Skeptik, die Todesfalle für die Vernunft

le_moustier

Der Skeptizismus, das rationale Bezweifeln der Lebensumwelt, gilt weithin als Krone der Aufklärung, als alternativer Weltanschauungsentwurf zur dunklen Ära der Religion und des Aberglaubens. Im Prinzip ja. Leider gilt das nur dann, wenn die klare, kalte Logik unserer philosophischen Vordenker auch wirklich unbarmherzig angewendet wird. Was aber so gut wie nie passiert. Womöglich, weil unsere Spezies ein Gehirn benutzt, dass in Hunderttausenden von Jahren der Steinzeit für das Auffinden von simplen Lösungen optimiert wurde. Die skeptizistische Denkfalle funktioniert daher so:

Sobald ein Verdacht, eine Hypothese oder ein „Gefühl“, also irgendetwas uns als skeptisch Erscheinendes, durch Tatsachen, Fakten oder etwas ähnlich Aussehendes bestätigt werden, sind wir sofort zufrieden und hören auf, weiter nachzuprüfen. Man hat ja schliesslich noch anderes zu tun. Ausser, man ist Philosoph und wird fürs Denken bezahlt. Skeptik reicht im Alltag also nur bis zur ersten Bestätigung der urspünglichen Annahme, dient also am Ende nur der Bekräftigung der eigenen Glaubenssätze. Schade. Aber sobald man sich das vergegenwärtigt, ist man auf dem Weg hin zu Aufklärung und Vernunft (vorher nicht). Ansonsten bleibt „ich bin skeptisch“ ein Synonym für „ich glaub an was anderes“.

Den Anstoss zu diesem Blogbeitrag lieferte der US-Fachjournalist David McRaney in einem Beitrag auf boingboing: How motivated skepticism strengthens incorrect beliefs

pic Charles R. Knight

5 Kommentare

  1. Das scheint mir allerdings methodisch falsch. Als Skeptiker oder kritischer Empirist versuche ich ja nicht, eine Hypothese zu bestätigen, indem ich Fakten finde, die für sie sprechen – Get your facts first, then you can distort them as you please – weil ich sonst in einem Induktionsproblem stecke. Würde ich das nicht beachten, könnte ich die Existenz von Göttern oder die Wirksamkeit von Homöopathie mit Hilfe von Zirkelschlüssen und dem Verallgemeinern von Einzelfällen leicht beweisen. Skeptizismus beruht auf Falsifikation: erst wenn ich keine gesicherte Tatsache finde, die die Hypothese widerlegt, kann ich eine Hypothese als gesichert ansehen. Alles andere ist Positivismus.

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    • Ich hab den Verdacht, dass wir dasselbe meinen.

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    • Hier folge ich nicht gaenzlich: Ich akzeptiere die (vorlaeufige) Gewissheit der Hypothese durch Abwesenheit ihres Widerspruchs (die aber auch vorlaeufig sein kann).
      Ich kann dann auf dieser Hypothese arbeiten, bin mir aber durchaus nicht sicher, dass sie ‚DIE GROSSE WAHRHEIT‘ ist.
      Nur zur Illustration: Nimm Einsteins Universum und das Quantum.
      Kannst Du das loesen? Wenn Du’s versuchst – und wir sollten’s versuchen, aber Du magst gegen eine Gummiwand rennen.
      Da liegt das Biest begraben: Wir wissen’s nicht. Vielleicht: Noch nicht – aber aus jeder „Loesung“ kommt eine neue Frage.
      Wir muessen also zweifeln – staendig.
      Wie Du siehst: Etwas Skepsis liegt drin, wie in Sokrates‘
      „Ich weiss, dass……..“ was war das noch?

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      • Oh mann. Manchmal schwallst du ganz schön rum.

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  2. passt ja https://www.gwup.org/

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