Dazu wurden feste Stromliefermengen vereinbart, also eine staatlich garantierte Abnahme des noch zu erzeugenden Atomstroms (anderorts nennt man solche staaatlichen Wirtschaftsentscheidungen einfach Kommunismus). Schon 10 Jahre später beschloss Schwarz-Gelb, dass die alten Uranschleudern 12 Jahre länger laufen dürfen. Aber schon ein halbes Jahr später platzt die japanische Kernkraft­anlage bei Fukushima nach einer Überschwemmung und die Regierung Merkel nutzt die öffentliche Panik, um wieder Sympathiepunkte zu sammeln, indem man zunächst ein Moratorium beschliesst: „Atomausstieg, Fukushima und die Korruption“ weiterlesen

Nachher ist man immer schlauer: Trumpgrets

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Ebenso wie Millionen von Briten, die nach der Entscheidung begannen, auf Google nach der Bedeutung von „Brexit“ zu suchen, wundern sich jetzt US-Wähler, was denn da eigentlich passiert sei. So wie im oben erwähnten „Carrier-Deal“, in welchem Trump einem Konzern Steuernachlässe verspricht, obwohl er selbst Anteile an ihm hält. Prompt prasseln jetzt die Tweets herunter, in welchen gute, hart arbeitende US-Amerikaner sich bitter über den „orangen Clown“ (Zitat) beschweren. Und wie er sie verraten hat. Und dass er den „Sumpf“ der Wall Street nicht trockenlegt, und auch nicht den der Polit-Elite in Washington D.C., sondern nur Dinge tut, die ihm selber wirtschaftlich und seelisch gut tun. Wer hätte das gedacht? Hier weiterlesen: trumpgrets

Rechtspopulismus bei der Arbeit: Trump und Goldman Sachs

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Noch ist die US-Wahl nicht nachgezählt, da lassen die politischen Vertreter der Finanzindustrie bereits ihre Maske fallen: Der wegen seiner rechtspopulistischen Sprüche als Vertreter des kleinen, weissen Mannes gewählte Donald Trump nimmt insgesamt fünf Ex-Goldman-Sachs-Manager mit ins Team, darunter den Hedge-Fund-Banker und Hollywoodfinancier Steven Mnuchin. Das ging aber schnell, oder? Nein, das war vorher klar. Hillary Clintons angebliche Verflechtungen mit der Wall Street waren Wahlkampfgetöse, der Pumpkin Kingping steckt selber tiefer im Morast der Finanzelite als seine Wähler und Verehrer jemals glauben wollten. Genau denselben „Schock“ werden wir auch bei den anderen Rechtspopulisten erleben. Falls sie gewählt werden. tagesschau pic cc by andy hay