Wie russische Nationalisten den Westen zerstören wollen

Bei aller Kritik an den Imperialisten des anglo-amerikanischen Kultur- und Wirtschafts­raums dürfen wir nicht verdrängen, dass die russischen geostrategischen Bemühungen zwar sehr wohl zunächst Verteidigungscharakter haben, am Ende aber doch auf die Kontrolle über die gesamte Erde abzielen. Den ideologischen Bauplan für ein erträumtes russisches Grossreich lieferte der von der US-Rechts­aussen-Tresse (Breitbart etc) hoch gelobte Nationalist Alexander Dugin (pic cc0) in Büchern wie „Konflikte der Zukunft. Die Rückkehr der Geopolitik“oder „Die Vierte Politische Theorie“ (Jenseits von liberaler Demokratie, Marxismus und Faschismus), in welchen er nicht nur einen Weg zu neuer russischer Grösse, sondern auch ein ultrarechtes, demokratiefeindliches, autoritäres und fortschrittsverweigerndes Weltbild aufzeichnet. Ob er nun wirklich zum Lieblingsideologen Vladimir Putins geworden ist oder nicht, lässt sich von aussen schwer beurteilen. Klar zu erkennen ist allerdings, dass die aktuelle russische Politik viele seiner Ratschläge beherzigt:

In den USA soll man den Isolationismus fördern, Rassenkonflikte schüren, alle Formen des Separatismus unterstützen. Im Nahen Osten sollen der Iran und die Türkei zu Verbündeten werden. Osteuropa soll wieder russiche Einflusszone werden, mit Ausnahme des südlichen Baltikums, dass der deutschen zugerechnet wird. Deutschland soll uneingeschränkt europäische Führungsmacht werden, mit starker Betonung des Anti-Amerikanismus, unterstützt von Frankreich, während Britannien von Europa abgespalten wird (was bereits funktioniert hat).

Wir können tatsächlich viele aktuelle politische Vorgänge erkennen, die dem Plan Dugins folgen: Das Erstarken des Nationalismus und Separatismus in Europa und Nordamerika, die Hinwendung zu autoritärer, nostalgischer Geisteshaltung, die Zersetzung der US-amerikanischen Glaubwürdigkeit durch einen soziopathischen, unfähigen und sichtlich korrupten Präsidenten (Stichwort American Idea), der weltweit zunehmende Anti-Amerikanismus.

Dennoch funktioniert nicht alles nach diesem Masterplan, weil es ja weitere Interessengruppen mit ganz eigenen Zielen gibt: Verschiedene kapitalistische Lager, nationale Interessensphären, Staatenbünde wie gerade hier in Europa. In jedem Fall ist es allerdings hilfreich für das Durchschauen des verworrenen politischen Geschehens der Gegenwart, zu wissen, dass manche der neueren gesellschaft­lichen Phänomene auf das Einwirken der russischen Nationalisten zurückzuführen ist oder zumindest von ihnen unterstützt werden.

via kottke, foreign policy

15 Kommentare

  1. Oh Fritz!
    Zukunfts-Wunsch“planer“ gibt es doch in allen Breiten und Laengen des Globus! Sich hier einen Rueckwaertstraeumer als den Strategen Russlands vorzustellen ist doch auch nicht viel mehr wert als dessen irre Traeume.
    Dein Trump-Has muss natuerlich auch noch drin sein – aber selbst wenn du da rechts haettest, ein Obama-Clinton Aggressor waere noch immer schlimmer gewesen – und zum Glueck gibt es da noch den venuenftigen Putin.

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    • Der Jo, auch so ein Putin/Trump-Fan. Klar, deine Meinung.

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    • „….,ein Obama-Clinton Aggressor….“ Da sich das nicht verwirklichen konnte, hängt Fritz immer noch seinen Träumen nach.
      Trump wurde ja schon verurteilt, bevor er überhaupt angefangen hat.
      Ich war von Anfang an für ihn und mag ihn immer noch.

      Auf dem EU Abkommen in Paris haben die meisten mit „eingezogenem Schwanz“ der Rede Trump’s „gelauscht.“

      Er wird noch für manche Überraschung sorgen, da bin ich mir sicher.

      Ja und Putin ist für mich einer der intelligentesten und
      vorausschauendsten Politiker überhaupt.

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  2. 6. Juni 2017 um 13:09 Uhr | Verantwortlich: Albrecht Müller

    „Haben Sie da drüben alle Ihren Verstand verloren?“ So Putins Kommentar zum angeblichen Einfluss Russlands auf das US-Wahlergebnis.

    Veröffentlicht in: Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Wahlen

    Die Tagesschau berichtete gestern über ein Interview des US-Fernsehsenders NBC News mit dem russischen Präsidenten. Dort hat Putin die oben zitierte Frage gestellt. Völlig berechtigt. Denn bei der Meinungsbildung über den angeblichen Einfluss Russlands auf die Wahl in den USA haben vermutlich 90 % der Bürgerinnen und Bürger des Westens den Verstand verloren. „Wie soll der Einfluss auf das Wahlergebnis denn gelaufen sein?“ – diese Frage habe ich in letzter Zeit des Öfteren in meinem Umfeld gestellt. Nahezu alle Befragten hielten den Einfluss für möglich bis wahrscheinlich. Keiner konnte mir erklären, wie das geschehen sein soll. Albrecht Müller.

    Putin warf den Medien vor, eine „Sensation aus dem Nichts“ geschaffen zu haben. Er hat lt. Tagesschau bekräftigt, Russland habe sich nicht in die US-Präsidentenwahl eingemischt. Über seine Beziehungen zu dem neuen US-Präsidenten werde eine „Menge Unsinn“ erzählt.

    Das kann die Tagesschau-Redaktion so nicht im Raume stehen lassen. Sie ergänzt deshalb die Meldung zum NBC/Putin-Interview so:

    „US-Geheimdienste sehen das anders

    US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland auf die Wahl im vergangenen Jahr Einfluss genommen hat, um der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler des Justizministeriums untersucht die Vorwürfe, ebenso der US-Kongress in diversen Ausschüssen. Trump gibt an, keine Verbindungen nach Russland zu haben.

    Im Zuge der Ermittlungen in der Russland-Affäre wird der frühere FBI-Direktor James Comey am kommenden Donnerstag im US-Senat aussagen. Der Geheimdienstausschuss der Kammer will wissen, welche Rolle er bei der Einschätzung des FBI gespielt hat, Russland habe sich in die US-Wahl eingemischt.“

    Machen Sie selbst einen Test, fragen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis mal nach, wie die Einmischung aus deren Sicht ausgesehen haben soll und kann. Und zwar konkret.

    Sie werden zunächst feststellen, dass die Mehrheit Ihrer Bekannten etwas davon gehört hat, dass es diesen Vorwurf gibt.

    Sie werden durch Nachfrage feststellen, dass die Mehrheit Ihrer Bekannten glaubt, das könne stimmen.

    Und Sie werden weiter feststellen, dass kaum jemand erklären kann, wie das gegangen sein soll. Die von mir Befragten nahmen an, irgendwelche Hacker oder russischen Stellen verfügten über die E-Mail-Adressen von vielen US-Amerikanerinnen und Amerikanern und hätten diese über E-Mails beeinflusst. – Sie wurden dann allerdings bei meiner Nachfrage, ob sie sich von E-Mails von fremden Absendern bei ihrer Wahlentscheidung beeinflussen lassen, unsicher.

    Am Ende der Gespräche löste sich der Vorwurf oft in Luft auf. Aber nicht immer. Der Vorwurf sitzt bei manchen tief, weil die Geschichte insgesamt dem neuen Feindbild entspricht.

    Zweifeln ist die erste Bürgerpflicht

    Der Vorgang insgesamt muss uns beschäftigen, weil daran sichtbar wird, wie manipulierbar wir sind und wie notwendig es ist, den Grundsatz zu verankern, zunächst einmal nichts zu glauben und vor alles, was uns erzählt wird, in die Klammer zu ziehen: Zweifeln!

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=38630

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    • Das würde ich an Putins Stelle auch sagen. Aber lass uns das nicht überbewerten: Ich glaube nicht, dass ein möglicher russischer Einfluss mehr als ein Handvoll Prozentpunkte erreichen konnten. Das meiste war schon der anhaltende Wahlbetrug der Republicans (Gerrymandering etc).

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      • Bevor ich ein paar (voellig unbewiesene) US Wahlpunkte in Putins Tasche sehe, schaue ich lieber nach Obama-Verbindungen zum Maidanmord (wo viel Techtelmechtel von seiner Frau Nuland mit dem Juntachef Yatseniuk, und von CIA Praesenz bekannt ist)

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    • Danke, Knaller!
      Wir haben auch alle lange an die Iraqischen Waffen der Massenvernichtung geglaubt, und an Saddams Verbindung mit AlQuaeda, und an die Libyschen und Syrischen „Patrioten“ – und ganz am Anfang, dass die Taliban so liebe „Freiheitskaempfer“ sind. Und jetzt glauben viele noch an „Iranische Atomwaffen“ und Qatara „Terroristenfinanzierung“.
      Wie oft muss jemand getaeuscht werden, ehe er/sie versteht, dass von dort nie Wahrheit kommen wird?
      Aber es stimmt: Wo viel Dreck geworfen wird, bleibt auch der Unschuldigste nicht sauber.

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      • Ich glaube sehr wohl, dass von Katar aus Terror finanziert wird. Das wird in allen reichen Golfstaaten so sein. Die Frage ist doch nur, ob das dort staatlich organisiert wird, oder eher von reichen Privatleuten betrieben wird.
        Nachdem die Saudis so schön eingekauft haben muss Katar jetzt auf jeden Fall auch erstmal Geld für Rüstung und Terrorbekämpfung auf den Tisch legen – wenn sie das bezahlte Schmiergeld für die WM nicht gleich abschreiben wollen.

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        • Die Frage ist nur: Was ist den Saudis bei all dem so inakzeptabel, dass sie hier .. je nun: mit Felsen aus dem Glashaus werfen? Das einzige, das eben gleich anfaellt, ist Qatars Diplomatie mit Iran.
          Und da faellt Trump leider wieder mal in den alten US-Hass gegen alle, die sich schon mal gegen US-Herschaft aufgelehnt haben.

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        • Die Saudis haben allen in der Region gezeigt, wer dort den längsten Krummsäbel hat. Ich tippe darauf, dass sich die Beziehungen bald wieder normalisieren – sobald in Katar die entsprechenden Schecks unterschrieben werden.

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        • Und siehe da, nach einer Woche entspannt sich die Lage deutlich
          http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-verkaufen-katar-f-15-kampfjets-fuer-12-milliarden-dollar-a-1152212.html

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          • Ja, bin voll beruhigt.Und der Londoner Hochhausbrand war auch nur Neoliberalismus, kein Dschihad.

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  3. antirussische verschwörungstheorie. dein blog wird immer zwielichter fritz…

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