Francesca Lago: Where do we go

Solche Abende sind selten, selbst für jemanden wie mich, der (falls ich nicht grade monate- oder jahrelang krank und depressiv bin) ständig auf Konzerte geht, zuhause Musik laufen hat, nach neuen Bands stöbert, mal als Tontechniker arbeitet, Booking macht, über Sound schreibt.

Eigentlich ist es über ein Jahr her, dass uns diese italienisch/schweizerische Band von ihrer Agentur für ein Konzert in einem lokalen Kultur- und Refugeezentrum angeboten wurde. Irgendwie war mir sofort klar, dass die unbedingt hier spielen müssen, auch wenn die anderen im Bookingteam nicht so überzeugt waren. Egal. Nur war die geplante Tour im November geplatzt, also verschob sich das Konzert, nun, auf gestern. Nur halb überraschend: Die sind live noch viel besser als auf Youtube. Und schaffen es, trotz oder wegen ihrer „Indierock mit Mädchengesang und Cello und Elektronika Hipsterkompatibilität“ meine Industrial-, Grime- und Djent-gestählte Schale zu durchdringen und ihre eigene Emotionalität zu vermitteln. Verdammt. Klar hilft es, wenn man die Band so laut und fett mischt, wie es der kleine Veranstaltungsraum und die kleine Vocal-PA hergeben, aber unabhängig davon krieg ich bei Clubkonzerten selten den Eindruck, dass die Band des Abends eigentlich viel zu gross für diesen kleinen Laden ist. Und auf viel grössere Bühnen gehört. Völlig beeindruckend, mit leider selten erlebter Perfektion und bemerkens­werten Songwriting. Selbst an einem Tag wie diesem, der mir schon tagsüber einen fast eben so selten erlebten Sieg der Rebellen gegen das Imperium im „Star Wars: Empire Assault“ Boardgame (mit meinen neuen Nerdkumpels) schenkte und spät nachts noch einen DJ-Gig in der letzten, in diesen Tagen endgültig schliessenden Innenstadt-Videothek abforderte. Wenn Francesca wieder in der Nähe spielt, geh ich hin, und ihr solltet das auch tun.

Das Video oben ist natürlich nicht von gestern abend in meiner sleepy Hometown, sondern aus Mailand.

3 Kommentare

  1. Indierock mit Mädchengesang

    Nachdem ich mir ungefähr 6 Songs reingedrückt habe, muss ich sagen . . .

    . . . das ist weniger Rock und viel eher Indie-Girl-Pop mit Gitarreneinschlag und melancholisch-sphärischem „Mädchengesang“ (aber kaum Elektronik) wie er Anfang der 90er aufkam und bis ungefähr Mitte der 90er praktiziert wurde. Danach nur selten.

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    • Irgendwie wohnt da New Order gleich nebenan. Im Indie-Pop-Rock-Dings-Land. Aber diese Begriffe sind ja vor allem für Musikmagazine wichtig.

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    • knallbonbon wie gefällt Dir das?

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