Atompunk, in Bronze gegossen

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Scott Nelles lebt in der Nähe von Chicago und ist von Beruf das, was wir einen Bildhauer nennen würden. Auch wenn seine Arbeiten nicht das zeigen, was wir von bronzegiessenden Bildhauern gewohnt sind, nämlich Variationen klassischer Themen oder mehr oder weniger aufgelöste menschliche Formen. Sondern retro­futuristische Träume. Raketen, Astronauten, UFOs mit dünnen Aliens, Strahlen­pistolen und martialische Roboter. Lassen wir den Gedanken beiseite, wass denn Archäologen beim Austragen dieser Figuren in 1000 Jahren denken werden, und konfrontieren uns statt dessen mit der gegenwärtigen Bedeutung von Scotts Werk:

Atompunk. Das Wort ist, wie wir alle auf Wikipedia nachsehen können, eine Analog­bildung zu Dieselpunk als 40er und 50er Jahre Retrofuturismus, Steampunk als viktorianischem Retrofuturismus und Cyberpunk als Projektion des frühen Internet in eine Zukunft der technisch begründeten Magie mit künstlichem Bewusstsein und autonom handelnden Computerpersonen. Im Atompunk finden wir die Hoffnung der frühen Raumfahrtzeit, der Ära des Wirtschaftswunders und des unbedingten Fort­schrittsglaubens wieder. In Scotts Arbeiten, in Aluminium und Bronze gegossen, sehen wir eine Wiederkehr der Träume aus der Kindheit der Boomer-Generation (der ich angehöre), aber mit dem zu Metall gewordenem musealen Abstand, der deutlich macht, wie sehr das alles nur Träume waren und wie sehr diese heute Vergangenheit sind. Das ist eine grossartige Leistung des Künstlers, und man kann die Sachen auf seinem Etsy-Shop ordern, zusammen mit dem ganzen anderen unterhaltsamen Nippes, den der Mann sonst noch macht. etsy via boingboing

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6 Kommentare

  1. Ist ja an Kitsch nicht zu überbieten. Machst Du vielleicht für diesen „Künstler“ den Zwischenverkäufer?

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    • Hab nie behauptet, dass es grosse Kunst ist, aber er macht da was deutlich, was man selten so hat. Ob du das nun verstehst oder nicht, you’re welcome.

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      • Was will er mir denn verdeutlichen, was ich offenbar nicht verstehen kann?

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        • Steht oben im Beitrag, dear.

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          • „….sehen wir eine Wiederkehr der Träume aus der Kindheit.
            Boomer-Generation.“
            Schade, bin zu früh geboren. Dann wohl schon zu alt, um sie zu verstehen.
            Da werden einem die Probleme der Generationen bewusst.
            Andere Generationen – andere Träume.

            Wie geht es Deinen Augen?

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  2. Gnade der frühen Geburt, Irene. Dann eben andere Probleme. Muss nicht besser sein.

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