Tinder und der Klassenkampf in Zeiten der Informationsrevolution

vida

Die US-amerikanische Social Media Agentur (so nennt man das wohl dann) Virtual Dating Assistants (ViDA) engagiert und vermittelt Ghost Writer an zwischen­mensch­lich erfolglosarme, aber zahlungskräftige Männer, um deren Tinder-Profile und vor allem die nachfolgenden Message-Konversationen mit der gefragten Verve und dem Anschein von menschlicher Wärme zu versehen. Um damit ahnungslose Frauen anzugraben und den hübsch fotografierten und betexteten Pay-To-Date-Kandidaten ein zumindest erstes Treffen zu vermitteln: „Delivered On A Silver Platter“.

Unabhängig davon, ob man jetzt persönlich Tinder oder ein vergleichbares Angebot nutzt oder nicht – ist das nicht eine logische Fortsetzung von Prostitution in digitaler Form? Nur dass für den schnellen, sinnlosen Sex nicht die Frau bezahlt wird, sondern der Tinder-Flüsterer und Online-Vermummungsspezialist? Klar liess sich mit Geld bei diesem Thema immer schon was machen, aber die Digitalisierung zeigt auch in dieser konkreten Situation ihr Beschleunigungsvermögen für vorhandene gesellschaftliche Prozesse. Ich glaube, wir allen müssen erst noch lernen, mit dieser Informationsrevolution und ihrem massiven Eindingen in unser tägliches Leben umzugehen. Je schneller, desto besser. via alternet, pic: screenshot vida website

3 Kommentare

  1. Was hat Profiloptimierung für Verkupplungsapps mit Prostitution zu tun? Wenn Du zum Friseur gehst optimiert der sozusagen dein Realprofil, und Du bezahlst dafür.
    Auf Freiwilligkeit und gegenseitigem Einverständnis basierenden Sex als schnell und SINNLOS zu labeln machen normalerweise nur kirchliche Vereine. Wie macht man das sinnvoll? Fortpflanzungsorientiert und nur mit fester Bindung?
    Die Mehrheit kommt mit der sexuellen Revolution inzwischen halbwegs klar, online und offline.

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  2. […] Jo, Dude. […]

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  3. Die beschleunigte Verlagerung des gesellschaftlichen Prozesses der Beziehungsanbahnung ins Digitale hat auch etwas mit der (gefühlten) sozialen Erwünschtheit im Alltag zu tun.
    Während Mann in den 80ern Frauen noch ansprechen/hinterherpfeifen durfte, läuft das heute als supersexistisches Arschlochverhalten das es zu unterbinden gilt. Das kann man als begrüßenswert erachten oder nicht, nur Abstreiten lässt sich das schwer.

    Deswegen holen Frauen sich das gleiche Feedback jetzt digital ab, über ihre Tinder Accounts. Das hat nicht nur etwas mit den Vorteilen der digitalen Variante für Frauen zu tun (delivery on demand, weniger slutshaming usw.), sondern auch damit, dass die Gesellschaft jetzt anders genormt ist als früher. Ich würde die Entwicklung nicht nur an der Informationsrevolution festmachen, sondern auch an den Verschiebungen im allgemeinen Wertgefüge.

    hier ein anschauliches Beispiel dieser Entwicklung:

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