Was die Wahlen wirklich beeinflusst

Auf diesem Pic der US-Organisation Connect The Dots kann man sehr schön sehen, was derzeit die Wahlen in den Industrienationen bestimmt: Seit etwa 1980 sinken die unteren und mittleren Haushaltseinkommen im Verhältnis zu den oberen, bei den sehr niedrigen Einkommen gab es sogar einen Rückgang. Was passiert? Die Leute haben Angst. Angst vor Abstieg und Armut. Also wählen sie Stabilität, Ordnung, Sicherheit (So wie aktuell bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen). Und damit jeden, der ihnen genau das verspricht.

Das Rezept ist so alt wie die Demokratie selbst, funktioniert aber nach wie vor prächtig: Die allermeisten Leute wählen nicht Inhalte, sondern Vorbilder. Also nicht etwa Politiker, die etwas verändern wollen, sondern solche, die so aussehen, als wäre alles gut. Das winzige Problem, dass eben diese Politiker deswegen so eine gute Zeit haben, weil sie auf unsere Kosten leben, lässt sich leicht verdrängen. Schliesslich will man ja selber auch eine gute Zeit haben. Wir werden das im Herbst bei der Bundestagswahl nochmal erleben: Wer die Vorstellung vermittelt, dass am Ende alles gut wird, ohne dass alle dazu beitragen müssen, bekommt die meisten Stimmen. Nicht, weil alle Wähler blöd wären, sondern nur weil genug Wähler darauf reinfallen. Die konsumkritische Protestbewegung vom Anfang der 2010 wurde erfolgreich abgeschossen, indem kostenkünstig eine („islamkritische“) parallele Protestbewegung mit deutlich mehr Schaum vor dem Mund etabliert wurde. Aber auch diese wird inzwischen nicht mehr gebraucht. Ist damit jede Form von politischer Beteiligung sinnlos? Nein, natürlich nicht. Weil die Stabilität ja nur vorgetäuscht ist und selbst Bewegungen mit wenigen Millionen Mitgliedern das wacklige Gleichgewicht erheblich stören können. Und damit die Verhältnisse für uns alle verbessern (auch und gerade weil es in 20 Jahren nur noch halb so viele Jobs geben wird).

Aber warum ist in diesem Beitrag schon wieder eine Grafik mit Zahlen aus den USA abgebildet? Wieso nichts von hierzulande? Weil diese Zahlen in Deutschland nur geschätzt vorliegen, von Oxfam oder anderen Ant-Korruptions-Organisationen. Amtliche Zahlen liegen nicht vor, die Superreichen werden bei uns nur unzureichend erfasst. Naja. Macht nichts. Wir können ja die Vergleichszahlen aus anderen Ländern betrachten und dann wieder motiviert daran gehen, Widerstand zu leisten. Falls es uns was bringt, können wir ja die Leute um uns herum auslachen, die sich zu ihrem eigenen Nachteil reinlegen lassen. Von denselben Soziopathen, die übrigens uns alle reinlegen. Aber das Lachen führt nicht besonders weit, nur der aktive Widerstand führt zu Ergebnissen. Ich kann auch nichts machen, so sind die Verhältnisse nun mal. Also: Ärmel hochkrempeln. pic via kth

9 Kommentare

  1. […] Fritz weiß Bescheid: […]

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  2. Wir erleben die Umkehrung der Aufklärung zurück in eine selbstverschuldete Unmündigkeit. Es ist wie in der Matrix: Es ist einfacher Cypher zu sein als Neo.

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  3. „Nicht, weil alle Wähler blöd wären, sondern nur weil genug Wähler darauf reinfallen. “

    Fritz, da ist kein großer Unterschied. Blöd sein oder sich verblöden lassen….

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  4. Ob es in 20 Jahren nur noch die Hälfte der Jobs geben wird wage ich zu bezweifeln. Die Sorge ist so alt wie die Anfänge der Automatisierung, nur hat sich die Realität bisher zumindest anders dargestellt. Es gab noch nie so viele unbesetzte Lehrstellen wie heute in Deutschland, es mangelt an eher an einstellbaren Bewerbern als an Arbeitsplätzen.

    Dass für Islamkritik nur die ehemalige Lucke-will-dieDMark-zurück Protestbewegung mit Schaum vor dem Mund steht ist ein Armutszeugnis der anderen politischen Parteien und der politischen Mitte an sich. Während man in den 90ern noch Mehrheiten dafür gefunden hat, die Kruzifixe in den Schulen abzuhängen, findet man heute Mehrheiten für das Anbieten muslimischen Religionsunterrichts.

    Und dann wundert sich die progessive Gesellschaft, wenn der Großteil der Hauptschüler aus sozialen Brennpunkten am Arbeitsmarkt später schwer vermittelbar ist.
    tldr: Es ist nicht nur der Markt, der unqualifizierte Arbeit immer schlechter entlohnt, sondern auch das Bildungssystem, das immer mehr unqualifizierte Arbeiter produziert.

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  5. Ach Fritz, wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten. Und wenn du meinen Youtube-Link, also Prof. Rainer Mausfeld gesehen hättest, würde dieser Beitrag nicht kommen.

    Nun sind aber die Piraten wieder raus aus dem Rektum der Machteliten…
    …und können jetzt nur noch lamentieren.

    Ich hätt ja für dich einen Vorschlag: Hör mit dem Lamentieren auf und entlarve doch mal die Lügen, die in den Massenmedien verbreitet werden und mach mal doch ein paar Vorschläge, wie die Machtverhältnisse hier geändert werden könnten.

    Ich fang mal an: Dringend den Wahlen fernbleiben um zu zeigen, daß es keine Legitimation für die Entscheidungen der Politik gibt…

    Nihilus

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    • Und du glaubst, die Machteliten lassen sich von der moralischen Überlegenheit deines Nichtwählens beeindrucken und geben sich geschlagen, sobald die Wahlbeteiligung unter 10% fällt? Haha, bzw ich bin hier anderer Ansicht.

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      • Nein, beindrucken lassen sie sich nicht…

        …aber es bietet die Möglichkeit zu erkennen, wer da an den Rädern dreht.

        Nihilus

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        • Im Ernst? Wenn nur noch 10% zum Wählen gehen, bleibt Merkel für immer Kanzlerinnendarstellerin, und die Konzernlobby für immer unsichtbar.

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  6. Das Problem ist doch: wir wollen nur 1x alle 4 jahre belästigt werden wenn wir wählen gehen sollen.
    um selbst aktiv in einer partei die demokratie mit zu formen sind wir zu faul (oder aber zu beschäftigt mit lohnarbeit?). wären genug nerds den piraten beigetreten hätte soros nicht genug puppen einschleusen können um die nerds zu überstimmen..

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