Die Zukunft des Einzelhandels

In einem Wort: keine. Heute öffnet der vor über einem Jahr angekündigte, erste Amazon Go. Ein Supermarkt ohne Mitarbeiter. Du gehst einfach rein, dein Smart­phone identifiziert dich, die zahlreichen Videokameras ebenfalls, du nimmst, was du haben möchtest und gehst einfach. Extrem schöne neue Welt, mit lückenloser Überwachungs und ohne Arbeitsplätze im Einzelhandel.

Bisher ist der Handel eine der Branchen mit dem grössten Arbeitsplatzangebot. Wenn es nach Amazon geht, ist das bereits Geschichte. Keine Frage, die hier gezeigte Technologie ist eine fan­tastische Chance für unsere Gesellschaft: Wer bitte will denn wirklich den ganzen Tag an der Supermarktkasse sitzen, oder Regale auffüllen, um seine Miete bezahlen zu können? Andererseits wird das Wegfallen dieser Jobs uns vor die Frage stellen, was uns lieber ist: Sozialismus oder Hungeraufstände. Die fantastische Produktivität der neuen Technik (vorausgesetzt wir gehen mit den persönlichen Daten sensibler um) könnte uns von langweiliger und entfremdeter Arbeit befreien. Aber nur, wenn wir es schaffen, die daraus entstehenden Gewinne gerecht zu verteilen. An alle Menschen, nicht nur an die Besitzer von Amazon-Aktien.

techcrunch, pic SounderBruce cc by sa

9 Kommentare

  1. Schon mal im Einzelhandel gearbeitet?

    Gefällt mir

    • Schon mal zufällig wirkende Fragen gestellt? Hallo Gunnar, alles klar bei dir?

      Gefällt mir

  2. Was war nochmal der kapitalismuskritische Gegenentwurf dazu?
    CCCP to GO, mit kleinerer Auswahl, aber alles wird direkt vom bedingungslosen Grundeinkommen abgebucht, richtig?

    Gefällt mir

    • Nicht wahr, das wäre schön, wenn es für alle komplexen Fragen nur maximal zwei Antworten gäbe? Viel übersichtlicher.

      Gefällt mir

      • Man kann komplexe Dinge schon manchmal überspitzt zusammenfassen, rein wegen der Übersicht. Ich finde ausserdem, dass der Artikel zu viel Credit an Amazon gibt, als hätten die das erfunden mit der Automatenkasse.
        In London haben sie schon seit vielen Jahren so Mega-Tescos, mit 50 Slots für den Autocheckout, ohne Wartezeit, und einem Slot mit Human Frontend. Die ist für alte Menschen da, die mit der Automatenkasse Probleme haben. Halbe Stunde warten muss man da in Kauf nehmen.
        Amazon hat diese eine Kasse noch wegrationalisiert, und das Bezahlsystem digitalisiert, mehr nicht. Man kann da halt keine Scheine irgendwo reinstecken, sondern zahlt mit dem Telefon.
        Ansonsten ist das alles gar nicht so neu vom Ansatz her, das macht Tesco schon lange so.
        Mir ist nur nicht ganz klar, warum Rewe und Tengelmann nicht schon lange auf den Zug aufgesprungen sind – bei der Milch gehts ja auch im jeden Cent.

        Gefällt mir

        • Läuft eigentlich genau gleich, Amazon scannt nur automatisch über RFID Chips nehme ich an, und dann ist der Touchscreen eben nicht an der Kasse installiert, sondern läuft als App auf deinem Phone.

          Gefällt mir

        • Dass Rewe das noch nicht macht mit den Automatenkassen ist sicher kein Zufall. Wahrscheinlich hat die Marktforschungsabteilung in Pilotprojekten bei der männlichen Zielgruppe sowas wie einen unterbewusst vorhandenen Schleckerfrauen-Fetisch gemessen, der beim Kauferlebnis unbedingt bedient werden muss. Sonst würden die da nicht mehr sitzen.

          Gefällt mir

  3. Sorry Leutz, wenn keiner mehr an der Kasse sitzt und keiner mehr da ist den man nach etwas fragen kann, so erübrigt sich jeder weitere Besuch in einem RL Supermarkt von selber.
    Einkäufe kann ich dann komplett vom PC etc. aus erledigen und es mir bis vor die Türe liefern lassen. Oder – wenn ich zuhause bin – sogar bis auf den Küchentisch.

    Bleiben dann noch die kleinen Geschäfte mit Service. Die werden eines Tages einen ungeahnten BOOM erleben (da bin ich mir absolut sicher), nämlich dann wenn den Menschen anfängt der persönliche Kontakt abhanden zu kommen – ein Ding das mit Sicherheit passieren wird (da bin ich mir auch absolut sicher).

    In den USA hat es in den letzten 20+ Jahren bereits eine längere Umkehr in der Breite gegeben. Besonders in den Letzten 10 Jahren (und nimmt immer mehr Fahrt auf).
    Zum Beispiel gab es 1994 noch keine 2000 sogenannte „Farmers Marktes“ (Bauernmärkte), so waren es 2016 schon mehr als 9600. Tendenz steigend und auf hohem Niveau anhaltend.

    Das gleiche gilt für kleinere (sog. Tante Emma) bis mittlere Läden (also in der Größe von etwa den ehem. Schlecker Märkten). Ein großer Bereich davon sind natürlich Bio Läden & Märkte, also „Organic Food Stores & Markets“. Auch gibt es (wieder) immer mehr Bäckereien, Metzger, Fachhändler etc.

    Ich lebte in den 70ziger und 80ziger Jahren in den USA. Das war gleichzeitig die hoch zeit in der fast alle kleinen Geschäfte gnadenlos platt gemacht wurden und es fast nur noch die riesigen „Shopping Malls“ (Einkaufszentren) an den Außenbezirken der Städte gab.
    Folge war, das die Innenstädte verödeten und regelrecht ausbluteten – weitere Folgen waren steigende Kriminalität und Verwahrlosung der Stadtkerne UND der Ausbau von immer mehr „Suburbs“ und schlussendlich immer mehr hermetisch abgeriegelte „Gated communities“.

    Ich gehe davon aus das diese Art Läden, hier Amazon, nach dem Hype, nur eine sehr geringe Akzeptanz in der Breite finden werden.

    Folgend ein Link zu einem (artverwandten) Bericht darüber dass das „Moderne“ nicht unbedingt immer tobenden Beifall finden muss – so gar nicht eigentlich:

    „Shop-Roboter kam im Supermarkt nicht gut an“

    https://www.heise.de/tp/features/Shop-Roboter-kam-im-Supermarkt-nicht-gut-an-3948674.html

    Gefällt mir

    • Ich finde das gut wenn keiner mehr an der Kasse sitzt, weil ich dann nicht warten muss. Man fragt doch höchstens wo was steht im Supermarkt, ansonsten kann ich auf den Kundensupport dort auch verzichten.
      Bzgl. der kleinen Geschäfte mit Service, auch Fachgeschäfte genannt, sieht es momentan eher düster aus.
      Als Kunde holt man sich dort die Beratungsleistung kostenlos ab, und bestellt dann im Internet billiger. Damit muss das Fachgeschäft die Preise weiter anheben um den Service erbringen zu können, und wird damit dann noch unattraktiver gegenüber dem Versandhandel.
      Verwahrlosung der Stadtkerne würde ich erstmal nicht sehen in Deutschland wenn die Läden da rausgetrieben werden, eher bezahlbaren Wohnraum und mehr Bars und Kneipen.

      Gefällt mir


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s