Die GEZ ist unser bester Freund, irgendwie

rundfunkbeitrag

Wir alle kennen den Moment, in dem wir die GEZ zu hassen lernen. Beinahe. Was für eine Unverschämtheit, denken wir uns, ganze 17 Euro 30 jeden Monat, und wofür? Für die langweiligen Volksmusikabende, die Hollywoodfilme aus dem letzten Jahrhundert und die lustlosen Krimis an Wochenendabenden? Und, hey, wir bekommen ja auch massive Unterstützung für diese Position, unzählige Blogs und sogar Leitmedien wie der Focus und die Augsburger Allgemeine bestärken unsere wachsende Überzeugung, die GEZ wäre das Schlimmste, das uns zu Lebzeiten passiert ist. Ähm… Moment…

Wenn Schmierblätter wie der Focus und rechtsalternative Bauernzeitungen wie die Augsburger sich gegen die GEZ dicke machen? Lasst uns mal nachdenken: Sobald die Parallelwelt der Privatsender und Verlagsfamilien­druckwerke nach erfolgreicher Abschaffung des Rundfunkbeitrags erst einmal keinen Gegenentwurf mehr hat, kriegen wir nur noch zu sehen und zu lesen, was privatwirtschaftlichen Arbeitgebern und Medienkonzernen gefällt. Ist das besser? Glauben wir der Familie Bertelsmann (Mohn) und der Familie Springer mehr als einem irgendwie unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Sender, finanziert von unseren Zwangsgebühren? Keine Frage, ich mag die GEZ irgendwie auch nicht. Der ganze Auftritt ist auch irgendwie zu deutsch, zu unfreundlich. Aber die Konstruktion mit den 17,30 pro Monat und Haushalt, sobald irgendwelche empfangsfähigen Geräte anwesend sind, garantiert Berichterstattung, Journalismus, Dokumentationen, die von keinen kommerziellen oder wirtschaftspolitischen Interessen bestimmt sind. Ja, für mich wäre es auch ok, wenn überhaupt keine Spielfilme, Sportsendungen, Musikabende mehr auf ARD und ZDF zu finden wären, und dafür der Beitrag halbiert werden könnte. Nur: Es ist gut, dass das nicht meine Entscheidung ist. Sondern allein die der öffentlich-rechtlichen Funkhäuser selbst. Gerade in Zeiten von algorithmus-verstärkten Fake-News-Strudeln (a.k.a. Facebook) ist das der stärkste Anker, den wir in der Realität haben.

Wir brauchen Journalisten, die unabhängig nachprüfen. Und deshalb, auch wenn mir das selber nicht gefällt, brauchen wir die GEZ. Ja, soweit ist es gekommen. Aber es könnte schlimmer sein: Eine Welt nämlich, in der es nur noch Bild und Augs­burger und Focus und RTL gibt (unterstützt vom braunen Rand der einschlägigen Aluhut-Blogs). Und damit eine Pseudorealität, die vom Topmanagement der Konzerne geschrieben wird. Dann lieber 17,30. Kleineres Übel und so.

10 Kommentare

  1. ZDF und ARD sind doch auch zu Hofberichterstattern der Regierung verkommen. Bei den ganzen Altpolitikern, welche im Rundfunkrat ihr Gnadenbrot bekommen, auch kein Wunder.

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  2. Auch wenn die „Öffentlich Rechtlichen“ keine Propaganda verbreiten würden, der Rundfunkstaatsvertrag ist und bleibt ein Vertrag zu Lasten Dritter und ist somit laut dem bügerlichen Gesetzbuch nicht statthaft.

    Ich schließ mit meinen Kumpel einen Vertrag, daß unser Fritz mir auf ewig 150Taler zahlt. Klasse, mal sehen, was Unser Fritz hier dazu sagt. Das ist nämlich beim Rundfunkstaatsvertrag geschehen. Und Unterschriften, damit er gültig wird, wie in §126 BGB gefordert, finden sich da auch nicht drauf. Die „Vertagsschließenden“ wusten schon warum…

    Wenn die Zahlung, wie früher an ein Gerät gekoppelt wäre, kein Problem, alles in Ordung, rechtlich nichts einzuwenden, denn man kann konkludente Vertäge schließen. Aber Haushaltsabgabe?

    Ich habe seit mehr als 20 Jahren kein Rundfunkempfangsgerät mehr…

    …es gibt Besseres, als sich den Stacheldraht durch sein Gehirn ziehen zu lassen.

    Nihilus
    PS: …und eine NICHT(!) rechtsfähige Inkassobude stellt Titel aus, wtf?

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  3. Keine Missverständnisse: ich hab jede Menge zu kritisieren an gebührensystem, Programm, Rundfunkräte, etc. Aber ohne ÖR wäre alles noch schlimmer.

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  4. „Unabhängig = öffentlich rechtlich“ ist eine sehr seltsame Formel, wenn man sich die Verbindungen der Rundfunkanstalten mit dem Staat und die politischen Gefälligkeiten in beide Richtungen ansieht.
    Ja: Die aktuell existierenden privaten Sender sind auf keinen Fall die Lösung, aber die aktuell existierenden öffentlich rechtlichen Sender werden dadurch nur marginal besser. Die pseudo Steuer der GEZ sollte daher nicht angepriesen werden.

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  5. Die Neutralitaet auch von nicht-privaten Nachrichtenherstellern ist leider auch zweifelhaft. Ich beziehe mich dabei vor allem auf BBC und fand in vielem Al Jazeera z.B. wesentlich besser in der Berichterstattung – obgleich da auch politische Eischraenkungen da sind. Es ginge also manchmal darum, einen Sender zu finden, dessen Ort ohne Interesse zum Berichteten ist – was aber schwer zu bewerkstellgen ist.
    Generell aber sehe ich im „unabhaengig – oeffentlich rechtlich“ noch eine Chance, die das private nie anbietet; wirkliche Nachrichten.

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  6. sowas – wenn Du jetzt noch eine Lanze für die GEMA brichst, gehe ich davon aus, dass Du durch Außerirdische entführt und durch ein subversives Duplikat ersetzt wurdest. =)

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  7. das ist unfug. wer ZDF anmacht zur normalen tageszeit bekommt propaganda oder schnulze. man muss schon die spartensender anmachen wenn man etwas lernen will. ob ich nun mich nun von claus lügen-kleber belügen lasse oder in meinem facebook strudel festhänge spielt also keine rolle.

    wenn ich als GEZ-sklave die möglichkeit hätte meine gebühren auf bestimmte sendung aufzuteilen wäre es noch OK; aber wenn lügner claus 500.000 im jahr bekommt für seine propaganda dann ist es eine VERARSCHE!

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  8. Ich schau nie (never, ever) terrestrisches TV, seit etwa 3 Jahren. Und wir alle kennen den Unterschied zwischen „gut“ und „wir haben nichts besseres“.

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  9. Für mich ist hauptsächlich die Personal- und Programmpolitik des öffentlich-rechtlichen Rundfunks inakzeptabel, nicht der Beitrag an sich.
    Zur Attraktivitätssteigerung gegenüber den Privatsendern wurden im letzten Jahrzehnt die absolut unfähigsten Moderatoren rekrutiert, namentlich Markus Lanz, Reinhold Beckmann, Johannes Kerner, Franz Plasberg, Claus Kleber und Jörg Pilawa. Die sind alle keinen Euro wert, deren Sendungen können von mir aus sofort durch ein Testbild ersetzt werden, und was dann noch übrig bleibt kostet wahrscheinlich nur die Hälfte des aktuellen Beitrags.

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