Weltverschwörung der jüdischen Grossbanken aufgedeckt

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In letzter Zeit fällt mir verstärkt auf, dass auch ausgesprochen aluhutlastige Rechts­randblogs gerne mal auf meine kritischen Beiträge verlinken. Was mich ebenso ausge­sprochen amüsiert, weil dieses kleine Blog (knapp 5 Mio Aufrufe in 8,5 Jahren) ja eher der Popkultur, der Raumfahrt, der Autoritätskritik und der sexuellen Befreiung nahesteht. Ebenso amüsiert war ich, als bei einem völlig überfüllten Stammtisch meiner kleinen Piratenpartei nach dem Berlinhype von 2011 ein Besucher mit ernster Miene darauf beharrte, dass das Hauptproblem unserer Zeit ja die „Weltverschwörung der jüdischen Grossbanken“ sei, worum man sich auch an erster Stelle kümmern müsse.

Naja, nee. Es gib zwar sowas ähnliches wie eine von Grossbanken getragene weltweite Korruption, aber mit Juden, oder Moslems oder Reptilien vom Aldebaran hat das alles nichts zu tun. Dieses ganze Märchen von den Juden ist seit dem Mittelalter nur dazu da, um Einzelinteressen auf Kosten der Allgemeinheit zu vertuschen. Ebenso die islamische Bedrohung, oder überhaupt der Ausländer an sich. Ablenkung. Letztendlich bezahlt von den selben Leuten, die sich ansonsten völlig haltlos bereichern, indem sie Gesetzeslücken ausnutzen oder sich gleich neue kaufen. Ist das allgemein bekannt, dass die Familie Aldi (ihr wisst, wen ich meine) zwischen 50 und 100 Milliarden auf dem Sparbuch hat? Nicht Millionen, sondern Milliarden. Weil sie so gute Kaufleute sind? Nein, weil sie uns den billigen Dreck zu teuer verkauft, ihre Mitarbeiter ausgebeutet und keine Steuern für das alles bezahlt haben. Ja, richtig, wir Leben gerade in einer Epoche, in welcher die Mitbestimmung, oder auch nur die Selbstbestimmung nur noch ein Ideal ist und nicht mehr Alltag. Wer kann sich noch seinen Job frei aussuchen? Oder seine Ausbildung? Wer kann noch von dem leben, was er gerne macht? Wer hat noch den Eindruck, dass er Einfluss auf das politische System hat?

Da ist es natürlich völlig verständlich, dass in einem der Wunsch brennt, es „denen da oben“ mal so richtig zu zeigen. Hass und Frustration müssen ja irgendwohin. Jetzt könnte man hergehen und Steine in die lichtglänzenden Fensterfronten der Banken werfen. Oder (bitte nur leere) Polizeiautos anzünden. Und sich dabei selber in Gefahr bringen. Aber das will ja auch niemand, oder? Also nimmt man das öffentliche Angebot wahr, etwas zu hassen, das grade nicht da ist. Das also auch nicht zurückschlägt, oder einen anzeigt und vor Gericht zerrt. Etwas, das man auch vom Sofa aus hassen kann, und vor dem Fernseher. Damit man den Hass, den Ausdruck seiner Frustration über all diese Demütigungen nicht in sich hineinfressen muss, sondern hinausschreien kann. Ohne, dass wirklich jemand zurückschreit oder einen ins Gesicht schlägt. Und am besten gemeinsam mit vielen anderen, wie man in der Zeitung nachlesen kann. Gemeinsam, weil man dann stark ist und nicht mehr schwach. Deswegen hasst man statt der Banken, der Konzerne, der korrupten Wirtschaftsbosse und ihrer gekauften Politiker lieber die Flüchtlinge, die Syrer, Iraker, Eritreer, die vor unseren Rohstoffkriegen aus ihrer Heimat fliehen mussten. Die schlagen bestimmt nicht zurück. Und man kann sich als Teil einer grossen Gemeinschaft fühlen. Weil das so in den Zeitungen steht. Die den Superreichen gehören, denselben Drahtziehern, die so viel Einfluss auf alles andere haben. Huch!

Aber was soll man denn machen? Sich selber in Gefahr bringen, indem man sich gegen die Mächtigen stellt? Eben. Deswegen scharen sich derzeit so viele (aktuelle Umfrage 14%) um eine Ideologie des Hasses gegen die Schwächsten und der Sehnsucht nach einer Ordnung, die solche Demütigungen verhindert (supernaiv, aber es ist auch nur eine Sehnsucht). Weil man die Demütigung durch die Mächtigen nicht mehr erträgt, aber zu feige ist, um sich dagegen zu stemmen. Weil man lieber den einfachen Weg geht, als irgendwas zu hinterfragen, was in der (privat­wirt­schaftlich geführten) Zeitung steht. Weil man lieber Opfer ist als Rebell. Doch. Das ist einfacher und nicht so gefährlich. Und man kann es vom Sofa aus sein, und vor dem Fernseher. Ja, ich habe gerade gesagt, dass AfD-Wähler und -Sympathisanten Opfer sind. Und feige. Und sich manipulieren lassen. Von den selben Leuten, die auch sonst alles manipulieren. Insofern, ja, ist die AfD eine Systempartei. Und keine Alternative. Sondern im Gegenteil eine wichtige Stütze dieses Systems der Ausbeutung. Übervorteilung, Entrechtung. Aber gut, das hier ist ein freies Land und jeder darf sich selber in die Tasche lügen, soviel er will (das alles gilt 1:1 für Trump, Erdogan, Hofer und die ganzen anderen Möchtegerndiktatoren, und ihre Anhänger). Opfer sein. Zu feige sein, um gegen die für unsere Misere Verantwortlichen aufzustehen. Das darf man, und andere müssen Verständnis dafür haben, wenn man Angst hat. Im Ernst. Ich versteh das.

Aber andere müssen kein Verständnis dafür haben, wenn man die Parolen der Ausbeuter mitsingt. Dass die Moslems schuld sind (wenn sie sich ihr Öl nicht wegnehmen lassen). Dass die Afrikaner böse sind (wenn sie ihre Rohstoffe nicht umsonst hergeben). Dass die globale Erwärmung ein Schwindel sei (weil die Konzerne sonst schlechtere Quartalsergebnisse schreiben könnten). Das alles darf man zwar nachplappern (Meinungsfreiheit etc), aber ich darf es das nennen, was es ist: Lächerlich. Und erbärmlich. Und eigentlich traurig. Aber was solls, ich denke, der verwirrte rechte Rand der Blogosphäre wird weiter auf meine autoritätskritischen Artikel verlinken, im Glauben, ich wäre irgendwie ihrer Meinung. Auch wenn alle anderen Beiträge im selben Blog hier das Gegenteil zeigen. Macht ruhig, ich hab dann wenigstens was zu lachen. Ach ja, und die „Weltverschwörung der jüdischen Grossbanken“ ist abgesagt. Hab doch keine Lust. Hahaha. Lol.

lolcatlol

5 Kommentare

  1. Wo bleibt der Beitrag pro sexuelle Befreiung von Geschwisterinzest.

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    • ——– netiquette-bot: comment deleted. reason: trollpost ————– code 10100111010111010

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    • „Sexuelle Befreiung“ – In welche Richtung?
      In Schweden ist ja Geschwisterehe erlaubt.
      Ich mag zwat meine Schwester – aber das haett‘ ich nicht riskiert.
      (Ich bin der Juengere!)

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  2. Zur „juedischen Weltverschwoerung“ – wir alle wissen, das die Lehren der „Weisen von …. usw. ein Propagandastueck war. Wir wissen auch, dass ein juengerer Mensch namens Adolph seiner Zeit in Wien einen Uebermacht an Antijudenstimmung (wie auch offenbar einige unangenehme sexuelle Annaeherung in einem Maennerheim) erlebte – und wir wissen, dass etwa 25% der juedischen Weltbevolelkeung unter Vorspiegelung missrepraesentierter Darwinscher Theorien ermordet wurden – wie auch hoehere Prozentsaetze an Zigeunern und anderen Gruppen von Opfern.
    Das heisst aber nicht, dass keinerlei Kritik an Menschen, Gruppen, oder Taetigkeiten dieser damaligen Opfer heute verboten sein sollte.
    Ich weiss: Jede Kritik an Israels moerderischer und rassistischer Politik wird als „Antisemitismus“ bezeichnet – was absurd ist, wenn man sich ueberlegt, wer denn diese ‚Semiten‘ sind: Araber, eben auch Palaestinenser.
    Als die Roemer Jerusalem und den juedischen Staat zerstoerten, verliess nicht jeder Jude das Land (das nur durch 100% Holocaust gewonnen worden war). Wie zuvor beim Exil von Babylon waren das nur die Priester und Oberklasse – Normaljuden blieben, und blieben Araber, aber Moslems – wie sie bei Babylon die Religion wechselten – und bei der Rueckkehr massenweise abgeschlachtet wurden, was sich dann auch 1948 wiederholte. Was da zurueckkam“heim ins Reich“, waren zumeist US Amerikaner mit srarker Mischung und wenig Semitischer DNS.
    Diese Menschen verstanden wesentlich weniger vom Wuestenleben von Abrahams Kindern, aber sie hatten (ja, dank „christlicher“ Regeln und Missachtung) ihre Staerke im Finanzbereich gegruendet – was bis heute nicht von ihnen gertennt ist.
    Wenn wir im Zusammenhang mit juengeren Finanzkriesen auf Namenssuch gingen, wuerden wir die Namen Greenspan, Rothschild, Lehmann Bros. und viele andere nicht missen. Darin liegt Macht – und wenn damit auch eine bestimmte Loyalitaet (nicht unbedingt zum Land des Wohnsitzes) ins Bild kommt, liegt da ein gleichfalls nicht unbedingt oeffentliches Tatsachenbild vor.

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  3. Wer als Politiker Israel kritisiert muss sich auf jeden Fall warm anziehen.
    https://www.theguardian.com/uk-news/2017/jan/07/israeli-diplomat-shai-masot-caught-on-camera-plotting-to-take-down-uk-mps

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