Warum muss der Playboy für unsere Bürgerrechte kämpfen?

Die einschlägig bekannte Männerzeitschrift Playboy brachte im November das französische Fotomodell Ines Rau (selfie oben) auf die Titelseite und erntete dafür eine Hasswelle aus ihrem angestammten Kundenkreis. Warum, sieht doch sympathisch aus, die junge Dame? Weil sie transgender ist, was in ihrem Fall bedeutet, dass die Ärzte sie bei ihrer Geburt als männlich identifiziert haben und sie erst im Alter von 16, auch mit Hilfe von Operationen, ihre geschlechtliche Identität zurückbekam. Klingt doch eigentlich sehr tapfer, oder nicht?

Aber ja, nicht wenige Männern haben selbst eine so zerbrechliche geschlechtliche Identität, dass selbst der Gedanke, sie könnten eine Frau scharf finden, die früher mal zumindest äusserlich ein Mann war, und sich zu ihren Fotos einen runterholen, in Verweiflung und Wut mündet. In einer Folge von Tweets stellte das Magazin klar, dass die Entscheidung, Ines in’s Heft zu nehmen, direkt vergleichbar ist mit dem „Skandal“ vom März 1965. Damals druckte der Playboy erstmals eine attraktive junge Dame mit schwarzer Hautfarbe, was ganz ähnliche bis identische Reaktionen hervorrief. Ok, aber warum steht da jetzt was von „Bürgerrechten“ in der Überschrift, wenn es doch nur um Möpse und Pimmel geht? Weil die Grundlage unserer Gesellschaft, tut mir leid, wenn ich da so sagen muss, der aus dem Ende der aristokratischen und klerikalen Herrschaft stammende Gleichheitsgrundsatz ist. Das heisst: Alle Menschen sind erstmal gleich. Ja, schon, manche haben von Geburt an extrem viel Geld, was die Situation ziemlich verzerrt, aber das ist eine andere Geschichte. Aus dem Gleichheitsgrundsatz folgt dann aber auch, dass mich die Sexualität anderer Menschen einen feuchten Dreck angeht, und dass ich mich um meine seelischen Probleme zunächst selber kümmern muss. Zum Glück gibt’s da professionelle Hilfe, wenn dich das sexuelle Selbstverständnis anderer Leute so sehr in Rage bringt. Mein Punkt ist aber: Unsere aufgeklärte Gesellschaft hat noch einige Schwachstellen, wenn wir den Kampf für die Gleichstellung von einem, uhm, einschlägig bekannten Männermagazin wie dem Playboy führen lassen müssen. Meanwhile Danke an Ines für ihr Engagement in dieser Richtung. via huffpo

4 Kommentare

  1. Fritz, Dir sollte doch bekannt sein, dass gerade Menschen beiderlei Geschlechts, die dringend eine Psychiater bräuchten, überzeugt davon sind, alles besser zu wissen.
    Menschen, die sich in psychiatrische Hände begeben – freiwillig –
    werden von unserer Gesellschaft ausgegrenzt.
    Darum reden Betroffene auch nicht darüber – höchstens im allernächsten Familienkreis.

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  2. Ist ok vom Playboy, aber da muss ein Hinweis auf die Verpackung, wegen dem Verbraucherschutz.
    So wie wie bei genmanipulierten Produkten, Achtung enthält Transen, oder „chirurgical improved“, analog zu „genetically improved“.
    Das würde dem Konsumenten dabei helfen, sich im Produktdschungel besser zurechtzufinden.
    Die Ausgabe mit Arabella Kiesbauer war auch wegweisend, hat die noch jemand rumliegen? Asking for a friend..

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  3. Um jetzt nochmal darauf zurückzukommen: Ich finde es erschreckend wenn Du schreibst, dass „SIE ERST IM ALTER VON 16, auch mit Hilfe von Operationen, ihre geschlechtliche Identität zurückbekam.“.
    Andere finden da gerademal ihre geschlechtliche Identität, sie hat sie schon zurückbekommen, wow.
    Aber Cover vom Playboy bedeutet Transsexuelle haben jetzt alles erreicht.
    Die Gesellschaft kann und muss sich dann jetzt mehr um transrassige Mitmenschen kümmern. Bekannte Beispiele: Michael Jackson, Rachel Dolezal und Martina Big.
    http://www.nydailynews.com/entertainment/white-german-woman-reveals-transition-black-article-1.3513697

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  4. Habe Ja Du vergessen in der Aufzählung. Transracial is the new Transsexual. Hautfarbe ist ja auch nur ein social construct, so wie Gender und alles heutzutage.
    http://www.independent.co.uk/news/world/americas/man-transracial-white-florida-filipino-rachel-dolezal-philippines-ja-du-adam-a8053731.html

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