Wenn der rechte Rand überkocht

NPR Headquarters in Washington, DC.

Einer selbstgestrickten Tradition zufolge liest das National Public Radio NPR der US of A an jedem vierten Juli die Unabhängigkeitserklärung vor. Find ich super. Ja, wirklich, ich würde mich freuen, wenn unsere öffentlich-rechtlichen Sender zu jedem 23. Mai das Grundgesetz feierten. Aber das ist ein anderes Thema. In diesem Jahr jedenfalls sendete das NPR die Declaration Of Independence mit ihren klaren Freiheitsidealen und der massiven Kritik am damaligen King George Of England auch via Twitter, in Abschnitten zu je 140 Zeichen. Was passiert? Allgemeiner Jubel? Aber nein, weit gefehlt:

Die Trump-Anhänger, White Supremacists und US-Nationalisten reagieren mit blankem Hass, fordern, dem Radio alle Zuschüsse zu entziehen und beschimpfen die vermeintlich anti-amerikanischen Standpunkte der vermeintlichen Liberals aufs Energischste. Kein Wunder, wenn die DoI Sätze enthält wie „it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government“ – das muss man doch unweigerlich auf Möchtegern-Diktatoren wie Trump beziehen, oder? Woher kommt denn aber dieser Beissreflex gegen allgemeine Freiheitsgedanken? Aus der selben Hölle wie die totalitären Regimes der Vergangenheit und Gegenwart: Viele Menschen fühlen sich so schwach und hilflos, dass sie lieber an einen Führer und dessen Allmacht, Weiheit und unendliche Güte glauben statt sich um demokratische Mitwirkung zu bemühen. Das ist ein durchaus religiöses Motiv, und kann auch durch blosse Fakten nicht verändert werden. Wie wir übrigens auch an den Autoritätsgläubigen 5% in unserem eigenen Land sehen können. Mehr sind es nicht, die anderen Rechtsrandwähler handeln aus einer unseligen Vermischung von Wut, Selbstmitleid und Denkfaulheit heraus. Was aber zunächst kein Problem für die Gesamtgesellschaft wäre, würden sich die Autoritätsgläubigen nicht so bereitwillig vor den Karren der etablierten Mächtigen spannen lassen und wieder, wieder und wieder quer durch die ganze Menschheitsgeschichte eine prima Hilfstruppe gegen humanistisch und freiheitlich eigenstellte Geister bilden. Soviel zur Unabhängigkeitserklärung: Happy independence, allerseits! via gizmodo

5 Kommentare

  1. Ich mag Dein “ Rechtsrandwähler handeln aus einer unseligen Vermischung von Wut, Selbstmitleid und Denkfaulheit heraus“ – ueberlege mirjedoch dabei auch, was wohl die „sogenannt linken“ Randwaehler antreibt? Ich meine da vor allem die sogenannten „resistence“ chaoten, die ihrer verkrachten Kandidation und ihrem (not yet „come-out“) Gender-und-Maida-Praesidenten so gerne mehr Zeit und Chancen fuer weitere Voelkermorde gegeben haetten.
    Soviel Wut, Selbstmitleid und Denkfaulheit htte ich schon lange nicht mehr gesehen.
    Und was die tolle „Unabhaengiskeitserklaerung“ angeht, so scheint sie mir, in Anbetracht der Nichteinbeziehung des „anderen Geschlechts“ (und ich meine nicht irgendein „Gender“) und anderer Rassen (besnders dunkler und einheimischer), ausserst fragwuerdig.
    Die Idee waere schon ganz gut – aber die Formulierung – und die Folgen wie weitere Sklaverei – und schlimmer: Holocaust an den einheimischen Voelkern …. nein, da kann ich nicht „Hurrah!“ singen.

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    • Owehoweh, die Welt ist schlecht. Das hat aber mit dem OP nichts zu tun, über allgemeinen Whataboutism hinaus.

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  2. Wie immer, Fritz will in der Welt aufräumen, anstatt erst einmal am heimischen Herd.
    Hier gäbe es genug zu tun, außer: „Ehe für alle.“
    wie viel Abgeordnete waren da? Ich glaube knapp 60.
    Kann ich jetzt auch meinen Bruder heiraten?

    Tolle Abstimmung – ja – und die „Trojanerabstimmung“ ist noch stimmiger gelaufen.
    Es ist nicht nur „e t w a s faul im Staate……“
    Der gesamte Staat ist am verfaulen.

    Mein Gepäckträger wird zur Zeit von folgendem Zitat – von mir – verschönt.
    „Die Wahlunterlagen für September 2017 auf Klopapier drucken!
    Dann weiss jede sofort, wohin sie gehören.“

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    • Da nehm ich, extra für dich, in meinen Politikbeiträgen immer auch Bezug auf den deutschen Michel und seine Schlafmützigkeit – und dann issses auch nicht recht. Du weisst doch auch nicht, was du willst.

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      • „Du weisst doch auch nicht, was du willst.“ doch glaub schon… Ausübung einer wenn nicht der deutschen „Kerntugenden“: meckern :)

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