Starship Troopers: Die guten und die bösen Nazis

Der Guardian hat ein längst überfälliges Interview mit dem Regisseur Paul Ver­hoeven, in dem der 1938 geborene und ’85 in die USA umgezogene Nieder­länder klarstellt, was der kontroverse Hard-SF-Streifen von 1997 tatsächlich sagt. Nämlich ganz simpel, dass blinder Militarismus und Fremdenhass immer faschistische Züge trägt. Auch und gerade, wenn es dabei um „unsere Jungs“ geht, die für „die gute Sache“ kämpfen.

Um das unmissverständlich klar zu machen, verwendete Verhoeven ganze nach­gestellte Szenen aus Original-Leni-Riefenstahl Nazipropaandafilmen, liess seine Geheimdienstoffiziere in Original-SS-Uniformen auftreten und gab dem föderalen Weltraummilitär ein Logo, dass jeden Betrachter an das Hakenkreuz erinnerte. Hauptfigur wurde ein besonders blonder und blauäugiger Schauspieler, die ganze Story so holzschnitthaft simplifizierend wie nur möglich gebaut. Damit es auch jeder sehen kann, wohin Militarismus führt. Was auch prompt zu einem nationalistischen Aufschrei in den USA und entsprechend schlechten Umsätzen an der Kinokasse führte. Dafür ist es dann eben ein Kult-Klassiker geworden. Die gleichnamige Military-SF-Story von Robert Heinlein, nach dem der Film gedreht wurde, hat Verhoeven übrigens nicht fertig gelesen. Sie sei langweilig, sagt er. Ich glaub ihm das mal. Wer den Film noch nie gesehen hat: Nachholen.

How we made Starship Troopers, pics: hollywood

STARSHIP-SPTI-20.tif

3 Kommentare

  1. „die gute Sache“ kämpfen.“ Und das alles immer und immer wieder mit strahlenden Gesichter und einer lächelnden Gefechtsherrin.

    Da braucht man nicht einmal Nazi zu sein.
    Ob ein guter oder ein schlechter…..

    Aber keine Angst, Fritz, auch wir bekommen die Leviten gelesen und ich hoffe sehr, dass ich das noch mitbekomme.

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  2. Grandioser Film. Hab den sogar im Kino gesehen als er rauskam. Allerdings wundert es mich ein wenig, dass man dazu wirklich eine Erklärung braucht. Ist ja nicht so, als ob sich Verhoeven da nur leisen Andeutungen bedient hätte^^

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  3. Ich habe diesen Film ohne Kenntnis Verhoevens oder Heinleins gesehen. Das er Faschismus und Militarismus satirisch verarbeiten soll, ist mir entgangen. Das er nicht deutlich genug das Böse (Militarismus und Faschismus) deklassiert hab´ich auch nicht erkannt. Vermutlich muss man entweder stets und ständig danach schauen, ob ein Film auch politisch korrekt ist oder aber dem Faschismus zugeneigt sein. Leider bin ich nur ein Science Fiction Fan. Mir fielen auf: Gemeinsame Duschen, ohne Genderprobleme, eine geeinte Welt und expansive Arachnoiden, welche die Menschheit vernichten wollen. Vermutlich sieht jeder, was er sehen will.
    Ich musste schon einiges über Heinlein und Verhoeven nachlesen und vor allem die deutschen Kritiken verinnerlichen um wieder politisch korrekt auf Linie zu sein zu können.

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