Deportationstrauma

Die schwedischen Gesundheitsbehörden verzeichnen eine anhaltende Epidemie mit vielen hundert Kindern als Opfer, apathisch bis zum Verhungern. Ausgelöst durch die Nachricht, sie würden mit ihrer Familie in das ursprüngliche Herkunftsland deportiert werden, weil der Asylantrag letztendlich abgelehnt wurde. Die Krankheits­fälle werden seit Beginn des letzten Jahrzehnts berichtet. Bislang konnte verhindert werden, dass ein Kind in Schweden daran gestorben wäre. Auch wenn die zwischen 7 und 19 Jahre alten Opfer mitunter jahrelang nicht in der Lage sind, zu essen, zu sprechen oder sich zu bewegen.

Die betroffenen Familien stammen vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion und dem früheren Jugoslawien und gehören in der Regel verfolgten Minoritäten an. Nachdem das „Uppgivenhetssyndrom“ nationale Aufmerksamkeit erregt hatte, bis sich sogar der schwedische König besorgt dazu äusserte, ist man inzwischen dazu übergegangen, Familien mit deportationstraumatisierten Kindern einfach ein Bleiberecht zu geben. Frühere Untersuchungen hatten nämlich gezeigt, dass das Trauma nach der Deportation nicht aufhört, die Kinder bleiben apathisch, katatonisch, sind nicht wirklich überlebensfähig.

Ausserdem fällt mir auf, dass ich diesen Bericht in einer US-amerikanischen Publi­kation gelesen habe, und über den Umgang des schwedischen Gesundheitssystem mit Kindern im Deportationstrauma. In der deutschen Forschung existiert so etwas nur im Zusammenhang mit dem Holocaust. Ist das Zufall? Haben nach Deutschland geflohene Kinder einfach eine robustere Konstitution als die in Schweden Schutz Suchenden? Oder ist Deutschland nur einmal mehr ein kaltherziges Scheissland, bewohnt von kaltherzigen Maschinenmenschen, die sich allesamt einen Scheiss­dreck um das Leben von Kindern scheren? Das können wir uns ja jetzt überlegen, und dabei mitzählen, wieviele der aktuell in „sichere Herkunftsländer“ deportierten Geflüchteten dort bereits in unseren Stellvertreterkriegen getötet wurden.

the new yorker, beispielpic pexels cc0

1 Kommentar

  1. naja wer wählt denn die kriegstreiber? natürlich kaltherzige menschen.
    das abschieben dorthin ist dann ja nur noch das i-tüpfelchen.. wenn man dort krieg anzettelt aber dann nicht abschiebt ist das eh nur heuchlerisch, vorallem sind die leute ja schon traumatisiert dadurch dass sie überhaupt fliehen mussten.

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