Politik, Erfolg und die optimale Korruption

vukovic_study

Gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen Korruption und dem Erfolg als Politiker? Und wenn ja, was können wir dagegen tun? Glücklicherweise gibt es hier harte Zahlen, und Wissenschaftler, die keine Angst haben, diese zu nennen. Die Lösung für das Problem steht weiter unter in diesem Beitrag.

Das Problem mit der Korruption, in Zahlen

Der kroatische Wirtschaftswissenschaftler Vuk Vukovic lehrt an der University of Oxford und stellte in dieser Eigenschaft eine viel zu wenig beachtete Studie vor, mit dem Titel: „Korruption verbessert die Chancen auf Wiederwahl: Wie viel können Politiker stehlen, bis sie dafür bestraft werden?“. Darin untersucht er, durchaus auf der Basis vorangegangener, ähnlicher Studien anderer Ökonomen, den Zusammenhang zwischen Korruption und Politik. Die Korruption ist hier nicht etwa das Entgegennehmen von verdächtig dicken Kouverts durch schwitzende Politikerhände, sondern das Eintauschen von öffentlichen Gütern, etwa Steuererleichterungen, Fördermittel, Gesetzesänderungen, gegen Spenden für Wahlkampfzwecke, die dann zur Wiederwahl führen. Das ist ein auch in unserem Land bewährtes, „systemstabilisierendes“ Verhalten, das die Gesellschaft allerdings zunehmend in Schwierigkeiten bringt, weil sich dadurch Geld und Macht immer noch schneller in der Händen von immer noch weniger Menschen konzentrieren.

Vukovic fand durch Vergleiche öffentlicher Ausgaben mit den Wahlergebnissen in seinem Heimatland, dass der „sweet spot“ der Korruption bei etwa 20% liegt. Wenn maximal ein Fünftel aller öffentlichen Aufträge nur mit dem Zweck vergeben werden, Wahlkampfunterstützung zu bekommen, ist die politische Karriere optimal. Nimmt die Korruption dagegen weiter zu, dann wirkt sich das auf die Wiederwahl und Karriere eines Politikers negativ aus. Der erfolgreiche Volksvertreter ist demnach also zu 80 Prozent ehrlich, der Rest des öffentlichen Vermögens wird abgezweigt.

Die öffentlichen Ausgaben (Bund, Länder und Kommunen) betrugen nach Angaben des statistischen Bundesamts im Jahr 2014 rund 1240 Milliarden Euro. Bis zu einem Fünftel davon, 248 Milliarden, wird nach Vukovics Formel dafür verwendet, um die Wiederwahl unserer Politiker zu garantieren; und nebenbei einige wenige korrupte Wirtschaftsbosse noch reicher zu machen. Das entspräche umgerechnet knapp über drei Millionen Euro pro Jahr für jeden Bundesbürger, oder 250.000 Euro monatlich. Davon könnten alle prima leben – nur ist diese Rechnung zu plakativ vereinfacht. Was Vukovic tatsächlich zeigt, ist das Ausmass der Korruption, und damit die gigantischen Geldmengen, die unablässig aus öffentlichen Besitz in private Taschen fliessen. Nur, damit ein kleiner Teil dieser Geldströme wieder den Politikern zu Gute kommt, die den Geldstrom in Gang gesetzt haben. Das ist bitter, nicht wahr?

Und jetzt die Lösung

Ja aber, was können wir Einzelnen dagegen tun? Zunächst: Wir sind nicht „Einzelne“, wir sind die massive Mehrheit (a.k.a. 99%). Wenn wir das wollen, müssen unsere Politiker vorzeigen, wohin das ganze Geld verschwunden ist. Und von wem sie Wahlkampfspenden bekommen haben. Und anschliessend überlegen wir uns, wen wir dann noch wählen können.

Ja, aber, wie sollen wir Einzelnen denn diese ganzen Zahlen durchblicken? Sollen wir gar nicht. Für sowas gibt’s Wissenschaftler, denen wir diesen Auftrag geben können. Die Experten werden von uns bezahlt (das wäre im Verhältnis ziemlich günstig), oder von bereits bestehenden Anti-Korruptions-Organisationen wie Attac, Oxfam oder Transparency International – die tun das nämlich bereits.

Ja aber, wenn die das bereits tun, warum erfahren wir dann nichts davon? Weil die meisten Zeitungen und Fernsehsender eben den Profiteuren der Korruption gehören, oder wahlweise von öffentlich-rechtlichen Rundfunkräten kontrollierten werden, mit den oben erwähnten Politikern drin.

Ja aber, wenn wir das alles wissen, warum ändert das niemand? Weil die Leute in den Entscheidungspositionen von der Korruption profitieren, also warum sollten sie das ändern?

Ja aber, warum ändern wir das nicht einfach selber, stellen selber Experten auf, um alles zu prüfen, und veröffentlichen das selber, und wählen dann, wen wir wollen, und bestimmen alles selber? Weil wir dazu Verantwortung für uns selbst übernehmen müssten, und ausserdem steht in der Zeitung (die den erwähnten Profiteuren gehört), dass Millionen von islamischen schwarzen Männern in unser Land strömen wollen, um unsere Frauen und Töchter zu vergewaltigen (Alternativsensation: Fussball). Und das ist natürlich wichtiger (beides). Und deswegen gewinnt die Korruption immer. Weil wir Wähler das so wollen.

Noch Fragen?

Hier die Vukovic-Studie (Zusammenfassung und PDF): researchgate, via boingboing

Disclaimer auch hier: Ich kann nichts dafür, ich hab Piraten gewählt. Und zwar, weil ich eine neue Demokratie will, und nicht, weil in der Zeitung stand, dass diese neue erfolgreiche Partei kein Programm hätte (was nicht stimmt) so dass sich jeder was Krudes (Angst vorm Schwarzen Mann etc) reindenken kann.

2 Kommentare

  1. Ich hatte in einem früheren Kommentar schon behauptet, Politik ist die Legalisierung von Betrug. Egal, ob es 20, 30, 50 oder 100% sind, es wird immer die Gesellschaft als Ganzes geschädigt. Bis sie zusammenbricht.

    Aber bis dahin gilt das Motto: Teile und Hersche. Wenn wir uns selber bekriegen, kriegen wir es natürlich nicht hin, die eigentlichen Herscher zu entlarven und Schachmatt zu setzen.

    Wie sagte Seehofer so schön in einem Interview: Die eigentlich Mächtigen sind nicht gewählt und die Gewählten haben keine Macht.

    Das ist die Gesellschaft, in der wir leben. Aber ich freu mich auf die nächste französische Revolution. Überfällig ist sie ja…

    Und auch wenn du die Piraten gewählt hast, es ändert nichts. Denn auch euch fehlt das Wissen, wen ihr schachmatt setzen müsst. Und somit seit ihr nur ein paar weitere Schachfiguren, die sich in vielen, vielen Kleinkriegen gegenseitig aufreiben…

    Nihilus

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  2. „Wie sagte Seehofer so schön in einem Interview: Die eigentlich Mächtigen sind nicht gewählt und die Gewählten haben keine Macht.“

    Und damit hat der Junge recht.

    „…ich freu mich auf die nächste französische Revolution. Überfällig ist sie ja…“

    Sie ist schon auf dem Weg ……

    Wen wollen die Piraten denn schachmatt setzen?

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