27 Jahre später: Elite Dangerous

Im Januar ’90 hatte ich meinen ersten PC gekauft, einen Atari 1040 ST, und wenig später wollte ich Games haben, weil der kleine Bildschirm (ich hatte 2 davon, einen schwarzweissen und einen weniger scharfen mit 16 Farben) so aufregende Geschichten erzählen konnte. Eines der ersten Games, auf eine Zeitungsannonce hin erworben (1990 gabs ja noch kein Internet), war Frontier Elite II. Eingelöste Träume meiner Kindheit, ja, aber irgendwie unspielbar, mit 3-4 Frames pro Sekunde. Fünf Jahre später hab ichs damit nochmal versucht, dann auf einem DOS-Rechner mit für das Game selbst geskripteter Startdiskette und langen Nächten voller Explosionen, wenn das mühsam erkämpfte Raumschiff wieder und wieder an der sich ständig drehenden Raumstations-Luftschleuse zerschellte. Sowas hält man dann aber nicht lange durch, und wenn das Weltall in noch so schönen 16 Farben glitzert. Mittlerweile (wie in „Dezember 2014“) kam die modernisierte Fassung nach einer erfolgreichen Kickstarterkampagne als Elite Dangerous raus, mit beachtlichem kommerziellem Erfolg.

Zu dem ich während des Steam-Halloween-Sales ein mikroskopisches Teilchen beigetragen habe. Seither fliege ich wiederholt durch den viele Milliarden strahlender Punkte zählenden Sternenhimmel. Mein (durchwegs positiver) Eindruck: Nein, es ist nicht das beste Spiel der Welt, aber es ist ziemlich gelungen. Nur die Einarbeitung ist haarig – so ein Raumschiff will schliesslich erstmal bedient werden.

Elite D ist nämlich wieder eine Simulation, und kein munteres Space-Em-Up wie Rebel Galaxy, was bedeutet, dass du mehrere Punkte auf dem Bildschirm und mehrere Tasten auf dem Keyboard im Auge behalten musst. Dafür sind die Gefechte spannend, die Möglichkeiten enorm, die Galaxis überwältigend riesig (viel, viel grösser als in Eve Online). Elite D macht eine Sache besonders richtig, und kann dadurch zum Vorbild einer ganzen, neuen Spiele­generation werden: Es ist sowohl MMO, als auch Sologame, als auch in einer Gruppe aus dir und deinen Freunden spielbar. Und du kannst zwischen den Spielmodi hin-und-herwechseln. Gechattet wird aber nur im selben Sonnensystem, nicht über alle Spiralarme hinweg (ausser mit Ingame-Freunden). Die Progression, der Fortschritt, der Erfolg zeigt sich an erwirtschafteten Credits und immer grösseren und schnelleren Raumschiffen. Dazu schlüpftst du in die genretypischen Rollen: Kurier, Transporteur, Kopfgeldjäger, Pirat, Söldner einer der grossen Mächte (gerne auch mit PvP) bis hin zur Teilnahme an der Verteidigung der heimischen Milchstrasse gegen böse Aliens.

Die realistisch trostlosen, steinigen, mit Kratern übersäten Planeten und Monde kann man nach der Landung mit einem Fahrzeug erkunden. Hier allerdings hat No Man’s Sky weit die Nase vorn, mit seinen bizarren und farbenfrohen Alienlandschaften. Die Schattenseite, die der Drang nach SciFi-Realismus mit sich bringt, ist allerdings die Warterei auf die Ankunft an der Zielstation. Da können schon mal ein, zwei Minuten vergehen, währen der man auf das Ziel, die Eigengeschwindigkeit, die Brems­verzögerung, eventuelle fiese Angreifer (das aus-dem-Warp-kicken hat ein eigenes vergnügliches Minigame) und etwaige unverlangt in die Flugbahn rollende Drittplaneten starrt.

Trotzdem und bei allen prozeduralen Wiederholungen ist Elite Dangerous seiner eigenen Legende als Mutter aller Space-Sims gerecht geworden. Auch wenn No Man’s Sky, Rebel Galaxy, Eve Online und andere besser (also unrealistischer) aussehen und mitunter kurzweiliger sind, vermittelt David Brabens Spätwerk (er ist heute 53) eine epische Grösse, wie man sie am Bildschirm nur selten atmen darf. Ich gebe deshalb 69 von 69 Jupitermonden, auf anderen Skalen mögen das auch etwas weniger Punkte sein. Egal, ich drücke den Launch-Button, ziehe die Landebeine ein und fliege neuen Abenteuern entgegen.

1 Kommentar

  1. (1990 gabs ja noch kein Internet)

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    Klar gab es das.
    Nur hieß das Unix User Network, oder auch „Usenet“.
    Und der Datentausch fand dann ganz Analog im RL statt. Per Post :-D
    Später dann per hier in DE illegalen Hayes Modem + Brotkastengroßen US/DE Transformator (so man gute Kontakte in die USA und/oder hier auf die Army Bases hatte), oder auch dem CCC sein Datenklo Modem im Eigenbau.

    Ich weiß gar nicht mehr wie wir damals den ganzen scheiß zum laufen brachten. Dabei war ich nicht mal ein typischer „Nerd“ sondern so eine Art Gothic-Thrash-Punk-EBM-Rasta-Rave-Hop-Waver mit einer ausgeprägten Vorliebe für Krautrock und ’ner riesigen Prince-Kate-Bush-und-Bowie-klatsche.

    Waren aber herrlich chaotisch-kaputte Zeiten die Ende 70ziger/80ziger/bis Mitte 90ziger. Und dann zog die immer mehr zunehmende Drögnis über Land, Kontinente und Meere.

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