Das Ende der Kinderarbeit (und der Globalisierung)

Aber noch nicht dieses Jahr. Sewbo ist ein Startup aus dem US-Silicon-Belt an der Westküste, das Roboter entwickelt (bzw die passende Software für kommerziell erhältliche Industrieroboter, der hier verwendete Typ kostet derzeit um 30.000 Euro), die nach der Auto-Industrie auch die Textil-Industrie automatisieren sollen. Bisher führt da kein Weg hin, weil Stoffe eben nicht steif und starr sind wie Stahl und Plastik, sondern weich und knittrig, und eine Menge an Echtzeit-Prozessorleistung benötigen, und dazu ziemlich viele geschickte Finger. Der Trick, den Jonathan Zornow und seine Mit-Programmierer bei Sewbo ausgedacht haben, ist simpel:

Man tränkt das zu verarbeitende Stück Stoff in Flüssigpolymere, so dass die Werk­stücke nach dem Trocknen steif wie Karton werden. Damit können herkömmliche Roboter prima umgehen. Nach dem Zusammennähen wird das Polymer mit Wasser ausgewaschen und die Jeans (oder was auch immer) ist fertig. Richtig, dabei wird noch mehr Wasser verbraucht, als in der an sich bereits extrem durstigen, kon­ven­tionellen Textilherstellung. Aber das ist ein anderes Problem. Die Sewbo-Maschinen werden im Modedesign ihren Platz finden, oder für Kleinserien.

Aber früher oder später genügen die Rechenleistung unserer Industrieroboter und die Dexterität ihrer Silikonfinger auch für unversteifte Textilien. Dann werden Billigklamotten nicht mehr in ostasiatischen Kinderarbeitslagern, sondern in den Hochregallagerbauten der Industriezentren gefertigt. Made on order, so dass die Lagerhallen für Produktion frei geworden sind. Dasselbe gilt auch für andere Consumer-Produkte wie Elektronik, Spielzeug, Möbel: Die Fertigung passiert dann auf dem selben Kontinent, auf dem auch die Konsumenten wohnen, in Gegenden mit niedrigen Grundstückspreisen und billiger Energieversorgung. Richtig, die Globalisierung ist dann erst mal vorbei, und die Weltwirtschaft kippt zurück in koloniale Zeiten. Aber noch nicht dieses Jahr. Und auch nicht in dieser Dekade. Aber noch in dieser Hälfte unseres Jahrhunderts. via fastcompany

2 Kommentare

  1. Ein Prozess schafft nicht Ausbeutung ab.
    Das braeuchte mehr – vor allem weniger Kapitalgier.

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    • Und wie kriegen wir das hin, ohne Gewalt? Solange so viele Menschen auf die Ablenkungsmanöver der „Kapitalgierigen“ reinfallen, wird’s mit Wahlen alleine nicht klappen.

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