Warum ich aus der Piratenpartei ausgetreten bin

Ja, richtig gelesen, ich habe nach über sieben Jahren aktiver Mitgliedschaft die Piratenpartei verlassen.

Seit meinem Eintritt im März 2010 hat sich gezeigt, dass die Piraten zwar absolut wichtige Gegenwartsthemen bearbeiten, dennoch aber nicht zu einer politisch relevanten Partei wurden, sondern sich letztlich wieder zu einer Ein-Themen-Organisation zurückentwickelten, die andere, wichtigere gesellschaftliche Themen beiseite lässt. Alles, was im Grundsatzprogramm der Piraten steht, ist zwar richtig und muss umgesetzt werden. Es genügt aber nicht. Zentrale Themen wie Feminismus, Anti-Faschismus und Anti-Kapitalismus sind zu sehr in den Hintergrund gerückt. Das kann ich inhaltlich nicht mittragen. Dazu kommen strukturelle Punkte.

Aus diesem und anderen Gründen (vor allem der Wutbürgerlawine nach dem Hype von ’11 und der Mediendarstellung, da wäre kein Programm) ging ausserdem die Anzahl der aktiven Mitglieder auf eine so geringe Zahl zurück, dass ein effektives politisches Arbeiten nicht mehr realistisch möglich ist. Die Piraten sind aus meiner Sicht als Partei nicht überlebensfähig. Deshalb muss ich neue Wege der gesell­schaftlichen Mitgestaltung suchen. Auch wenn mir diese Entscheidung extrem schwer fällt (und Monate innerer Diskussion erforderte), da die kleine Partei für mich in den vergangenen sieben Jahren Hauptjob und Lebensmittelpunkt war. Ich sehe die Rolle der Piraten in unserer Gesellschaft als eine sehr wichtige, allerdings als NGO und netzpolitische Bewegung, weniger als Partei.

Ich bin überzeugt, dass man sich mit einer möglichst grossen Gruppe von Gleich­gesinnten zusammenschliessen muss, um politisch etwas zu erreichen. Ausserdem gibt es Parteien, um diese gemeinsam gefundenen Positionen dann in parla­mentarischen Abstimmungen zu vertreten. Parteien sind Teil des heutigen Demokratieproblems, aber wir haben noch keine bessere Lösung für die Mitgestaltung durch Viele, gegen die Interessendurchsetzung Einzelner. Diese beiden Ebenen politischer Gestaltung sind nicht identisch, weswegen die Piraten auch für unsere Zukunft wichtig sind. Darüber hinaus werde ich jetzt darüber nachdenken, ob ich mich einer Partei anschliessen werde. Das Ergebnis dieser Überlegungen werde ich dann wieder veröffentlichen.

Pic Michael W. Kolton cc by sa

25 Kommentare

  1. Na, Glückwunsch zu der Erkenntnis. DIEM25, den Tip hab ich doch von Dir. Da bist Du doch dabei. Da läuft noch was.

    Viel Erfolg,

    Gruß

    Thomas

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  2. Bei aller liebe, aber die Piraten haben sich selber zerlegt bzw. haben dabei zugeguckt (und es zugelassen – wie die Grünen anno 1993-94) wie Uboote des Establishments die Partei auseinandergepflückt – eigentlich nach allen regeln der Kunst zerschreddert – haben, noch bevor die Sämlinge auch nur im Ansatz eine hauchdünne Gefahr für die althergebrachten Eichen darstellen konnten.

    Im Keime erstickt ist diesbezüglich tatsächlich das passende Gleichnis dafür.

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    • Top 3 Piraten mit Uboot-Verdacht? Ich fang mal an: Johannes Ponader :)

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    • eine partei muss demokratisch sein, dagegen kannst du garnix tun, wenn es weniger intressierte gibt, als die elite agenten bezahlen kann…
      die nerds (ich auch) saßen lieber zuhause und wixten sich einen anstatt selber aktiv zu werden..

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  3. Du hast lange durch gehalten!
    Mal sehen, ob es DieLinke wird. Fände ich gut als Blogleser.

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  4. Zentrale Themen wie Feminismus, überzogener Anti-Faschismus und weltfremder Anti-Kapitalismus haben euch die Wähler gekostet.

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    • überzogener Anti-Faschismus, das habe ich nicht richtig formuliert. Ich meinte eher den pubertären und inszenierten Anti-Faschismus der Feminismus-Fraktion, der der Partei den Rückhalt gekostet hat.

      kleines Beispiel:
      http://www.taz.de/!5048076/

      2012 lief noch alles prima für die neue, linke, fortschrittsorientierte Volkspartei im Kleinformat, ab ca. 2014 dann der Absturz in die völlige Bedeutungslosigkeit.

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      • Ich bin Anne heute noch dankbar für diese tolle, mutige Aktion. Und ja, ich verstehe natürlich, dass unsere einheimischen Broflakes da rumheulen. Selbstbewusste Frauen passen einfach nicht ins Weltbild des 19ten Jahrhunderts.

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        • Du gehst da am Problem vorbei – den meisten Menschen aus der PP dürften die nackten Brüste relativ egal gewesen sein, und mit weiblichem Selbstbewußtsein hat das auch wenig zu tun. Und ganz ehrlich, ich wage mal ganz ernsthaft zu beweifeln, dass es bei den Piraten viele „Broflakes“ gab.

          Mal abgesehen davon, dass ich nicht unbedingt argumentieren würde, dass viel Mut dazu gehört, mit verdecktem Gesicht seine nackten Brüste in die Kamera zu halten.

          So oder so, der Hintergrund der Aktion, einen Massenmord an Zivilisten auf diese Weise Applaus zukommen zu lassen, war doch das Problem.

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          • es war unreflektiertes kindliches antifa-getue. leute deren markenzeichen adidas schuhe sind, sind keine linken.

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        • Fritz , selbstbewusste Frauen müssen jedoch keine Feministinnen sein.
          Die meisten dieser „Damen“ sind nichts als Schreibtischtäter und haben keine Ahnung von dem alltäglichen Leben einer Frau, die in einem schlecht bezahlten Job auch noch ihre Kinder durchbringen muss.
          Lass Dir Zeit, ehe du dich für den nächsten Firlefanz entscheidest.

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          • Wir können uns die ganze Feminismus-Diskussion sparen, wenn wir uns auf den Vorschlag von Maisie Williams einigen, die nur einen Unterschied nennt: Entweder normale Leute oder Sexisten.

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      • Möpse raus für Bombenteppich, tolle Aktion. Ich finde, sich mit nem inszenierten Tittenskandal zu profilieren, das ist unabhängig vom Anlass und dessen Bewertung einer politischen Partei unwürdig, ganz egal in welchem Jahrhundert.
        Aber hat auf jeden Fall gut funktioniert die Nummer. Anstelle sich innerparteilich auseinandersetzen und verlieren zu müssen, ekelt man mit seinen Brüsten und dem Medienecho einfach alle fähigen Andersdenkenden aus der Partei raus. Aber klar, das hatten die netten Mädels sicher so nicht geplant…

        „unkonstruktive radikalisierung“ hatte Udo Vetter das genannt. Wobei ich der Aktion noch zusätzlich ne gute Portion Hinterfotzigkeit attestieren würde, wie man in Bayern so schön sagt.
        http://www.taz.de/!5046723/

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    • diese analyse war vor 5 jahren schon falsch und sie ist es immer noch.

      es ist einfach blödsinn einer partei mit ein paar tausend mitgliedern die verantwortung dafür zu geben, dass die mehrheitsgesellschaft aus 50 millionen wahlberechtigten schäfchen sich nicht genug für die kernthemen der partei interessiert.

      dass „unsere“ themen irrelevant geworden sind, das wichtige ansätze kämpfe für veränderung oer fortbestand zu führen umgelenkt und unterdrükt werden, ist ein gesamtgesellschaftliches problem.

      auch wenn ich persönlich denke, dass man die kernthemen des eigenen vereins natürlich nicht vernachlässigen sollte, ist das sicherlich nicht der punkt, für den eine partei in umfragen und wahlen gut da steht.

      ich fühle mich mit den kernthemen urheberrecht, datenschutz, transparenz, verfassungsschutz von unten zwar schon lange sehr einsam im umfeld der partei und das ist irgendwie blöd, aber würde die piratenpartei nicht auch über sozialpolitik, außenpolitik, über rüstungsexporte und care revolution diskutieren, wäre sie noch viel unwählbarer.

      ein-themen-vereine gibt es schon genug in denen man prima ein-themen-politik machen kann, eine partei hingegen muss zwingen alle themen besetzen, sonst ist sie keine partei.

      und auch wenn das immer droht zu bullshit bingp zu werden, aber die behauptung das irgendwelche linksradikalen die partei unterwanert häten ist auch quatsch: solche leute haben diese piratenpartei gegründet. problematisch ist nur oft gewesen, dass diese sorte leute ihre bereits vorhandene politische erfahrung teilweise missbraucht und sich damit selbst in miskredit gebracht haben.
      den machtkampf zwischen „links“ und „liberal“ haben jetzt die computerspielekiddies und die hobbypolitiker gewonnen, die machen jetzt alles mögliche nur keine politik mehr.

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  5. „Zentrale Themen wie Feminismus, Anti-Faschismus und Anti-Kapitalismus sind zu sehr in den Hintergrund gerückt.“

    Nein, Themen wie diese haben den Piraten das Genick gebrochen (wobei die neuen Faschisten eh die „Antifaschisten“ sind). Die Piraten sind von den Linken geentert worden, wer aber wählt Besiegte?
    Der AfD ist dies als einzige nennenswerte Partei noch nicht passiert, deshalb ziehen sie auch so den Hass auf sich – es gäbe auch Brandanschläge auf die Piraten, wären sie letztlich nicht doch Teil des Systems.

    Dass nun Fritz aus der Piratenpartei austritt, wundert mich nicht, man merkt an den Themen hier, dass ihn das ursprüngliche Kernthema der Piraten überhaupt nicht interessiert.

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    • „AfD ist dies als einzige nennenswerte Partei… „? Was für ein ausgemachter Schwachsinn. Naziversteher sollen zurückgehen in die finstersten Ecken unserer nationalen Vergangenheit.

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      • Man muss sie ja nicht toll finden, aber „nennenswert“ im Sinne von „politisch von Bedeutung unter den Randparteien“ ist schon zutreffen, da muss man auch kein Naziversteher sein.

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        • basilikum bezeichnet oben die antifa als „faschisten“ – was ist er denn sonst, wenn kein naziversteher, er hat immerhin ihre komplett denkweise und ihr verdrehtes, aber einfaches weltbild voll übernommen. :)

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          • Wenn er damit ausdrücken will, dass der einzige Unterschied zwischen so manchem Antifaschisten und den Nazis die Farbe der Schnürsenkel und Details der Entschuldigung für das gewalttätige Verhalten sind, würde ich das auch nicht als „Naziversteher“ bezeichnen. Und ich habe den Eindruck, dass er darauf hinauswill.

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    • Klar wurde die AfD geentert. Die AfD war ursprünglich Lucke mit seinem „raus aus dem Euro“ Gesabbel, bevor die Ossifaschos den Laden übernommen haben.
      Lucke macht nach alfa jetzt übrigens lkr, lol.
      http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-11/bernd-lucke-alfa-liberal-konservative-reformer-frankfurt

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  6. hoffentlich trittst du anti-deutscher trittbrettfahrer nicht der linken bei

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  7. Bin auch schon lange ausgetreten. War nix los und wichtige Themen hat man einfach verschlafen. Tja, ich lebe immer noch. Schade ist es trotzdem.

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  8. bezirktagsmandat schon zurückgegeben oder lieber doch net auf die kohle verzichten ?

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    • Man kann sein Mandat nicht einfach so „zurückgeben“, 770 Euro hin oder her. Hierzulande werden Personen gewählt, nicht Listen.

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  9. […] und ich freu mich darüber. Vor sechs Wochen hab ich die Piratenpartei nach 7 stürmischen Jahren verlassen, weil die zwar alle nett sind und das Programm auch, das aber als Partei keinen Sinn mehr […]

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