Ein Jahrzehnt 11k2: Mit Katzen, gegen Nazis

Alter! Heute vor 10 Jahren hab ich dieses Blog gestartet, so aus einem unerfüllten Ausdrucksbedürfnis nach zehn Jahren als bezahlter Technikjourno. Endlich das sagen (schreiben, posten), was mir am Herzen liegt. Oder am Browser vorbeikommt. Und 8173 Beiträge, 33.484 Kommentare und 4.967.860 Aufrufe später stelle ich fest, dass das Blog noch genau so heisst, einen leicht anderen Inhalt hat, aber die Welt drumherum sich stark verändert hat. Mein eigenes Leben wird heute nicht mehr von der nagenden Unzufriedenheit darüber angetrieben, dass Journalismus alleine die Welt nicht besser machen kann, und die Welt wird nicht mehr davon bestimmt, dass sie einem ein Kaleidoskop von Möglichkeiten zum Bessermachen vor die Nase hält.

Echt, 2018 ist so viel härter und dystopischer als 2008, der Backlash gegen die langsame Entwicklung der Industriegesellschaft zu mehr Gleichheit und persönlicher Freiheit hat inzwischen Ausmasse erreicht, die Blutvergiessen und Tod vieler Benachteiligter zum täglichen Hintergrundgeräusch werden liessen. Bezahlte Nazipropagandisten füllen die Sozialen Netzwerke mit Hass, Diskriminierung und Gewaltaufrufen, festangestellte Landeskriminalbeamte nehmen an verfassungs­ablehnenden Demonstrationen teil und bedrohen, unterstützt von den Kollegen in Uniform, Kamerateams. Menschen sterben auf rätselhafte Weise, weil sie im Dunstkreis von Geheimdienstprozessen als Zeugen in Frage kommen könnten, Menschen sterben zu tausenden, weil sie in löchrigen Booten über das Mittelmeer fliehen wollen, aus einer Heimal, die sie auffressen will. Weil wir, oder eben die Profiteure in den reichen Ländern, in ihrer Heimat Kriege und Wirtschaftskriege führen. Deswegen hat die Katzenbilderdichte hier im Blog auch so abgenommen. Oder die lustigen Internetgeschichten mit Piratenflair. Die fallen mir nicht mehr so spontan ein, nachdem Teile der nicht nachdenkenden Bevölkerung gerade munter eine Partei wählt, die hier eine Diktatur errichten möchten. Ohne Sozialstaat, mit Arbeitslagern. Ohne Kindergeld für Alleinerziehende, mit Sicherheitsverwahrung für Alkohol- oder Drogendauerkonsumenten. Und das alles für eine noch ungehinderter wachsende Profitmarge für die selbsternannte Wirtschaftsaristokratie. Die auf uns kleine Leute, also alle, die so Scheisse sind, dass sie arbeiten müssen, um leben zu können, hinabschaut wie auf kleine Krümel Dreck auf der Strasse. Ich hab diesen Klassenkampf satt. Aber was solls, er tobt bereits, die führen den gegen uns, und auch wenn manche von uns 99% (eigentlich 99,999 %) glauben, als Kollaborateure einen besseren Schnitt zu machen, werden wir (die 99,irgendwas) nur überleben, wenn wir uns wehren. Wenn nicht, wird der Kapitalismus noch totalitärer, als das Dritte Reich sich überhaupt vorstellen konnte. Dagegen war meine eigene Krankheitsgeschichte der letzten vier Jahre ja pillepalle. So ein paar Augen­operationen mit Spritzen direkt unter und ins Auge sind Kinderkram, auch die nächste, kommende OP wird ein Klacks, wenn sie mir das Auge nochmal ein klein wenig aufschneiden und dann mit einem chirurgischen Schnorchel überflüssiges Gewebe von der Innenseite der Linse absaugen. Ich hoffe nur, dass dabei die Anästhesie gut wirkt. Sonst muss ich euch das auch noch in allen Einzelheiten schildern. Wollt ihr das? Oder können wir uns für die nächsten 10 Jahre auch andere Themen ankucken? Auf jeden Fall: Prost!

Das nette, ganz leicht industrial-romantisch umkränzte WP-Logo oben hat mir heute meine fave Blogplattform geschickt. Danke, Matt, danke alle bei Automattic und WordPress.

4 Kommentare

  1. wäre besser gewesen, wenn du Technikjourno genlieben wärst. Den Linken schadest du nur.

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    • Ah ja, Und du bist einer von den schlecht bezahlten Nazitrollen?

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  2. Happy Birthday!
    Mir gefällt’s hier immer noch seit ich vom Bootsektor mit rübergekommen bin :)

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  3. Happy Birthday Lieblingsblog!

    Der Wechsel von Piraten zu Linken und dieser nervige Feminismus ist wirklich eine Wende. Ich bleib aber treuer Leser. Ich habe so viele Sachen durch dich im Netz entdeckt (was weiß ich gar nicht).
    Das es politischer wurde stört mich nicht, da ich kein Kollaboratuer bin und darunter leide. Aber so negativ sehe ich die Entwicklung der letzten 10 Jahre nicht.
    Wobei… das Internet ist kleiner und restriktiver geworden.
    Katzenbilder bitte! Ich brauch das!!!!

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