Mit der Bombe leben, wenn auch nur für einen Tag

fliegerbombe

Ihr habt es sicher alle mitbekommen: In meiner geliebten Heimat- und favourite Wohn/Schlafstadt ist eine am Ende „nur“ noch 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe ausgebaggert worden. Mitten in der City. Liegt da seit über 70 Jahren in der Erde und rostet vor sich hin. Klar, muss man entschärfen. Aber wenn das nicht so klappt, sind 1400 Kilo Sprengstoff unterwegs. Also wurde die Innenstadt geräumt, im Radius von 1,5 Kilometern, was 54.000 Einwohner betrifft. Mich auch, also hab ich heute morgen um 9 unter dem Getöse der Lautsprecherwagen („Hier spricht die Feuer­wehr, verlassen sie unverzüglich die Evakuierungszone…“) als letzter Bewohner das Haus abgeschlossen und mich in die Wohnung einer sehr guten Freundin (die somit mein Leben gerettet hat, irgendwie) am Cityrand geflüchtet (50 Meter hinter der roten Linie). Die sich selbst wiederum aus Feiertagsgründen bei Verwandten am Alpenrand (is ja nicht weit) aufhält, actually. Aber was mir beim Verlassen des Hauses aufgefallen ist: Es war nicht wie in „28 days later“, sondern fast alltäglich. Nur vorübergehend. Im worst case wären an meinem Wohnhaus, einen Kilometer von der Bombe entfernt, maximal Scheiben zu Bruch gegangen. Die drei Sprengmeister (pic unten) hätten dann mehr Pech gehabt, und die Häuser im engeren Viertel um den Blockbuster. Und dann?

sprengmeister

In Sicherheit, also der Wohnung meiner abwesenden Lebensretterin, einschliesslich rotem Sofa und genug Strom für alle mobilen Netzteile? Die Antwort ist eigentlich die selbe wie auf so gut wie alle Fragen des urbanen Daseins: Kaffee. Und ein wenig an die Sonne (in meinem Alter braucht man viel frische Luft). Und dann? Wenn die tagesaktuell bedingten Facebook-Diskussionen mit lokalen Aluhüten erwartet schnell langweilig werden? Auch hier eine universelle Antwort: Grime. Den dunkler werdenden Nachmittag über hab ich diese Marksteine humanoider Zivilisations­entwicklung bewundert, hier:

Stormzy.

Lady Leshurr.

Skepta.

Paigey Cakey.

Paige hat in „Attack the Block“ mitgespielt. Klar.

Ok, Mrs. Meade ist für unsere Spezies wichtiger als Jesus.

Und weil auf dem äonenalten Hellcomputer immer der Twitter Tab offen war, wusste ich kurz nach Sieben, dass die Todeszone offiziell abgesagt war und ich nach Hause konnte. Die Bombe ist weg. Grime bleibt. You already know the pa’n.

alle pics Polizei Schwaben Nord FB Seite

3 Kommentare

  1. Dann hattest Du ja richtig aufregende Weihnachten. Ich bin nicht sicher , ob ich so einfach meine Höhle (1 km entfernt ) verlassen hätte.
    Wahrscheinlich gib’s noch mehr von diesen Dingern, die in der Erde schlummern.
    Du weist doch: Die Regierung kann keine Rund um die Uhr Sicherheit bieten.

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    • Man durfte nicht dableiben, die Coppers hätten einen rausgeholt. Meine Stadt und ihre Erde sind voll von den Dingern. Erinnern uns daran, was rechtsnationale Regierungen bringen. Das heute warn Sieg der Zivilgesellschaft.

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      • Die hätten doch nicht die Möglichkeit gehabt, jede Wohnung zu durchsuchen.
        Soviel ich weiß, gibt es in jedem Krieg „Blindgänger“, die dann
        verschwinden und plötzlich durch Zufall wieder auftauchen.
        Das war also kein Sieg der Zivilgesellschaft sondern der Sprengmeister.
        Weißt Du etwa, welcher Partei sie angehören?

        Stell Dir mal vor, sie gehören der AfD an. Das wäre ja furchtbar.

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