New York Met: Eintritt je nach Einkommen

Das New York Metropolitan Museum of Art hat nach Jahrzehnten den Eintritt für Nicht-New-Yorker (das Museum wird grösstenteils von der Stadt finanziert) von „Bezahl-Was-Du-Willst“ auf „Bezahl-Je-Nach-Deinem-Einkommen“ umgestellt. Ein durchschnittlicher Angestellter soll jetzt pro Besuch 15 USD ausgeben, ein sehr gut verdienender Anwalt bereits 35. Interessante Idee, nicht wahr?

Grundsätzlich mal ist die Finanzierung von Kultureinrichtungen, so wie hier das Kunstmuseum, eine öffentliche Aufgabe. Wenn das nicht reicht, muss der Eintritt etwas kosten. Keine Frage: Sehr reiche Leute könnten sehr viel mehr, nur wohlhabende immernoch deutlich mehr als Geringverdienende bezahlen. Nur: Soll das jede Einrichtung selbst in die Hand nehmen? Sollen wirklich Parktickets, Museumsbesuche, Krankenhausaufenthalte, Abwasseranschlüsse für Reiche mehr kosten? Oder erinnern wir uns daran, dass es dieses Ausgleichmodell ja eigentlich schon sehr lange gibt: Steuern. Diese werden grundsätzlich in Abhängigkeit vom Einkommen erhoben, nur zu einem sehr geringen Teil vom Besitz. Dazu kommen Verbrauchssteuern (so wie die Mehrwertsteuer), die für Geringerverdiener einen massiven Steueranteil ausmacht, weil sie ja ihr Einkommen immer sofort verbrauchen, für Lebensmittel, Kleidung, Energie, Wohnen. Am anderen Ende der Skala dagegen gibt es zahlreiche „Steuersparmöglichkeiten“, die dazu führen, dass sehr reiche Menschen proportional nicht mehr von ihrem Einkommen an die Öffentlichkeit abführen als Geringverdiener. Daher die Idee mit dem gestaffelten Museums-Eintritt. Nur: Warum nicht das eigentlich vorhandene Regulativ nutzen und die Steuerlast gerechter verteilen? Weil die Steuergesetze von der Regierung ausgearbeitet und vom Parlament beschlossen werden. Und wenn diese nicht für mehr Steuergerechtigkeit sorgen, müssen Museen kreativ werden. Und alle anderen. Was können wir da tun? Eine andere Regierung wählen. Eine, die für mehr wirtschaftlichen Ausgleich sorgt, und für eine Ende der Steuerflucht. Dazu müssten wir allerdings mehrheitlich erkennnen, dass wir alle (ausser den sehr Reichen) zu den Verlierern des gegenwärtigen Systems gehören, und dass es mit uns wirtschaftlich immer weiter langsam abwärts gehen wird. Aber weil die wenigsten sich als Verlierer, als machtlos und auf die Hilfe der Allgemeinheit angewiesen sehen wollen, wird das in naher Zukunft wohl nichts. Ok, dann dauert das eben noch. Kein Grund, aufzugeben, nicht wahr? fastcompany, pic Kai Pilger cc by sa

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