Herzschrittmacher liefern Daten als Beweismittel

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Zumindest, wenn sie an ein drahtloses Netzwerk angeschlossen sind oder einen internen Speicher haben. In Middletown, Ohio hat die örtliche Polizei einen gericht­lichen Durchsuchungsbeschluss für die medizinischen Daten eines 59-jährigen Hausbesitzers erwirkt, um nachzuweisen, dass er sein Domizil selber abgefackelt hätte (a.k.a. Verdacht auf Versicherungsbetrug).

Indem man den Herzschlag, den Herzrhythmus und die Belastung des Schritt­machers vor, während und nach dem Brand prüfte. Und weil die Daten nicht mit dem Bericht des Verdächtigen übereinstimmten, wurde er schliesslich verurteilt. Rein nach Indizien. Wir erinnern uns in diesem Moment mit Schaudern daran, dass wir tagein, tagaus Berge von elektronischen Daten hinterlassen, die im Zweifelsfall prima dazu dienen können, unsere eigenen Aussagen duurch digitale Indizien zu widerlegen. Ausser, wir führen irgendwann stärkere Datenschutzgesetze ein.

Networkworld, pic Steven Fruitsmaak cc by

7 Kommentare

  1. „Domizil selber abgefackelt hätte (a.k.a. Verdacht auf Versicherungsbetrug)“

    Das ist aber auch (schwere) Brandstiftung. Gerade die potentiellen Gefahren andere Menschen oder deren Eigentum damit zu vernichten macht es zu einem Kapitaldelikt.
    §306 f.

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    • Das stimmt fuer den Tatbestand – sofern Brandstiftung nachgewisen ist.
      Fuer die Taeterschaft aber scheint mir das nicht wirklich zulaessig:
      Alles, was der Shrittmacher zeigen kann, sind Erhoehungen des Herzrhythmus, Beschleunigung und Nachlassen (und Herzschlag).
      Hierzu sind alle Lebensumstaende einwirkend, und wenn der Mann fast einen Herzschlag bekommen haette, waere das normal gewesen – weshalb ich annehme, dass sein Herzrhythmus dem Gericht zu ruhig war – was aber Unfug ist, denn es gibt Medikamente, wie auch Verhaltensuebungen zur Vermeidung von Herzinfarkten, die den Rhythmus unter Kontrolle halten.
      Die Beweiskraft schiene mir gering bis nichtig. Aber US-Gerichte arbeiten nunmal nicht auf der Basis von Logik und Beweiskraft, sondern vielfach auf … ja, auf was? Wenn das jemand wuesste.

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      • US-amerikanische Gerichte arbeiten (nach meiner eigenen Erfahrung vor solchen Gerichten) weit mehr auf Basis von Logik und Beweiskraft als Kommentatoren, die aus einem Bericht über ein Ermittlungsverfahren, in dem etliche andere Indizien angesprochen werden, in dem die Aussage eines Kardiologen zitiert wird, und aus dem hervorgeht, dass es noch gar kein Gerichtsverfahren gab, auf allgemeine Justizschelte schließen.

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    • Bitte nie Paragraphen ohne Gesetz zitieren.
      Und bitte beachten, dass die § 306 f. StGB in Ohio nicht gelten.

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  2. […] Heute: Herzschrittmacherdaten als Beweismittel. […]

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  3. Aus dem zitierten Bericht – http://www.networkworld.com/article/3162740/security/cops-use-pacemaker-data-as-evidence-to-charge-homeowner-with-arson-insurance-fraud.html – geht hervor, dass es noch keinen Prozess gab, dass es bisher nur ein Ermittlungsverfahren gibt, und dss es eine ganze Menge an anderen Verdachtsmomenten für Brandstiftung gibt.

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  4. Richtig – ich habe zu weit geschossen;
    habe aber die US Gerichtsbarkeit schon seit Jahren beobachtet, und auch mit Bedenken gsehen, dass sich Dinge aus der dortigen Praxis auch in England, bzw. hier (Hong Kong arbeitet nach englischem Recht) von dort hier einzuschleichen versuchen, und ich habe schon mehrfach Einwendungen dadgegen vorgelgt, z.B. die Zulassung von Hoerensagen als Beweis, oder die „Opfer-Anwaltschaften“ in Prozessen und dergleichen Prozessverfaelschungen. Nein, ich habe nicht viel gutes da gesehen – weshalb ich dass Innocence Project fuer absolut notwendig erachte (sogar 10mal groesser!) Sollte es ueberall geben, aber dort …… 100mal!
    Ich bin uebrigens seit 20 Jahren hier am High Court zugelassen.

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