So macht man Video-Fake-News

Fakenews, gefälschte künstliche Aufreger, gehen können demnächst auch per Video zu uns kommen. Dieser Beitrag dient nur der Erinnerung, die Forschungspapiere für Video- und Audio-Simulation sind bereits Ende 2016 veröffentlicht worden. Eine gemeinsame Forschungsgruppe der Stanford U und der Uni Erlangen-Nürnberg stellte im November ein Video auf Youtube (siehe oben), das anschaulich zeigt, wie man aus einem Bild eines bekannten Politikers oder Schauspielers mit Hilfe eines gewöhnlichen Notebooks, einer Webcam und der Face2FAce-Software in Echtzeit ein 4K-Video herstellen kann, das die Grimassen oder Gesichtsausdrücke des Hackers auf die Zielperson überträgt. Parallel dazu präsentierte Adobe den neue „Photoshop für Stimmen“, VoCo (siehe Video unten).

Hier genügt es, Wörter einzutippen, damit diese in der Originalstimme der Zielperson ununterscheidbar natürlich ausgesprochen werden. Auch diese Software läuft auf einem handelsüblichen Laptop. In Kombination der beiden Entwicklungen ist es also möglich, „echte“ Videos herzustellen, in welchen man sehen kann, wie Leute das Gegenteil von dem erzählen, was sie vermutet hätten. Da die gerade wichtigsten Persönlichkeiten in Politik und Kultur natürlich besonders viel Aufmerksamkeit bekommen, halte ich es für fraglich, dass sie zum Gegenstand solcher Mani­pula­tionen werden. Aber alle anderen, weniger bekannten, dürften demnächst mit „überraschenden“ Äusserungen auf Youtube zu finden sein. Zum Beispiel „Flücht­linge“, die ausführlich von ihren Vergewaltigungserfolgen berichten, oder „Moslems“, die von massiven Terrorvorbereitungen prahlen. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass dieses Mittel der Manipulation von den Feinden der Demokratie aus dem Lager der Multinationalen Konzerne verwendet wird, als von Anonymous-Einzelkämpfern, die uns mit Lulz-Videos von Trump erheitern möchten.

Und nochmal: Die Face2Face Videofälschungstechnik funktioniert in Echtzeit, kann also auch für gefälschte Interviews eingesetzt werden, die Adobe VoCo Sprachfälschungssoftware hinkt da noch ein paar Monate hinterher. Ich rechne damit, dass beides zusammen erst im Lauf dieses Jahres so richtig funktioniert. Dann allerdings sind wir auf Medien angewiesen, die in der Lage sind, alle Quellen (und Interviewpartner) nachzuprüfen. Wer macht das, ausser den Öffentlich-Rechtlichen? So oder so: Die Welt ist nicht einfacher geworden.

vanity fair, stanford, ars technica

5 Kommentare

  1. Danke fuer die Warnung!
    Das ist schlimmer, als ich gedacht hatte. Photomontagen usw. sind ja schon oft, auch in Nachrichten, aufgetaucht – aber auch in Prozessen – und etliche Strafverfolger haben sich da ja weit mehr „kuenstlerisch“ gezeigt als Mafia und Geheimdienste.

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  2. Fritz, vielen Dank für den Artikel.
    Das heißt, wir müssen alles und jedes anzweifeln.
    Mit den öffentlich Rechtlichen (?) war wahrscheinlich ein Witz von Dir.
    Gefälschte Videos sind bei denen doch seit langem sehr beliebt.
    Ich nenne hier nur den Trauermarsch in Paris.

    Selbst Reuters kann man nicht mehr trauen.
    Dass die Welt nicht einfacher geworden ist, haben wir uns selbst zuzuschreiben.

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  3. “ die Welt immer schwieriger wird“ muss es heißen….

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  4. Nee, nicht blind alles anzweifeln, bitte. Keinen „Lügenpresse“ Quatsch akzeptieren. Sondern Quellen selber berwerten. Und wenn einem was total krude oder auch nur total „das hab ich doch immer schon gesagt“ vorkommt, dann nachprüfen.

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