Urbane Gewalt und ihre Ursachen

Obwohl in alle Industrieländern die Kriminalität in allen Bereichen Jahr für Jahr langsam zurückgeht, nimmt die gefühlte Bedrohung eher zu. Auch hierzulande zittern brave Bürger vor den gefühlt direkt bevorstehenden Ausschreitungen südländisch aussehender Jugendlicher. Aber, gefühlt oder nicht, woher rührt denn die urbane Gewalt, gegen Sachen und Menschen? Gibt es dazu Erkenntnisse?

Ja, die USA haben eine hochrangig besetzte Kommission aufgestellt, um den „Report of the National Advisory Commission on Civil Disorders“ oder „Kerner Report“ zu erhalten. Dieser beschreibt in deutlichen Worten, woher Gewalt kommt: Aus der sozialen (wirtschaftlichen) Ungleichheit und dem Rassismus. Der Kerner Report, das ist besonders bitter, wurde 1968, also vor 50 Jahren geschrieben. Und zunächst nicht veröffentlich, weil dem Vorsitzenden und Namensgeber Otto Kerner das Ergebnis nicht passte. Alle 120 am Projekt beteiligten Wissenschaftler wurden gefeuert. Die ganzen gescannten Report-Seiten lassen sich hier als PDF nachlesen. via kottke, das pic vom G20 ist cc by sa von Montecruz Foto.

12 Kommentare

  1. Ich bin dafür, zwischen Südländern (Griechen, Italiener und Spanier), und Türken und Arabern zu unterscheiden. Vor der ersten Gruppe zittert eigentlich niemand.
    Dass die Kriminalität zurückgeht kann man sich so hindefinieren, dass die Gewalt abnimmt ist ein Märchen.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mordrate-in-london-uebertrifft-new-york-a-1200904.html

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  2. Die meisten Deutschen fällt beim Stichwort urbane Gewalt wahrscheinlich Vergewaltigung und vor die U-Bahn schubsen ein.
    Beide Deliktkategorien mit sozialer Ungleichheit oder Rassismus erklären zu wollen funktioniert nicht, weswegen ich die Studie auch wegwerfen würde.

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    • Sehr lustig, die Studie ist also zum Wegwerfen, weil sie die Angst vor Vergewaltigung und Ubahnen nicht adressiert, aber Gewalt nimmt in London zu, deswegen stimmen unsere Zahlen nicht. Woa.

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      • Die Studie ist 50 Jahre alt und aus den USA. Hat also ohnehin keine Tragweite fürs hier und jetzt. Schon dein erster Satz ist einfach falsch, wie so vieles in deinem Weltbild. „Obwohl in alle Industrieländern die Kriminalität in allen Bereichen Jahr für Jahr langsam zurückgeht…“ WRONG!!!
        ANGESTIEGEN sind die Fallzahlen bei Straftaten … gegen das Waffengesetz (+14,8 Prozent auf 34.443 Fälle), Tötungsdelikte (+14,3 Prozent auf 2.418 Fälle), Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (+12,8 Prozent auf 7.919 Fälle), gefährliche und schwere Körperverletzung (+9,9 Prozent auf 140.033 Fälle).
        https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2017/04/pks-und-pmk-2016.html

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        • Ein Anstieg von 10 bis 15% bei den Gewaltdelikten ist Wahnsinn, und das ist der bundesweite Vergleich. Ich würde die Zahlen gerne noch im Vergleich ländlicher Raum vs. Ballungsgebiete sehen. Wahrscheinlich sieht das für einige Großstädte isoliert betrachtet noch viel fieser aus.

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          • Also, was? Geht die Gewalt jetzt rauf oder runter? Mit oder ohne politischer Motivation (a.k.a Rassismus)? Und was ist mit den Ubahnen?

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          • Sie geht offensichtlich rauf in Deutschland, es ist nur nicht klar wo. Ob überall, hauptsächlich im Osten, oder nur in Ballungsräumen.

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  3. Wir hatten erst gestern darüber diskutiert. Dabei ist mit aufgefallen, dass weniger die Gewalt zugenommen hat. Geprügelt haben wir uns damals auch. Meines Erachtens ist eher ein deutlicher Rückgang der Empathie zu verzeichnen. Will heißen: Früher hatte man gewonnen, wenn der andere am Boden lag, heute wird dann noch ins Koma oder in den Tod getreten.
    Keine Ahnung, ob das mit meinem Alter zu tun hat, in dem man ja die Vergangenheit gerne mal verklärt, oder mit den Medien, über die man einfach viel häufiger davon erfährt. Ich bilde mir allerdings ein, dass amoklaufende Messerstecher, mit Sprintern in Menschenmengefahrer und Leute, die mit fremden Kindern vor Züge springen vor 30-40 Jahren zumindest nicht so an der Tagesordnung waren.
    Irre ich mich da, oder seht ihr das auch ähnlich?

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  4. Ich glaube, wir sind uns einig, dass vor 30-40 Jahren keinerlei Internet anwesend war und wir damals die Zeitungen und öffentlichen Medien langweilig fanden. Was abgenommen hat, sind die Kriminalfall-Zahlen. Ich denke auch nicht, dass es heute mehr psychische Defekte gibt als in der Nachkriegsgeneration, die noch mehr vom kollektiven Traum zu verarbeiten hatte als ihre Nachfolger. Was allerdings zugenommen hat, ist die Transparenz und Nachprüfbarkeit, d.h., wir können „offizielle Versionen“ leichter in Frage stellen.

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