Wo die Nazis gewählt werden: Die Geschichte wiederholt sich

nsdap_wahl_1933

Die Karte der Reichstagswahl 1933, nach der die NSDAP mit Hilfe der ultrarechten DNVP und der katholischen Zentrumspartei die Macht an sich reissen konnte, zeigt die Stimmenverteilung in den damals 35 Wahlkreisen: Während Köln, Westfalen, Berlin sich von den braunen Hasskappen weniger beeindrucken liessen (auch andere west- und süddeutsche Gebiete blieben einigermassen vernünftig), erhielten die Antidemokraten massive Unterstützung in den radikalen Ostgebieten.

Glücklicherweise wurden die überwiegend nazibegeisterten Regionen nach dem letzten selbstverschuldeten Zusammenbruch Deutschlands an Polen zurück­ge­geben, aber die Spuren der totalitären Verbitterung finden sich auch heute noch in den Wahlergebnissen von Chemnitz oder Meckpomm. Wann ziehen wir endlich Konsequenzen aus dieser öffentlich zugänglichen Erkenntnis, bringen demo­kratische Bildung in unsere politischen Randgebiete und vermindern ihre selbst­gewählte Abkoppelung?

pic Korny78 cc by sa, via kottke

15 Kommentare

  1. Die Frage dürfte eher lauten: wann wird endlich eine Möglichkeit geschaffen, wieder echte partizipative Demokratie zu etablieren, sodaß das Volk wieder mündig wird und sich selbst organisiert, statt von der narzisstischen Finanzelite an den Rand gedrängt zu werden und nur noch die Möglichkeit sieht, scheiß Nazis zu wählen, um dem System die Meinung zu geigen? Das hier bringt es mehr oder weniger auf den Punkt, sicher schon bekannt, Fefe’s Blog ist ja hier verlinkt: https://www.youtube.com/watch?v=Rk6I9gXwack

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    • Naja, solange nicht das Obrigkeitsdenken aus deinem Kopf raus ist: Schwierig. Gründe ne Partei oder nimme eine, die nicht wie die AfD den Interessen der Neolibs dient, und wähl sie. Organisier dich und warte nicht darauf, das „endlich eine Möglichkeit geschaffen“ wird.

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      • Okay, paßt schon. Erwischt. Ich traue mir nicht zu, diese Welt zu retten. Ist aber auch eigentlich gar nicht meine Absicht.

        Ich wollte aber auch eigenltich mehr darauf hinaus, daß ich ziemlich gut nachvollziehen kann, wie die Nazis an Macht gewinnen. Ich hab Ende 2015 schon gesagt: wer immer mal wissen wollte, wie einer wie Hitler an die Macht kommen konnte, hat jetzt die Möglichkeit, das live zu beobachten. Und bei dieser Aussage bleibe ich.

        Fein, daß Du das grad auch so siehst. Ich werde aber ganz sicher keine Gegenbewegung gründen. Genausowenig, wie ich dem System zutraue, da was zum Positiven zu wenden, genausowenig traue ich mir das selbst zu. Da bin ich einfach ehrlich. Mich interessieren nur die Menschen, die ich a) persönlich kenne (Schriftkontakt reich) und b) mir als Teil einer Großfamilie vorstellen kann. Und diese Zahl liegt unterhalb von 150 Individuen. Keine Chance also.

        Gruß

        Thomas

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        • edit: zwei Ergänzungen / Korrekturen (letztes Bier war wohl schlecht): reich -> reicht und „…Teil einer EIGENEN Großfamilie…“, beides im letzten Absatz. Evtl. Korrekturmöglichkeit???

          Gruß

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          • Rückzug ins Private, Thomas? Du weisst, „die“ wollen, dass du das machst. Wer sind „die“? Leute, die mit allem Profit machen, auch und gerade mit Hitlertypen.

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  2. Ich stimme Dir weitestgehend zu, Thomas: Es ist eine echte Teilnehmerdemokratie, die uns noch weit entfernt liegt – wobei wir uns aber auch darueber klar sein muessen, dass auch Entscheidungen, die wirklich ‚aus dem Volke kommen‘, nicht alle gut sein muessen.
    Ich gebe hier als Beispiel in England (nicht Schottland oder Nord-Irland) Brexit an, sowie die richtige, weise Entscheidung, die Todesstrafe NICHT durch Voksentscheid entscheiden zu lassen.
    Auch die kantonale Direktdemokratie der Schweiz ist nicht notwendig immer gut – sicher aber nicht liberal.
    Wo mir aber Fritzens ‚Ossie-Geschimpfe‘ sehr unverdient scheint, ist die rein geopolitische Erklaerung des Hitler-Faschismus. Er vergisst dabei, wo der Herr herkam, und wie dort die letzten Wahlen zum Praesidenten aussahen. Das ist weder oestlich, noch vordem von missverstandenem Marximus gepraegt.
    Warum die von ihm aufgezeigten Gebiete nach „rechts“ gerichtet ware und sind, hat zwei Gruende:
    In der Vergangenheit: Weitgehend laendliche, teil-feudale Wirtschaft – was mit zum ideologisch feudalistisch gepraegten Faschismus passte.
    Heute: Vernachlaessigte Wirtschaft und eine aus dem Sozialstaat, wie dieser zuvor bestand, entlassene verarmte Gesellschaft – der ja auch allles dem Westen Unbequeme – aber nicht Arbeit bringende (wie Windkratwerke, Fluechtlinge, usw) aufgehalst werden. Bei solchem Stand kann Unzufriedenheit nicht verwundern.
    Aber nochmals zum Thema Faschismus: Weder Pegida noch AfD noch die fast verfallene NPD sind dazu qualifiziert. Ihnen fehlt ein wesentliches, das Herr Hitler nach seiner Rede vor dem Industrietag anno 1928 hatte: der Korporationsgeist, seine Struktur und sein Geld.
    Faschismus ist nicht etwas leeres Gerede und „Volkstuemlichkeit“ – und trotz tetzterem ist ein Populist nicht gleich auch ein Faschist. Die Brueder Gracchus im alten Rom waren Populisten, und auch Allende, Chavez, und Ajmadinajad – sie alle sahen Noete des „gemeinen Volkes“ als Anlass zu deren Aenderung. Daran ist nichts falsch!
    Was de Faschismus ausmacht, hat der Chefideologe Mussolinis, il Signore Gentile 1936 in der Encyclppedia Italiana dergestalt dargelegt: „Il Fascismo e un Stato Corporativo….“
    Und da frage ich mich manchmal – nein oft: Wo sind wir denn nun?
    Sind diese „Faschismus“-Schreie und das Fingerzeigen denn wirklich als Furcht vor der Vergangenheit zu werten – oder sind sie der „SCHWARZ!“ (oder ‚braun‘) Schrei des grossen Kessels, der auf ein kleines Milchtoepfchen zeigt?

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  3. naja das finde ich ja etwas verkürzt hier ^^ die zahlen sagen einfach nur >55% wieviel weiss man nicht, also vermutlich nicht viel mehr.
    da die polnischen gebiete heute irrelevant sind frage ich mich warum du den nazi-norden nicht erwähnst? oder eher warum du nicht die 50% im großteils deutschlands kritisierst?
    das zeigt nur das übliche: mein opa war kein nazi, und niemand wusste von irgendwas! typisch deutsch eben ;)
    muss wohl daran liegen, dass die amis alle nazis weggebombt haben, oder?

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    • „:…..mein opa war kein nazi, und niemand wusste von irgendwas! typisch deutsch eben ;)“
      Sehr gut!

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      • Meine Opas waren auch „Deutsche“, und alle wussten, was läuft. Der eine hat mir den Platz gezeigt, wo in meiner Heimatstadt das Auffanglager für Dachau war. Da steht heute ein Kindergarten. Derselbe Opa hat übrigens im 3. Reich durch passiven Widerstand erfolgreich den Wehrdienst verweigert und ist daher ein echtes Vorbild für mich.

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  4. „Regionen … an Polen zurück­ge­geben“. Da wurde nichts ZURÜCKgegeben, diese Gebiete gehörten nicht zu Polen.

    Der Faschismus ist heute links, die Linken kooperieren mit den Mohammedanern, bis der islamische Faschismus die Macht in Deutschland übernommen hat (in Schulen sieht man glasklar, was da auf Deutschland zukommt, nur eine Frage der Zeit). Und glauben die dann nicht mehr benötigten linken Kollaborateure tatsächlich, dass ihr Verrat unter den dann neuen Herren honoriert wird?

    Erfordert es dermassen viel Intelligenz, Faschismus als solchen zu erkennen – egal in welcher Gestalt er herkommt? Oder ist das hier ein Nebelkerzenblog, um von der wirklichen Gefahr abzulenken?
    Dass der Islam sich unerbittlich ausdehnt ist doch eine Realität, eine historische sowieso!

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    • Aluhut. Sobald jemand, wie du hier mit „Der Faschismus ist heute links“ daherkommt, darf er zu den Weltverschwörungstheorieanhängern gezählt werden. Viel Spass beim Chemtrails zählen.

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    • Wer den Islam kritisiert, muß auch das Christentum kritisieren, Stichwort Inquisition. Es ist überhaupt nicht verwunderlich, daß der Islam sich so verhält, wie die Christen sich früher verhalten haben. Immerhin sind beide Religionen quasi ein Spin-Off des Judentums, gehören also im Grunde zusammen – was die Anfeindung Christentum gegen Islam zu einem Nachbarschaftskrieg degradiert. Schwaben gegen Badenser. Und so.

      Gerade die Christen haben in der Geschichte eigentlich den übelsten Schaden angerichtet. Das schöne an der Aussage: ich bin Christ (evangelisch). Meine Kritik kann also keinesfalls als rassistisch mißverstanden werden. Immerhin sind wir mittlerweile so säkularisiert, daß man sowas als Christ sagen darf. Soweit ist der Islam noch nicht.

      Aus meiner Sicht gehören monotheistische Religionen im Allgemeinen abgeschafft. Irgendwie scheinen die Chinesen da besser dran zu sein, aber mit dem Taoismus hab ich mich zugegeben noch überhaupt nicht befaßt. Sollte man evtl. mal tun.

      Gruß

      Thomas

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      • Thomas: eigentlich war der Islam schon mal weiter, und ganz ohne Reformationsbewegung oder Ära der Aufklärung. Schau mal unter „Sufismus“ nach, die bis vor wenigen Jahrzehnten prägende geistliche Richtung des Islam, die eine Einmischung von Religion in weltliche Angelegenheiten streng ablehnt. Deswegen gibt es Fotos von unverschleierten jungen Frauen im Libanon, Ägypten, Afghanistan, Iran aus der Nachkriegsära. Nur: Mit solchen Leuten kann man keine Militärbündnisse gegen die Sowjets schmieden, deshalb wurden die Wahabiten/Salafisten an die Macht gebracht. Von „uns“, vor allem den 3 westlichen Nachkriegs „Siegermächten“. Tja. Und jetzt haben wir den Salat. Inclusive Daesh.

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        • Du wirst lachen – Bilder von unverhüllten Türkinnen hatte ich anno 1987 selbst vor Augen. Und zwar, man höre und Staune, in Iskenderun am Strand. Also ca. 20 km von der syrischen Grenze entfernt. Ganz im Osten war die Türkei damals sehr westlich! War ein Bild wie in Italien am Strand, nur eben ohne Italiener.

          Das nur nebenbei. Wo Du das anschneidest.

          Gruß

          Thomas

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  5. Antwort auf (Autor: Fritz) „Rückzug ins Private…“ hier, da maximale Kommentarbaumtiefe mal wieder erreicht: ich wünsche mir etwas, was leider nicht erreichbar ist, nämlich „back to the roots“, Leben wie Jäger und Sammler. Seit geschätzten 25 Jahren phantasiere ich, wie es gewesen wäre, wäre ich völlig wildlebend als Afrikaner, z.B. bei den San, großgeworden. Das sind Großfamilien, mit der ganz entscheidenden Eigenschaft, daß da jeder jeden kennt. Entscheidungen, die getroffen werden, betreffen grundsätzlich auch denjenigen, der diese Entscheidung trifft. Und das ist ein ganz zentraler Unterschied zur Gesellschaft, in der wir leben. Immer mehr Globalisierung. Immer mehr Entscheidungen, unter denen nur andere zu leiden haben. Ich spare mir hier eine Liste von Beispielen, da sie viel zu lang wäre, und nenne nur mal Nestle, quasi stellvertretend. Könnte auch die Ölkonzerne nehmen, man kann hier schwer priorisieren.

    Ich fordere Aufklärung über die Bindungstheorie, Rückkehr zu naturnaher Lebensweise. Da uns das in unserer ach so zivilisierten Gesellschaft systematisch abtrainiert wird (Hans-Joachim Maaz hat das schön auf den Punkt gebracht), plädiere ich für Aufklärung. Und das geht nunmal nur unter Individuen, die ich persönlich kenne. Mehr Lokalautonomität, nicht nur in der Herstellung. Konkreter Tip: Einkaufen auf dem Wochenmarkt statt bei Aldi und Lidl. Mehr Zusammenschluß in der eigenen Lebenswelt, statt blindes Verlassen auf irgendwelche Obrigkeiten. Über deren „überlegene Entscheidungskraft“ Gustave Le Bon sich vor über 100 Jahren schon sehr scharfsinnig geäußert hat: gibt es nicht. Es ist in meinen Augen sinnfrei, irgendwelche Politiker zu wählen. Wir müssen das selbst in die Hand nehmen. Deswegen hab ich auch das Video von Mausfeld verlinkt, das in sehr weiten Teilen meiner Denkweise entspricht.

    Ich werde KEINE Partei gründen, um „Herrscher über ein Volk“ zu werden, das ich nicht persönlich kenne. Ich werde mich KEINER psychologischen Masse anschließen und damit zwangsweise auf ein Teil meines Potentials verzichten (vgl. dazu noch mal Le Bon). Und ich lasse mich nicht in irgendeine Schublade stecken, auch wenn das immer wieder versucht wird. Ich hab meine eigene Schublade, auf der nur mein Name steht. War so, ist so, bleibt so.

    Gruß

    Thomas

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