Autoritäre und der Krieg gegen Frauen

Der aktuelle, herbeigeredete Rechtsrutsch (die Prozentzahlen innerhalb der Be­völkerung haben sich nicht verändert, nur der Anstand hat nachgelassen) betrifft ja nicht nur, wie oft behauptet, den virtuellen „Ausländer“, die ungreifbare Bedrohung mit südländischem Teint, den Flüchtling als postulierte materielle Gefahr, sondern alle Bevölkerungsteile, die einer vollständigen, unbeschrankten Herrschaft ent­gegenstehen. Nicht von ungefähr sind Überlegenheitsfanatiker vorwiegend gut situierte, wirtschaftlich gefestigte, weisse Männer mittleren und gehobenen Alters. Hier geht es also gar nicht um wirtschaftliche Probleme, sondern um die privilegierte Identität. Um Macht.

Die natürlich auch für weniger Privilegierte (also uns alle) verlockend duftet, weil sie uns ja einen Aufstieg in die Sphäre der Macht und der Privilegien verspricht. Während in allen Industrie (oder Post-Industrie) -ländern die massive Mehrheit der Bewohner allgemein vom Prinzip der Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit überzeugt ist und unverändert damit einverstanden bleibt, dass es allen irgendwie gut gehen soll und keiner bitte Stress macht, wird von einer vergleichsweise kleinen Gruppe, den fundamentalistischen Verteidigern alter Privilegien, ein unaufhörlicher Propagandalärm erzeugt, der natürlich auf unsichere Menschen Wirkung ausübt.

Beinahe amüsant ist in diesem Zusammenhang, dass nachgewiesenermassen heutige Superprivilegierte, Milliardäre und Unternehmensbesitzer aus Dynastien stammen, die schon vor 500 oder mehr Jahren eine Machtelite bildeten. Die Aristokratie, gegen deren Ungleichheitsanstrengungen einmal die Demokratie aufgestellt wurde, bemüht sich damals wie heute um Spaltung der Gesellschaft. Durchaus nicht ohne Erfolg. So richtig gespalten und damit mühelos beherrschbar wird die Bevölkerung eines Landes oder der Welt aber erst dann, wenn man es schafft, die Hälfte der Menschen ihrer Rechte zu berauben und alles, was ihnen daraufhin zustösst, als strafwürdiges, mit Schmerzen aufzuwiegendes Vergehen darzustellen: Frauen. Erst wenn Frauen wieder den Rang von Gesetzlosen haben, wie es in frühen barbarischen (nicht allen) Gesellschaften der Fall war, ist die Macht der Aristokraten, Oligarchen, Warlords oder Milliardäre völlig zementiert.

Ein unschönes aktuelles Beispiel ist der Umgang autoritärer US-Behörden mit Frauen mit oder ohne Staatsbürgerschaft. Familien werden ungeachtet des Legalitätsstatus getrennt, Schwangere in Lager gesteckt, wo die Zahl der Fehl­geburten noch weit höher liegt als in den bereits medizinisch unterversorgten restlichen USA, Schwangerschaftsabbrüche kategorisch verweigert. Das ist das Ergebnis eines schleichendes Putsches gegen die Demokratie, gegen den wir uns hierzulande und im alten Europa noch wehren können. Wir müssen nicht hin­nehmen, dass die Aristokratendynastien sich ihre feudale Macht in vollem Umfang zurückholen. Indem wir ihre Machtgewinne bekämpfen und darauf bestehen, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Nicht nur: auch Ausländer und: auch Arbeiter, sondern: auch Frauen. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, dem Pro­pa­gan­da­lärm zuzuhören. slate Bild oben: John Lennon und Yoko Ono schrieben 1972 den Song „Woman is the nigger of the world“, der das Problem ebenfalls gut beleuchtet.

22 Kommentare

  1. Wie entsteht so ein feministischer Blogpost eigentlich?
    Geht dem ein Gespräch mit einer Frau vorraus, ein amerikamischer Artikel gleichen inhalts oder schießt es dir einfach in den Kopf?

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    • 1) Die Quelle/Anregung ist verlinkt und 2) ich war vorher schon Feminist. Jede Ungleichheit um mich herum bedeutet eine Einschränkung meiner Freiheit, ich nehme das nicht hin.

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      • Und was ist mit Ungleichheit gegenüber Männern? Muss man das überhaupt noch so stark unterschieden?

        Ich komme sehr gut mit den Inhalten, Forderungen und Haltungen des Femminismus klar, aber finde es oft zu einseitig. Es fühlt sich immer wie gegen etwas an.
        Klar, ich hasse die gemeinten weißen alten Männer, aber ich werde zwangsweise auch einer….

        Wieso braucht es Feminismus, wenn mensch Humanist*in sein kann???

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        • Dann sei Humanist, aber ich mag trotzdem keine Diskriminierung. Und wir haben in Deutschland immer noch ein Sexismusproblem. Die von dir angesprochene Ungleichheit Männern gegenüber, also das einengende Rollenklischee, kann von uns Männern genauso reduziert werden wie der Sexismus, nämlich durch Nichtausübung.

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          • Leider, leider …

            …spielt hier die Kirche eine zentrale Rolle. Mindestens alle auf Abraham zurückgehenden monotheistischen Ideologien nähren seit Langem das Genderproblem. Wieso benennt das eigentlich nur der Humanismus so deutlich? Traut sich sonst keiner?

            *grübel*

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  2. Richtig erkannt, dass „gut situierte, wirtschaftlich gefestigte, weisse Männer mittleren und gehobenen Alters“, aka die Leistungsträger der Gesellschaft, keine Lust mehr darauf haben, die Zukunft dieses Landes jeden Tag weiter schwinden zu sehen.
    Der Westen war kurz davor, den Tod zu überwinden, die körperliche Arbeit zu automatisieren, und das Weltall zu erobern.
    Alles abgesagt, wir integrieren jetzt Muslime, und mit der Bildung und Infrastruktur bewegen wir uns auf deren Standards zu, in Richtung Dritte Welt.

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    • Ich denke, du solltest mal Urlaub machen. Deine Laune wird ja immer noch schlechter. Sag mal, glaubst du diesen Mist von den Leistungsträger und der überlegenen westlichen Zivilisation wirklich oder ist nur wieder mal privat was schiefgelaufen?

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    • Wenn ich mich umgucke und auf die schwer körperlich arbeitenden Menschen gucke kaum Menschen die „gut situierte, wirtschaftlich gefestigte, weisse Männer mittleren und gehobenen Alters“.
      Ich halte den Straßenfeger für einen größeren Leitungsträger als die Person, die bei einer Bank arbeitet.

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      • Das macht Sinn, wird aber von den Rahmabschöpfern in Banken und Konzernen gerne anders dargestellt. Da wird Leistung mit Einkommen gleichgesetzt.

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      • Damit deckt sich eure Wahrnehmung mit der eines dreijährigen Kindes, das sieht die Männer der Müllabfuhr auch als Helden.
        Leistungsträger sind beispielsweise Menschen, die wissen, wie man das Stromnetz so umstrukturiert, dass wir mit erneuerbaren Energien den Bedarf decken können. Nur weil jemand Dinge von A nach B trägt ist er nicht unbedingt ein Leistungsträger, egal wie schwer die Dinge sind die er schleppt.

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        • Meinst Du, wir brauchen keine Müllabfuhr? Oder hab ich Dich da mißverstanden?

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          • Doch klar brauchen wir die Müllabfuhr, nur ist die einzige Leistung der Menschen dort, billiger als die entsprechende Maschine zu sein, die den Job vollautomatisiert macht. Ist mit Putzfrauen ähnlich. Klar leisten die auch was, aber eben nicht viel, weil wir diese Tätigkeiten alle schon längst hätten automatisieren können.
            Das wird nur nicht gemacht, weil die Menschen momentan noch günstiger zu haben sind als die entsprechenden Automaten.

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      • Ohne die „weissen Männer mittleren und gehobenen Alters“ hättest Du jetzt keinen Verbrennungsmotor, keine Netzwerkverbindung, keine Grafikkarte und könntest das alles hier nicht publizieren. Es gäbe dann auch keinen Sozialstaat, und keine Krankenversicherung, die hat nämlich Otto von Bismarck eingeführt. Aber klar, einmal alle bitte: Ein hoch auf unseren Busfahrer, Busfahrer..

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        • Ohne diese Leute hätten wir jetzt keinen Raubbau an der Natur, keine Versklavung, kein Müllproblem etc. ppp. – und der Sozialstaat wird eh gerade abgebaut, siehe z.B. norberthaering.de/de/27-german/news/995-hank-sozialnazis

          Ob das Internet uns wirklich glücklich macht, zweifele ich (als Insider) mal offen an. Für mich sehen die ganzen Smombies eher paralysiert und abhängig aus…

          Gruß

          Thomas

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        • Ic fang schomma an mit den Gegenbeispielen: https://11k2.wordpress.com/2015/07/28/kein-smartphone-ohne-die-schoenste-frau-der-welt/

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  3. Und überhaupt, Feminist und Muslimsympathisant, das passt auch nur in deiner Logik zusammen.

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  4. Ja, ja, das mit dem Feminismus ist genau das selbe wie der Kommunismus in der DDR. Im Glauben den Kommunismus aufzubauen, bauten sie nur Gefängnisse…

    Oder anders gesagt, sie glaubten den Himmel auf die Erde zu holen und gruben sich nur zur Hölle durch.

    Es geht immer um Geld. Die, die am lautesten brüllen, kriegen das meiste Geld. Der Femismus ist das selbe wie der Klimawandel oder früher, der Weltuntergang. Es nur geht darum Angst zu verbreiten, damit man andere besser ausnehmen kann.

    Nihilus

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    • Also, Feminismus, den Kampf für Gleichstellung der Geschlechter, mit „dem Kommunismus der DDR“ gleichzusetzen, ist schon ziemlich albern. Oder mit dem Weltuntergang. Aber unsere Verfassung garantiert dir das Recht, alberne Dinge zu sagen.

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      • Zitat: „….unsere Verfassung garantiert dir das Recht, alberne Dinge zu sagen“

        Was wohl auch besser so ist.

        Hier bist Du ja der Hausherr, das ist Deine Spielwiese. Finde ich aber echt gut, daß Du das tatsächlich umsetzt :)

        Gruß

        Thomas

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        • Du weisst, mir ist Meinungsfreiheit extrem wichtig, und du weisst auch dass diese sogar in diesem Blog ihre Grenzen hat. Das heisst, bei manchen völlig bescheuerten, menschenverachtenden und dummen Kommentaren mach ich mir nicht die Mühe, sie aus dem Spamfilter wieder rauszufischen.

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  5. Ich frag mich nur, wieso meine Beiträge so oft im Filter klebenbleiben, selbst wenn keine Links drin sind (grad schon wieder passiert). Wegen der Länge?

    Ansonsten sind wir beieinander, denke ich zumindest.

    Gruß

    Thomas

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    • Der Spamfilter läuft auf einem US-Server, da kann schon mal was hängen und später kommen. Auch schwierige Wörter (Hatespeech) können dazu führen, dass der Spamfilter aktiv wird, das seh ich aber und kanns ggf korrigieren.

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