Der Unterschied zwischen Sozialismus und (alter) Sozialdemokratie

Während Martin Schulz sich noch durch die Abgründe zwischen einträglichem Lobbyismus und vorsichtigen Verbesserungsvorschlägen tastet, wird Jeremy Corbyn auf dem gerade stattfindenden Glastonbury Festival mit Sprechchören (zum Beat von Wihite Stripes‘ Seven Nation Army) gefeiert. Wann wird die angebliche Sozialdemokratische Partei in unserem Land mal wieder ernst zu nehmen? Keine Frage, die SPD war mal ne tolle Partei (vor 150 Jahren) und wir haben ihr viel zu verdanken. Nur ist das eben alles Vergangenheit und wir brauchen eine Bewegung der Menschen. Als Gegenbewegung zur Finanzwelt. das vid ist vom guardian

9 Kommentare

  1. Fritz zu Brandts Zeiten war es auch noch eine tolle Partei, fand ich.
    Meiner Vater allerdings – ein nicht nur sehr weiser und kluger Mann , und ein wunderbarer Vater – sah jedoch schon die düsteren Wolken am SPD-Himmel aufsteigen und sagte bereits damals , das war 1976: „Ihr werdet euch noch wundern, wo euch diese Sozialdemokraten hinführen. “
    Erst bei Schmidt fing es bei mir langsam an, zu dämmern.

    Ja und und mein Vater hatte wie immer wieder einmal recht, obwohl er es traurig fand, dass seine Vorhersagen meistens eintreffen.

    Dieses „Vorhersagen“ habe ich von ihm „übernommen“ und je älter ich werde, desto seltener liege ich damit schief. Schon beängstigend.

    Außerdem mache ich mich dadurch bei meinen Mitmenschen ungeheuer beliebt.

    Von Corbyn weiß ich soviel wie nichts, aber ich werde immer äußerst misstrauisch, wenn die Mensch so zu schreien und zu jubeln anfangen. Das kann sehr schnell in das Gegenteil umschlagen.
    Hermann Hesse sagt dazu sehr viel .

    Dir noch einen schönen Abend.

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  2. Dein Vater scheint ein guter Mann gewesen zu sein, Raebin – aber das Problem mit der SPD war schon ihr Anfang: Das war das Abspalten von KPD und SPD ueber die Kriegskredite annp 1914 – die KPD bestand darauf, dass es fuer Arbeiter keine „Nationen“ gebe; die SPD ging mit dem Kriegskurs mit.
    Schlimmer wurde es in 1919 etc mit dem „Genossen“ Noske und seinem Armee-Einsatz gegen Arbeiter, sowie der SPD Zustimmung zum Bau neuer Kriegsschiffe.
    Und nach 1945, leider zuviel US-Hintern-Kriechen – das Schlimmste: 1955 – Wiederaufruestung (was uns endgueltig teilte).
    Ich gebe Deinem Vater recht mit Willy Brandt: Das haette ein Neubeginn sein koennen. Aber ich erinnere mich: Mir wurde anfangs der 70er ein sicherer SPD-Sitz (auf Kreisebene – waere aber ein Anfang!) angeboten – ich habe aber den Eintritt abgelehnt „solange die SPD Berufsverbote unterstuetzt, waere das unehrenhaft!“
    Was Jeremy Corbyn angeht, habe ich ihn nur in einem kritisiert: Ich schrieb ihm, er muesse da Anti-Brexit konsequent zur Parteipolitik machen, um bei folgenden Wahlen als echte Alternative dazustehen – UND die Jugend anzuziehen! Und Glasonbury ist ja auch ein guter Schritt. – Er mag allerdings recht gehabt haben, von taktischer Seite: Viele Labour-Heimorte waren mit Arbeit und Sozialem schlecht bedient worden, und die Presse und Medien hatten das auf die EU geschoben. Da die Wahrheit voranzubringen – naemlich, dass 90% davon schlechte GB-Politik war – haette mehr Zeit gebraucht. Um also nicht zuviel an der Basis zu verlieren, musste er vielleicht den toten Esel Brexit mitreiten (der jetzt bei einem Referendum keine Chance haette).
    Jeremy hatte auch zwei Probleme in seiner Labour-Erneuerung:
    1. mit Blair-Anhaengern, diesich mit Brexitern verbuendeten;
    2. mit den naemichen Brexit-Anhaengern, deren eine meine fruehere Abgeordnete war, mit der ich als Wahlkreis- und Bezirksdelegierter zusammengearbeitet hatte (und ich hatte Jeremy gewarnt, als er ihr ein Ministeramt gab): Angele Eagle, die dann auch versuchte, ihn als Parteivorsitzenen zu stuerzen – wobei allerdings ihr/mein alter Wahlkreis und Bezirk fest in pro-EU-Psition blieb und sie absetzen wollte. Ich bin also sehr FUER Jeremy – und unsere rosa-liebliche SPD koennte/ sollte da was lernen.
    Aber noch eines: Koennten die das? was ist denn da mit Jugend und Lebhaftigkeit? Ich hab‘ schon lange den Eindruck, dass „nach uns die Sintflut“ kam – naemlich der Langeweile und der Handies.

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  3. Corbyn steht für populistisches Kasperlestheater und Sozialklamauk.
    https://www.theguardian.com/politics/2017/jan/10/jeremy-corbyn-calls-for-maximum-wage-law

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    • Da bist Du zu simplistisch in Deiner Beurteilung. Wie ich oben sagte: Der Mann hat mit drei Seiten zu kaempfen:
      A, Blairisten, B, Brexisten, c. misinformierte Waehlerschaft.
      Er tut sein bestes, wieder eine linke Partei zu schaffen aus den Truemmern, die jene Rechtswendung unter Blair zurueckgelassen hatte. Dabei die Jugend anzusprechen, wie auf einem Rockfestival, ist absolut richtig – diese jungen Waehler haetten Brexit verhindern koennen, wenn ie da schon richtig angesprochen worden waeren. Zugegeben, das Kind ist im Brunnenm aber es ist noch nicht zu spaet – esce Britannia nie zginyewa.

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      • Pardon: jesce Anglia nye zginyewa

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      • Wenn er sich für eine Beschränkung der oberen Einkommen im Guardian aus dem Fenster lehnt, dann misinformiert er seine Wählerschaft, und zerstört nachhaltig immer weiter das Vertrauen in seine Partei und die Politik an sich.
        Eine Beschränkung oben wird es nicht geben, sie würde den unteren und mittleren Einkommen auch nicht helfen, und könnte jederzeit durch Boni oder andere Prämienmodelle umgangen werden. Den Extremverdienern ist klar, dass sowas im UK niemals kommen wird, weswegen solche Äusserungen auf die Elite nicht bedrohlich, sondern unterhaltend wirken.
        Nach dem Brexit werden sie alles tun, um die hohen Einkommen im UK zu halten, da wird es dann eher Geschenke als Einschnitte geben.
        Eine Besteuerung großer Vermögen wäre viel geeigneter für eine Umverteilung, aber das ist keine so tolle Schlagzeile wert.
        Die Jugend ansprechen und den Sozialneid instrumentalisieren, um dann nach einer Wahl genau nichts liefern zu können, das ist für mich Populismus, und dafür steht Corbyn.

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        • Nein, Beschraenkung ist moeglich – gut, Bank-Haie wechseln dann den Wohnsits, aber das ist auch kein Verlust – obwohl die immer von ihren „Fachkenntnissen“ reden. Etliche davon sind, trotz massiven Verlusten, mit grossen Bonustroeserchen abgezockelt. Folglich sind Bonusbeschraenkungen -AKTIENRECHTE eingeschlossen!- eine gute Sache. Grenzen im Einkommen -SPESENKONTEN inclusiv!- sind auch machbar.
          Ob Einkommen arbeitsbedingt sind oder nicht, was hereinkommt (und nicht in NOTWENDIGER und VERNUENFTIGER Ausgabe/Investition/Wohlfahrt endet), kann und sollte versteuerbar sein – und je hoeher, desto prozentual hoeher.
          Natuerlich werden die 1% der 90%-Besitzer -aber nicht nur die- laut schreien (und schlimmeres tun – das Geld haben sie ja, um dunkle Kraefte anzuheuern – ich meine nicht nur Medien und Presse, die ja leider dazu geworden sind), aber damit muss man eben rechnen – und mit guter Buchfuehrung abrechnen.
          Den Laden abzukrageln -wenn es ein gutes Unternehmen ist- waere Schaden fuer alle. Das darf es also nicht sein. Und meistenteils ist das ja auch nicht gefragt, sondern nur vernuenftige Fiskal- als Sozial-Politik.
          Ich verstehe also Deine gaenzliche Ablehnung aller Reformen durch Besteuerung und Eingrenzung innerhalb des bestehenden Systems nicht. Einen grossen vollen Umbruch zu erwarten waere in unseren Breiten wirklicher Tagtraum. Ergo ist Corbyn mehr realistisch.
          Er entspricht auch wesentlich mehr der Labour-Party, die ich damals, anno 94, in Merseyside mitbegruendet habe (sie war Ende der 70er aufgeloest worden). We Blair da reingeraten konnte, ist mir noch heute schleierhaft – aber denk‘ mal dran, wo sich unsere SPD in ihrer Geschichte schon alles rangeschlaengelt hat.
          Uebrigens, lass Dir doch nicht immer von unseren Meinugschindern alle guten Sachen versauen. Wie lange ist denn alles „sozialistische“ (mit gemeinem und falschem Hinweis auf „Nationalsozialismus“ verteufelt und dem verwandt verschrieen worden – genau wie Adolf es verdrehen wollte (und dann 1934 alle Ursprungsmitglieder umlegte). Genauso wird jetzt alles „populaere“ verschrieen – warum?
          Weil es den Maechtigen gefaehrlich sein koennte, wenn das Volk sich jemand anderen aussuchen wurde.
          Versprechen, die jemand macht, mussen ja nicht immer Luegen sein. Nur bei Berufspolitikern – na ja – da weiss man’s ja. Populisten, richtige solche, nicht teauschungsgeile Rattenfaenger, waren Leute wie die Brueder Gracchus im alten Rom, die fuer das Normalvolk besseres Landrecht, Stimmrecht und Immunitaesgeschuetzte Tribunen forderten (und vom Senat umgebracht wurden – aber ihr Werk ueberlebte). In neuerer Zeit sehe ich da Fidel, ein wenig (mit New Deal) auch Roosevelt, Hugo Chavez, Ajmadinajad, Nyerere, und Ghaddafi. Und meist leben solche Menschen, die besseres fuer die Mehrheit wollen, gefaehrlich – warum? Weil es Besitz- und Machtstand der Reichen gefaehrdet.
          Das ist es, was am Populismus so „schlecht“ ist – und deshalb wird er verteufelt.

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        • Ich lehne Besteuerungen und Reformen nicht ab, ich halte nur das Versprechen von Corbyn, die oberen Einkommen deckeln zu wollen für dreist gelogen, und die Idee an sich auch falsch vom Grundsatz her. Die Realität wird in den nächsten Jahren genau andersrum aussehen als Corbyn das anskizziert.

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          • Etwas als „gelogen“ zu bezeichnen, nur weil Du es fuer undurchfuehrbar haeltst, ist etwas stark.
            Es ist nur undurchfuehrbar, wo es sich nicht um Arbeits- Einkommen handelt (wobei ich Angestelltensalaere mitrechne).
            Bei Einkommen aus Anlagen und Dividenden sind Obergrenzen schwer zu definieren, aber hohe Steuerprozente machbar.

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