Ist 4Chan wirklich der Schlüssel zu Trumps Erfolg?

donald_the_frog

Der US-Comicautor und 4Chan-Insider der ersten Stunde, Dale Beran, beschreibt in seinem sehr ausführlichen und sehr lesenswerten Artikel auf Medium den Aufstieg von 4Chan aus der Something Awful Community und die Abfolge von gemeinsamen Zielen, die alle mit der Identität der überwiegend jungen, erfolglosen Internettrolle zusammen hängen. Wir sollten aber ganz grundsätzlich nicht den Fehler begehen, die ziemlich kontrovers agierenden Jungs als Loser, Trolle und Möchtergerns abzupauschalisieren. Das sind mehrheitlich schlaue, kreative Leute, die einfach nicht genug Anpassungsfähigkeit an die windkanalgerechte Stromlinie des US-Kapitalismus besitzen. Dass sie manchmal (so wie derzeit) kompletten Supermist bauen, steht auf einem anderen Blatt.

Nach spielerischen Anfängen und dem erfolgreichen Medienangriff auf die totalitäre Scientology-Sekte und dem Etablieren des Anonymous-Memes geriet das Schicksal eines subjektiv von seiner Freundin schlecht Behandelten in das Aufmerk­sam­keits­radar der informellen Gruppe, dessen persönliches Leid im Schicksal der Tausenden von Bewohnern elterlicher Kellerräume (wie es die Folklore erzählt) Widerhall fand und zu einem der grossen sinnlosen popkulturellen Ereignisse unserer aktuelle Dekade führte: Gamergate, ein Tsunami aus adoleszentem männlichen Selbst­mitleid. Zu dumm, dass man sich damit als Internet-Hilfstruppe für die extreme US-Rechte profilierte.

Für Jahrzehnte war Donald John Trump, ein Casinobetreiber und TV-Show-Moderator aus gutem Haus, aber ohne geschäftliche Fähigkeiten, ein anerkannter Loser und mässig erfolgreicher Schürzenjäger, der sogar in der gelbnasigen Welt der Simpsons als abschreckendes Beispiel (und zukünftiger US-Präsident) vorkam.

Genau das ist der Punkt. Dale Beran fasst zusammen: „Trumps jüngere Unterstützer wissen, dass er ein peinlicher Witz ist, genau deswegen unterstützen sie ihn.“ 4Chan (und angrenzende Gruppen) sind nach wie vor ein Schattenheer aus gelangweilten, frustrierten, jungen Männern mit einem weithin unerfüllten und unerfüllbaren Drang nach Freiheit, Erfolg und Bestätigung. Und einem tiefsitzenden Minderwertigkeits­komplex, für den Donald John Trump der bestmögliche Ausdruck ist. All diese Jungs vor ihren Computern sind von der „Gesellschaft“ enttäuscht, vom Versprechen des Wohlstands und persönlichen Glücks, und daher glühende Anhänger eines Politikers, der von vorne herein erkennen lässt, dass er alle Versprechen brechen wird. Das ist möglicherweise Ausdruck einer kollektiven Borderline-Störung. Oder Ausdruck eines massiven gesellschaftlichen Missstands, einer Entwicklung, die aktive, kreative junge Männer so weit an der Rand drängt, dass sie nur noch in ihrem Geheimbund des Selbsthasses und der Zerstörung leben wollen. Ja, wir können diesen Misstand ruhig Kapitalismus nennen. Und lest den Originalartikel auf medium.

5 Kommentare

  1. freiheit alleine führt selten zu brüderlichkeit.

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  2. Sag mal, Fritz, bist nicht Du einer dieser Internet-Trolle?
    Du hast Dir da eine Nische ausgebaut (aus den Kelleerraeumen der Partisanenpartei?) und laesst eine ganz schoene Memge Hass los..
    Ich habe ja selbst auch meine Lieblings-Schussziele, aber die sind noch immer dieselben wie vor 50 Jahren: Kriegstreiber und -profiteure, Machthaie, Rechtszerstoerer und Unterdruecker.
    Und wenn ich mir die Anti-Trump-Kamarilla so anschaue, sind da keine von meiner Seite dabei – vielleicht ein paar von zuviel Luegen fehlgeleitete Idealist/inn/en, denen noch nicht das Licht aufgegangen ist, was hinter dem „Fortschritt“ und „Freiheitssinn“ der „liberalen Progressivitaet“ der Clintons und dem einseitig hinterruecks interessierten Obama steckt: Das Ideal einer noch leichter lenkbaren und voellig opinionierbaren Lustgesellschaft a la Brave New World, aber mit 1984-Methodik und ohne Siegmund Freud.

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    • Du bist wirklich drollig in deinem Bemühen, Trump als konservativen Heilsbringer darzustellen. Der Mann ist ein Psychopath, und eine Marionette der Wall Street. Du hast es auch noch nie geschafft, irgendwelche Quellen für deine abgedroschenen Behauptungen zu Clinton und Obama zu liefern, ausser deiner allgemeinen drolligen erzkonservativen Grundeinstellung. Die aber auch wieder subjektiv ist. Was aber nicht so schlimm ist, solange du dich bei deinen Kommentaren hier an der Netiquette orientierst. Die im konkreten Fall nicht nur was gegen Crossposting und Threadjacking hat, sondern auch gegen Zumüllen mit überschäumender Subjektivität. Ich glaube, hier wissen alle, dass du zu so gut wie allen Beiträgen anderer Meinung bist, du müsstest das nicht mal extra sagen. Um so drolliger, dass du das immer wieder tust. Nein, Jo, niemand wird dich jemals für dieses Martyrertum heiligsprechen. Im übrigen bin ich stolz darauf, Vertreter der Netzkultur zu sein, ja. Und damit entschlossener Gegner jeden Revanchismus und Chauvinismus. Tja.

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      • O Fritz, gerade Du sprichst GEGEN SUBJEKTIVES!?
        Uebrigens, wie kommen denn hier „Revanchismus“ und „Chauvinismus“ rein -hab‘ ich da einen Zusammenhang uebersehen?
        Wir haben doch weder von Nigel Farage noch Marine Le Pen geredet. Wenn ich von Obama und Hillary Clinton ( wie auch ihren Goettergatten) als Kriegstreibern und – profiteuren, Machthaien, Rechtszerstoerern und Unterdruekern spreche – haeltst Du das fuer „abgedroschen Behauptungen“?
        Die Eklaerung des Internationalen Gerichtshofes Im Haag, warum er meinem Strafverfolgungsverlangen nicht folgen koenne, ist wesentlich klarer: Die USA sind nicht Unterzeichner der ICC Charter, und DESHALB sind US-Verbrecher ausserhalb ihrer Jurisdiktion!
        Du wirst Dich aber vielleicht erinnern, dass ein Richer in Spanien sich dennoch Herrn Pinochet vorlud. Nur trauen sich unsere das nicht.
        Uebrigens auch noch: Was sagt DIr denn, dass Obama und die Clintons weniger mit Wall Street zu tun hatten? Die haben doch 100% dem ‚Industrial-Military-Complex‘ gedient, vor dem schon ‚Ike‘ gewarnt hatte. Verglichen mit denen ist Trump doch reiner Aussenseiter – und das ist es, was den grossen Zirkus jetzt so antreibt! Er hat zwar Berater von dort – aber die hatte noch jeder Praesident – besonders Obama, der 800 Milliarden Dollars erfand (und z.T. drucken liess), um die Herrschaften freizukaufen.
        Wenn jemand hier unbewiesenen Parolen nachlaeuft, lieber Fritz, bist Du es – wesentlich mehr als ich. Und Martyrium? – Nein, keine Kirche wird die tausend Hacker (im klasischen Sinne von „sehr viele“) gegen meinen Computer als Qualifikation zulassen.

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  3. […] das wollen. Nur dann. Lest seinen langen, präzisen Artikel auf Medium selber, und dann nochmal (siehe 11k2), was er Anfang des Jahres über die Alt-Right, die weinerliche Hilfstruppe der Autoritären, […]

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