Was wir unbedingt noch von Martin Luther King lernen müssen

king_portrait

Der schon 1968 ermordete (sonst wäre er gestern 88 geworden) us-amerikanische Civil-Rights-Sprecher King prägte nicht nur Sätze wie „Ich habe einen Taum“, der sich prima neben den anderen Indianerweisheiten ans Ikearegal powerstrippen lässt (rückstandsfrei abziehbar), sondern viel deutlichere Aussagen über unsere Gesellschaft, die wir als privilegierte weisse Weststaatenbewohner dringend lernen müssen. Dazu gehören:

„Wenn Maschinen und Computer, Profitabsichten und Besitzrechte wichtiger sind als Menschen, dann ist dieses gigantische Dreieck aus Rassismus, extremem Material­ismus und Militarismus nicht mehr zu überwinden.“ (Revolution der Werte, 1967)

„Wir haben uns wiederholt der Selbsttäuschung hingegeben, dass Kapitalismus aus der protestantischen Arbeitsethik entstanden wäre. Tatsächlich entstand Kapital­is­mus aus der Ausbeutung und dem Leid von (schwarzen) Sklaven und gedeiht weiter durch die Aubeutung der Armen – sowohl schwarze als auch weisse, im In und Ausland“. (Die drei Schrecken der Gesellschaft, 1967)

„Ich habe mich beinahe mit der Erkenntnis abgefunden, dass das Haupthindernis auf dem Weg der Schwarzen zur Freiheit nicht der weisse Bürokrat oder der Ku Klux Klanner ist, sondern der gemässigte Weisse, dem Ordnung wichtiger ist als Gerechtigkeit.“ (Briefe aus dem Gefängnis in Birmingham, Alabama, 1963).

Mit „der gemässigte Weisse“ meint King übrigens mich. Oder euch. Leute, die zwar irgendwie wollen, dass alle irgendwie frei sind. Aber bitte ohne Stress. Und vielleicht nächstes Jahr erst, wegen der politischen Lage. Aber, Moment, meint er wirklich uns, weil wir doch in Deutschland gar keine solche Rassenprobleme haben wie in den USA? Doch, haben wir. Sowohl schwarze Menschen als auch irgendwie afrikanisch aussehende junge Männer, die zusammen mit vor Generationen eingewanderten jungen Türken, Italienern, Kroaten gerne mal als „Nordafrikanische Intensivtäter“ zusammengefasst werden. Und in ihrer Freiheit eingeschränkt. Durch Einkesseln (in Köln) oder Zusammenschlagen (in Sachsen). Doch, das ist astreiner Rassimus, den wahrscheinlich nicht alle 11k2-Leser in sich brennen fühlen (eher sehr wenige von euch), aber den zu bekämpfen, weil er einen aktiven Angriff auf unser gesamtes Wertesystem (Freiheit, Selbstbestimmung, Rechtsordnung, Gleichberechtigung, Würde etc) darstellt – das fühlt man auch nicht in sich brennen. Oder? Ich meine: Wer von uns widerspricht öffentlich (on- oder offline) irgendwelchen rassistischen Äusserungen? Ausser mir vielleicht, aber auch ich könnte da noch einen Scheit auflegen, um die Flammen stärker zu machen. Wisst ihr was: Das werde ich tun. Mir ist unser Wertesystem nämlich zu grundlegend wichtig, um es uns von irgend­welchen Möchtegerndiktatoren kaputt machen zu lassen.

via alternet, pic Betsy G. Reyneau pd

16 Kommentare

  1. Hier stimme ich Dir mal sehr zu.
    Nur mit „Unserem Wertsystem“ liegt schon seit laengerem vieles, so nicht alles, im argen.
    Du siehst es ja: Moerder wie die Clinton haben echte Chancen
    – nur brodelt’s tief drunten, bei Schwarzen, Braunen, Roten, wie Weissen – weil eben die „Werte“ nirgends durchkommen.
    Gute Menschen wie Frau Merkel werden andererseits angefeindet
    – eben weil sie das Richtige getan haben! Menschlichkeit gebot, das Tor zu oeffnen – selbst ohne eigene Schuld(!), den Schaden zu verringern – selbst auf eigeges Risiko!
    Dafuer wuerde ich ihr selbst ihren Fehler in Sachen Ukraine vergeben.

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    • Mutti Merkel ist die offizielle Sprecherin der deutschen Austeritätspolitik. Die den Arbeitslosen des frühen Informationszeitalters selbst 400 Schleifen Stütze verweigert, wo es nur geht, und um derentwillen gerade in Griechenland und Ex-Yugoslawien syrische Geflüchtete erfrieren. Nein, sie ist kein guter Mensch, sondern eine Machtmaschine.

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      • jo, das sehe ich mal ganz exakt so.

        Gruß

        Thomas

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    • Menschlichkeit war bei Merkel sicher nicht das leitende Motiv, eher die rücksichtslose Gier den Friedensnobelpreis zu erhalten.
      Davor hatte sie doch Friedenspolitik immer aktiv bekämpft, die offizielle Aussenpolitik sabotiert, und entscheidend zum Leid im Mittleren Osten beigetragen.
      Schon vergessen?
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-in-den-usa-eine-freundin-in-der-not-a-238100.html

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      • Einen Moment, Pepe:
        Frau Merkel „hatte doch Friedenspolitik immer aktiv ekaempft, die offizielle Aussenpoliyik sabotiert, und entscheidend zum Leid im Mittleren Osten beigetragen“.
        Wo hast du denn das her? Von der Bild-Zeitung, Welt oder FAZ? Und der Spiegel … na ja, wer luegt heute nicht? Goebbels haette seine Freude an der ganzen Presse.
        Frau Merkel hat die US gesteuerte Aussenpolitik, die beide Buergerkriege im Mittleen Osten anzettelte und bewaffnete, sabotiert – korrekt, denn das war NICHT Friedenspolitik, sondern gewissenlose Kriegstreiberei.
        Sie hat damit Deutschland aus der Mordschuld dort, wie ihr Vorgaenger uns aus dem Iraq-Verbrechen, herausgehalten.
        Sie hat versucht, Verbrechen und Leid zu verhindern – aber trotzdem den Opfern zu helfen versucht.
        Wir leben in einer US Kolonialwelt a la ‚1984‘ -schon vergessen?

        und @ Fritz: Wir haben alle mit Einschraenkugen zu leben, weil seit Jahren -seit 2001- nur noch Krieg gefuehrt wurde – sinnloser aber profitabler (fuer wenige) Krieg fuer Oel, Machtpositionen, Wahlkampf-Ruhm (verkrachter fuer Killary).
        Diese Kriegsverbrechen haben Millionen umgebracht und mehr Millionen in die Flucht getrieben – und, ja, das stimmt, auch wirtschaftlichen Trittbrettfahrern Tore geoeffnet, vor allem mit der Zerstoerung Libyens. Letzters darf aber nicht zur Ausrede fuer „Keine Hilfe“ missbraucht werden.
        Ich habe Frau Merkel etliches vorgehalten – vor allem ihre alte DDR-Einstellung, die sie zur Taeuschung durch Washington und Kiev fuehrte- aber ihre Menschlichkeit gegenueber den von unseren sogenannten „Freunden“ geschaffenen Vebrechensopfern verdient noch immer hohes Lob!
        Das hat mit Noblen Einstellungen zu tun – nicht Herrn Nobel.

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        • Sie verkauft Waffen in die Kriegsgebiete. Und wenn dann Opfer hier herkommen, tut sie so, als sei sie ein Menschenfreund. Wohnt in einem Bunker, umgibt sich mit einer Leibgarde, und faselt was von „Angst ist ein schlechter Ratgeber“. Wäre der Rest der Politikerbande nicht genauso verlogen, könnte man sie alleine an den Pranger stellen. Leider ist sie mit dem Problem nicht alleine. Hans-Joachim Maaz hat in dem Buch „Die Narzisstische Gesellschaft – ein Psychogramm“ das ganze Problem ziemlich klar beschrieben. Ein Buch, das ich für empfehlenswert halte!

          Gruß

          Thomas

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    • Interessant, dass die Pro-Merkel Fraktion jetzt auch schon mit dem „Lügenpresse“ Geschwafel ankommt. Welches Printmedium hätten Sie denn gerne als Quelle?
      Schröder und Fischer wollten erstmal keine Bomben auf den Irak abwerfen, das nennt man Friedenspolitik.
      Frau Merkel, damals CDU-Vorsitzende in der Opposition, ist dann auf eigene Faust in die Staaten geflogen und hat die deutsche Außenpolitik sabotiert. Danach war den Amis klar, dass Deutschland nach der nächsten Wahl sehr gerne mitbomben würde.
      Ohne Merkel hätte es keinen Irakkrieg mit deutscher Beteiligung gegeben. Ist eigentlich nicht so schwer zu verstehen.

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      • Und die Flüchtlinge wurden auch nur willkommen geheißen weil im Vorfeld die Wirtschaft schon lange nach Lohn drückenden „Fachkräften“ jammerte.

        Und pünktlich nach dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge gingen die Diskussionen schon los:
        Die qualifizierten Flüchtlinge sollen in unter dem Mindestlohn, in Leiharbeit, in 1 Euro Jobs und sogar komplett umsonst arbeiten.

        FUCK Merkel, FUCK alle Partein. Ich bin für deren Beseitigung. Egal wie.

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        • Anarchie ist machbar, Herr Nachbar :)

          Im Ernst, ich hab da schon eine Tendenz, „egal wie“ trifft es nicht ganz. Aber im Grunde bin ich da bei Dir.

          Gruß

          Thomas

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          • Um es kurz zu fassen:
            1. Es gab keinen „Iraq-Krieg mit deutscher Beteiligung“
            Schroeder hat es abgelehnt (Chirac auch).
            2. Es gab keinen Libyen und Syrien-„Krieg mit deutscher Beteiligung“.
            Frau Merkel hat beides abgelehnt – gegen die Versuche ihres Aussenministers, der so gerne „die Jungens im Lager besucht haette“).
            Beides war sehr ehrenhaft – wie auch die Fluechtlingszuflucht.
            Ihr seid offensichtlich alle viel zu jung und verwoehnt – keine Ahnung, was es heisst, nichts zum Leben zu haben: keinen Ort, keine Menschen, die man kennt, nix zu fressen.
            Ihr argumentiert wie reiche Schnoesel – und dann „Anarchie“!
            Macht mich nicht lachen.

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          • ich antworte an @JoB mal eine Ebene zu hoch, da im Blog die Maximalebene erreicht ist: noch mal der Lese-Tip „Die Narzisstische Gesellschaft – ein Psychogramm“ von Hans-Joachim Maaz. Und eine Bitte: nicht auch hier mit Polemik anfangen. Eigentlich haben wir hier im Blog ein recht hohes Niveau. Danke.

            Gruß

            Thomas

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        • Yup Knallbonbon, momentan gibt man sich noch der Illusion hin, man könne die Flüchtlinge als Jongliermasse kostendrückend und gewinnbringend in der Industrie verwerten. Und sobald die Wirtschaft abflaut oder der Terror zunimmt wird Deutschland dann ganz schnell statt Export- wieder Deportweltmeister.

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      • Ach ja, JoB, es gab keinen Irak Krieg mit deutscher Beteiligung? Mutti Merkel hat das abgelehnt??? Realitätsverweigerung nennt man das was Sie machen.
        http://www.faz.net/aktuell/politik/cdu-csu-merkel-verteidigt-irak-krieg-189806.html

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        • Hast Du Schroeder und Chirac verschlafen, Pepe?
          Und Bushs Wut auf eben alle, die eben „nicht mit uns“ waren?
          Das war vor 13 Jahren. Wie jung bist Du?

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          • Das ist der Punkt: Schröders Gerd hat den Irakkrieg abgelehnt, Friedensmutti Merkel ist mehr so „The Germans To The Front“ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Germans_to_the_front.jpg

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          • Wiederum falsch. Fritz, auch Merkel hat sich zweimal geweigert, an Kriegsverbrechen teilzunehmen: Libyen, wie auch die Chimaere vom Chemiekrieg Assads, wenn das Zeug aus Saudi-Arabien kam.
            Ihr einziger grosser Fehler ist Ukraine. Ich kann mir nur vorstellen, dass ihr da alte DDR-anti-Vorstellungen ein Falschbild vorgespiegelt haben.

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