Square Dance, ein Werkzeug us-amerikanischer Rassisten?

Nachdem ich zum wiederholten Mal auf diese Geschichte gestossen sind, muss ich sie doch hier weiter verbreiten. Zumal es eine ganze Reihe von Quellen gibt, die der Sache eine ausreichende Glaubwürdigkeit geben. In kurzen Worten: Auto-Zar Henry Ford hasste sowohl Schwarze als auch Juden so sehr, dass er viel Geld dafür ausgab, aus folkloristischen Quellen einen angeblich für die USA typischen Square Dance entwickeln und ihn in einer ganzen Reihe (22) von US-Bundestaaten zum „offiziellen Bundesstaatentanz“ erklären zu lassen. Er hat, den Quellen zufolge, wohl auch versucht, die Disneyversion ländlicher (aus Europa importierter) Volksmusik zum Tanz der ganzen USA zu machen, aber dafür hat sein Einfluss wohl nicht gereicht. Das ist alles bitter für Square-Dance-Fans, aber die können sich ja jetzt öffentlich von Rassismus distanzieren, ebenso wie andere Folklorefans, deren mehr oder weniger historisch belegte, kulturelle Vorlieben von autoritären Drecksäcken missbraucht wurden. juliannemangin, washingtoncitypaper, jalopnik, pic deirdre cc by sa

6 Kommentare

  1. Henry Fords Auftritt in Family Guy ist auch bezeichnend.

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  2. Der Square Dance hat seine Wurzeln hauptsächlich in den englischen Country- und Contradances, wie auch in der französischen Quadrille.

    Der amerikanische Volkstanz und somit der Square Dance hat zwei Wurzeln: eine englische und eine französische. Der englische Teil kann bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Damals entstand in Europa der Moriskentanz (Morris Dance), der wahrscheinlich durch die Kreuzritter nach Europa und später nach England kam. Er scheint ursprünglich den Kampf zwischen Christen und Mauren dargestellt zu haben. Dieser Tanz wurde zum Vorläufer vieler anderer Tänze und der erste country dance, d.h. für das Volk. Der Morris Dance wurde von sechs Männern in gegenüber stehenden Dreierreihen getanzt. Der Tanz war improvisiert und die nötigen Anweisungen wurden von einem Vortänzer aus ihrer Mitte gegeben.

    Im Lauf der Zeit wurden diese sechs Tänzer zu einer »endlosen Reihe beliebig vieler Teilnehmer« erweitert und auch die Damen wurden zugelassen (hurra!!!). Diese longways waren sehr variantenreich, wobei Elemente des heutigen Square Dance bereits erkennbar waren. Die longways eroberten im 17. Jahrhundert vom Volk ausgehend den englischen Königshof. Während in England die höfischen Tänze von den Volkstänzen beeinflusst wurden, ging die Entwicklung in Frankreich den umgekehrten Weg vom höfischen Tanz zum Volk. Am Hofe Ludwig XIII wurden die englischen Tänze einbezogen, modernisiert, und sie wurden populär wie nie zuvor. Die longways wurden in Contre Danse umbenannt, was im übertragenen Sinn »Gegenüber-Tanz« bedeutet. Wieder rückläufig wurde diese Bezeichnung später wieder von den Amerikanern als Contra Dance übernommen.

    Unter vielen Variationen entstand auch die Quadrille. Die hoffähige französische Tanzart wurde fast 150 Jahre lang Amerikas beliebtester Tanz. Hier tritt zum ersten Mal ein entscheidendes Phänomen auf: Ein Prompter, ein Tanzleiter, der die Figurenfolge den Tänzern als Gedächtnisstütze zurief, ohne dabei zu singen. Hieraus hat sich später der Caller entwickelt. Die Quadrille ist eine Mischung aus Square Dance und Contra Dance.

    Weit im Westen der USA entwickelte sich der Western Square Dance. Es wurde alles an Volkstänzen einbezogen, was die Siedler aus allen Teilen der Welt beisteuerten.

    Bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es zu jeder Tanzmelodie eine feste Choreographie. Der Caller hatte bis dahin nur die Funktion einer Gedächtnisstütze. Doch dann wurde es Mode, die alten, festen Choreographien durch eigene Choreographien des jeweiligen Callers zu ersetzen. In den 60er Jahren setzten die renommiertesten Caller eine weitgehende Vereinheitlichung der Tanzbegriffe und Figuren durch.

    1974 wurden vom CALLERLAB, einer weltweiten Dachorganisation aller Caller, verschiedene Tanzprogramme definiert: »Basic« (Basisprogramm, wenig verwendet), »Mainstream« (das Grundprogramm), »Plus« (Fortgeschrittenenprogramm), »Advanced 1 & 2«, »Challenge 1 – 6« (die Programme für weit Fortgeschrittene). Diese Programme gelten weltweit.

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    • Gibst Du auch praktische Kurse oder nur Theorie und Historie? 11k2 Squaredance fiesta when?

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      • Square Dance ist Blöd. Square Dance ist für Doofe, ABER Square Dance hat so rein gar nichts mit Rassismus zu tun nur weil es ein paar Geschichtsfälschern einfällt einen dummen Tanz – den sicherlich auch genügend Rassisten Tanzen – wie auch immer opportun für sich zu instrumentalisieren.

        Das ist genauso verblödet wie „Nazi Punk/Rap“ und/oder „Christian Gothic/Death/Black Metal“ und noch etliche solcher Verdrehungen mehr.
        Gilt auch für Tänze usw.

        Rassistisch ist es z. B. das heute vielfach immer noch behauptet wird das z. B. der „Gospel“ & „Blues“ über „Jazz“ von Weißen in „Rock n Roll“ transformiert wurde, wohlwissend, das es 100%tige Nachweise (Tondokumente) darüber gibt, das dieses durch schwarze Musiker geschah.

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        • Ok, war ja nur so ne Idee mit der 11k2 Squaredance Fiesta. War mir übrigens nicht klar, dass die Leute das mit dem Rock n Roll auch in die falsche Ecke verordnen. Ich hatte da immer Chuck Berry im Verdacht. MIt Rap und Hip Hop ist das ähnlich, die meisten wissen auch nicht dass das eigentlich Rob van Winkle erfunden hat.

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        • Noch was zur Geschichtsfälschung. Unten ist ein Screenshot einer BBC Serie für Kinder, the history of Britain. In der Serie gibt es wohl recht viele dunkelhäutige Menschen, historisch also wenig akkurat, bewusst so gemacht.
          Kann man da schon von Geschichtsfälschung und Blackwashing sprechen, oder ist das durchaus legitim, um die Zuschauerschaft (Kinder) besser zu erreichen? Ich bin mir nicht sicher wo da die Pädagogik aufhört und die Geschichtsfälschung anfängt.

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