Altered Carbon: Die Langeweile der Unsterblichkeit

Der Trailer war aufregend und die Aussicht auf eine neue Cyberpunk-Serie eben­falls. Altered Carbon sieht definitiv gut aus, auch wenn einem nach ein paar Folgen auffällt, dass alle Szenen in einer von fünf Einstellungen gedreht wurden (fast). Das Drehbuch vom hartgesottenen Privatdetektiv, der aus der Tiefkühlbox für Staats­feinde in einen gerade leeren Polizistenkörper heruntergeladen wird, um einen kniffligen Fall für einen der dystopische Superreichen zu lösen, lässt allerdings verblüffend viele Lücken.

War es Mord oder Selbstmord, welche Rolle spielte die Kindheit des Helden, was wird aus dem Love Interest mit der temperamentvollen Kollegin im Angesicht der übermächtigen Erinnerungen aus einem früheren Leben in einem anderen Körper, muss das Blut unbedingt wie mehrere Eimer von Holundersirup unter der Tür durch­fliessen, ist explizite, wiederholte Gewaltdarstellung und -beschreibung wirklich unverzichtbar und warum hangelt sich das Drehbuch überhaupt von einem Klischee zur nächsten Plattitüde? Die Cyber-Noir-Serie ist wirklich und ohne Diskussions­bedarf hübsch anzuschauen, aber die Story ist unerträglich flach, die Charaktere überzeichnet, klischeeüberladen und ohne jede Entwicklung und im Ganzen nicht mehr wert als eineinhalb von fünf möglichen gelben Zwergsternen. Im Bild oben zu sehen: Der Hauptdarsteller mit dem wahrscheinlich aus Kostengründen einzigen in 10 Folgen gezeigten Gesichtsausdruck. Unten die weibliche Hauptrolle in einem seltenen Moment ohne Wutausbruch, darunter die einzig wirklich menschlich wirkende Figur des Hotel-Concierge, eine K.I. mit integrierter Charakterentwicklung. Die beiden letzteren würde ich gerne wieder in einer anderen Produktion sehen. Ansonsten schade um die vertane Chance.

2 Kommentare

  1. auch hier gilt nur:

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  2. Gegen Ende der Staffel hatte ich so etwas das Gefühl, dass ein oder zwei Episoden mehr, der Sache gut getan hätten. Da wurde etwas zu sehr auf „schnell zu Ende kommen“ gedrückt.
    Ansonsten wurde ich schon deutlich schlechter unterhalten. Sicher kein neuer Bladerunner oder 2001, aber auch keine verlorene Zeit. Aber ich bin da nicht so pingelig.

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