Skandal: Britische Wasserwerke verwenden immer noch Wünschelruten

Durch das brexitgebeutelte Vereinigten Königreich Ihrer Majestät Elisabeth der Zweiten rollt gerade ein neuer Skandal: 10 von 12 befragten Wasser­ver­sorgungs­betrieben, so berichtet die führende britische Tageszeitung The Guardian, setzen nach wie vor Wünschelruten ein, wenn es darum geht, Wasserrohre oder Rohr­brüche zu lokalisieren. Der Aufschrei ist erwartbar: „Das ist unwissenschaftlich! Das muss aufhören!“ Und da haben wir auch schon das zentrale Missverständnis von Wissenschaft.

Diese findet nämlich nicht dann statt, wenn irgendetwas blinkt, summt oder qualmt, oder wenn wahlweise bebrillte Männer in weissen Laborkitteln viele Fremdwörter verwenden, sondern wenn Dinge, die wir beobachten aber nicht verstehen, vorurteilslos aufgeklärt werden. Und tatsächlich, am 23. März 1950 fasste die Direktorenkonferenz der Geologischen Landesämter der Bundesrepublik Deutschland den Beschluss, dass „die Geologen fast aller Kulturstaaten der Welt den Zusammenhang zwischen Rutenausschlag und Strahlen für unwahrscheinlich halten“. Da haben wir den Beweis, nicht wahr? Nein. Weil da, wie oben beschrieben, nur subjektiv empfundene Wahrscheinlichkeit verkündet wird, aber keine wissen­schaftlich saubere Versuchsreihe vorhanden ist. Und jetzt? Sind Wünschelruten doch ok? Tatsächlich gibt es mindestens zwei im Doppelblindverfahren durchgeführte Studien (1987 in München und 1990 in Kassel), die gezeigt haben, dass Wünschelrutengänger genau so oft tieferliegende Wasserrohre mit Inhalt von solchen ohne unterscheiden können wie irgendwelche anderen Leute ohne solches Equipment. Sind Wünschelruten also Humbug? Was wir wissen, ist, dass in zwei Versuchsreihen keine Wirkung nachgewiesen wurde. Jetzt müssen wir nur noch dasselbe Verfahren auf „wissenschaftliche“ oder technische Verfahren wie Bodenradar oder Ultraschall anwenden, und erst dann können wir sagen, ob Wünschenruten einen schlechteren Job machen als Nutzfahrzeuge voller Prüfelektronik. Genau dasselbe gilt übrigens auch für andere „Pseudo­wissen­schaften“ wie Homöopathie: Wir haben zwar einige wenige Versuchsreihen, die eine Wirkung von homöopathischen Medikamenten nicht nachweisen konnten, aber wir müssen erst die konventionellen, pharmazeutischen Mittel den genau selben Doppelblindtests unterziehen, um wirklich etwas in der Hand zu haben. Bis dahin würde Wissenschaft ja als Glaubenskonstrukt missbraucht werden. Und das wollen wir doch nicht, oder?

Das pic stammt vom Wünschelrutenseminarauf den Bodenseeinsel Mainau mit Hans von Zeppelin, was definitiv schon mal Unterhaltungswert verspricht.

3 Kommentare

  1. Wünschelruten und Wissenschaft sind Teufelswerk, es ist besser den Wasserrohrbruch wegzubeten.

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  2. Interessant dazu:
    http://www.spektrum.de/news/denkfehler-der-homoeopathie/1499429

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    • Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie Homöopathie oder Radiästhesie funktionieren sollen. Das geht mir aber bei Quantenphysik genau so. Letztendlich zählt das Ergebnis.

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