Resistance Radio und Judendeportation

„The Man In The High Castle“ ist einerseits ein ziemlich cooles Buch vom SciFi-Altmeister Phil K. Dick (dt: „Der Alte vom Berge“), in welchem grosse existentielle Fragen anhand der Situation diskutiert werden, dass die USA den zweiten Weltkrieg verloren hätten. Der Osten vom Atlantik bis zu den Rockys ist im Buch also Nazi-Amerika, der Westen vom Pazifik bis zu den Bergen untersteht dem Tenno.

Die Verfilmung als TV-Serie durch Amazon schwächt die Story ab, indem die auf­rechten Amerikaner auf einmal Filmrollen finden, welche zeigen, dass alles eigent­lich ganz anders war. Nämlich so, wie wir es aus der belegbaren Geschichts­schreib­ung kennen. Ja, eine allegorische, fast poetische Verfilmung, aber irgendwie zäh und wenig überzeugend. Ich bin nicht reingekommen, trotz meiner Verehrung für Philip K. – so ging es wohl auch anderen Leuten, weswegen Amazon zur aktuellen SXSW in Austin, Texas ein „Resistance Radio“ aufstellte, mit Zitaten aus der Serie. Ein Werbemittel. So was kennen wir. Nicht so der äussere rechte Rand der USA (politisch, nicht geografisch), der prompt auf Twitter eine (kleinere) Hasslawine auf die vermeintlichen „Liberals“ niedergehen liess. Wir kennen sowas hierzulande vom Postillion und finden das durchaus amüsant. Im benachbarten Arizona dagegen gipfelte ein ansonsten schwach besetzter „March for Trump“ lokaler Hillbillies mit der Forderung nach einem „liberal Genocide“, als einem Massenmord an progressiven Mitmenschen und der öffentlichen Erklärung, Juden sollten am besten in ihr Land zurückgehen. Das ist nun besonders bescheuert, entstand das ganze Problem in Palästina ja aus der Flucht von Juden dorthin, weil sie im frühen zwanzigsten Jahrhundert in Europa, vor allem in Deutschland, so unfreundlich behandelt wurden. Bis hin zum Holocaust. Aber gut, ähnliches kennen wir auch aus unserem eigenen Bundesland Sachsen. Die ganze Verwirrung um Liberals, Sharia Law und Juden (egal, in welchem Zusammenhang die Genannten sich subjektiv befinden mögen) täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die aktuelle, „islamkritische“ US-Regierung gerade für über 20 Millionen US-Bürger die Krankenversicherung abgeschafft hat (Nicht mal Astronauten haben eine). Viele davon werden sterben, weil sie die in den USA überteuerten Behandlungen nicht privat finanzieren können – das ist hier zu lande noch anders. Und auch ein Gesetz wie das aktuell in Washington verab­schiedete HR 1313, das Arbeitgebern erlaubt, Gentests an ihren Angestellten durchzuführen, um daraus die Höhe ihrer Beteiligung an den Kranken­ver­sicherungs­beiträgen zu berechnen – sowas haben wir hier auch noch nicht.

Was lernen wir daraus? Dass man keine Rechtspopulisten wählen oder unterstützen soll, weil der Ausverkauf an die Multis dadurch nur beschleunigt wird. Ausser, man ist tatsächlich Nazi oder Rassist oder Reichsbürger, aber dann muss man sich auch so nennen lassen. pic amazon

1 Kommentar

  1. Fritz, Fritz, Fritz!
    Du haust da mal wieder einen Haufen Zeug in eine Pott und kochst Dir eine Bruehe, die ich nicht trinken moechte.
    Was Du da „liberal“ nennst und „progressiv“, scheint mir mehr wie ein Wagen, der rueckwaets faehrt- aber die Scheinwerfer auf den Kofferrraum, und die Ruecklichter auf die Kuehlerhaube gesetzt hat.
    Du wirfst andern viel Radikalitaet vor – abe schau mal in den Spiegel!

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