Wenn du arbeitslos bist, dann nicht, weil es keine Arbeit gibt

Sieh dich um: Wohnungsnot, Verbrechen, Umweltverschmutzung. Wir brauchen bessere Schulen und Grünflächen. Egal, was wir brauchen, es erfordert Arbeit. Und solange wir unerfüllte Bedürfnisse haben, gibt es Arbeit zu tun.

Also frag dich selber, was das für eine Welt ist, in der es Arbeit gibt, aber keine Jobs. Das ist dann eine Welt, in der Arbeit nicht dafür da ist, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Sondern eine Welt, in der Arbeit nur dazu da ist, die Profitinteressen von Unternehmen zu erfüllen.

Dieses Land wurde nicht von grossen Konzernen oder der Regierungsbürokratie erbaut, sondern von den Leuten, die arbeiten. Und diese Arbeit sollte von den Leuten kontrolliert werden, die sie leisten. Nur, solange Arbeitsplätze an den Profit anderer Leute gebunden sind, wir die notwendige Arbeit nicht geleistet werden.

Das ist ein Plakat des New American Movement, einer us-amerikanischen, demo­kratischen Aufbruchsbewegung in den Siebzigern. Aber es stimmt genau so für unser neoliberales Land und für 2017.

Es gibt einige Wenige, die ihre Interessen durchsetzen, und sehr viele, die gerne so wären wie die Wenigen und deswegen mitspielen. Die Mitläufer, die dem Traum nachhängen, auch irgendwann vorne zu sein, wenn sie nur schnell genug laufen. Was natürlich nie der Fall sein wird, weil alle so schnell laufen, wie sie können, und die ganz vorne einen uneinholbaren Vorsprung haben, und diesen auch sichern. Durch ihren Einfluss auf Gesetze und Medien. Was kann man tun? Wie kommt man da raus? Indem man selbstbestimmt handelt. Den Konzernen weniger abkauft, Genossenschaften gründet, alles in allem den Traum aufgibt, irgendwann selbst einmal ein Grosskapitalist zu sein. Das wird man nämlich nur, wenn man ausreichend soziopathische Defekte mitbringt und es einem egal ist, wenn man anderen das letzte bischen wegnimmt, wenn es nur der eigenen Wachstumsrate nützt. Das Problem ist allerdings, dass trotzdem sehr viele an den kapitalistischen Traum glauben. Nur wird das eine Veränderung der Verhältnisse nicht aufhalten können: Es ist nicht notwendig, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung von der Religion der grenzenlosen Selbstbereicherung abwendet, weil die Funktion dieser Art von pararasitärer Wirtschaft schnell beeinträchtigt wird, je mehr Leute sich davon abwenden. Je mehr sich darüber im klaren sind, dass man diesen Quatsch nicht glauben muss. Man kann trotzdem ganz normal weiterleben, arbeiten gehen, einkaufen und dabei wissen, dass die grenzenlose Gier nicht der Sinn des Lebens ist, sondern die Menschen um einen herum. Egal, was die anderen sagen, die der Sekte der Monetarier noch angehören. Lasst sie reden. pic via kth

1 Kommentar

  1. Eine interessante Zusammenfassung.

    Ein Punkt der mich seit einiger Zeit beschäftigt, wenn es um das Thema Arbeit geht – auch wenn Du ganz recht hast, es gibt vieles was man tun sollte oder könnte, insgesamt nimmt die Menge an Arbeit für den Menschen seit einiger Zeit ab.

    Automaten, Datenverarbeitungsanlagen, Roboter, sie alle übernehmen zunehmend mehr Arbeit, die dann der Mensch nicht mehr tun muss.

    Meine Traumwelt wäre nun eine, in der Maschinen all die Arbeit machen, und der Mensch dann endlich frei wäre, sich ganz der Kunst, Kultur und Wissenschaft zu widmen – oder auch einfach nur zu faulenzen, wenn sich das besser anfühlt.

    Aber im Moment scheint es anders zu laufen – die Maschinen arbeiten nicht für alle, nicht für die Gemeinschaft, sondern in die Taschen einiger weniger. D.h. die meisten Menschen profitieren nicht davon, dass die Maschinen ihnen Arbeit abnehmen, sondern beginnen darunter zu leiden, weil es immer weniger bezahlte Arbeit für sie gibt.

    Und saudummerweise scheint es keinen guten Weg zu geben, die aktuelle Welt, in der Maschinen nur für einige wenige, und nicht für alle, die Gemeinschaft, arbeiten, in die Welt zu transformieren, in der jedermann von der Arbeit der Maschinen profitieren kann, und endlich frei wäre.

    D.h. statt der schönen Utopie des von der Arbeit befreiten Menschen, der dennoch mit allem lebensnotwendigem versorgt ist, steuern wir auf eine Krise zu, wenn zu viele Leute kein Einkommen durch Arbeit mehr erwirtschaften können, und kein anderes Einkommen zur Verfügung steht, und dann aus purer Not eine Revolution beginnen, um die aktuelle Welt zu einer besseren zu machen, die hoffentlich näher an der schönen Utopie liegt – wobei die Erfahrung sagt, Revolutionen sind zu zerstörerisch, das wird zunächst einmal verbrannte Erde hinterlassen und der Aufbau der utopischen Gesellschaft, in der die Maschinen für alle arbeiten, wird nach so einer Revolution eine große Herausforderung bleiben.

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