Warum Windows verboten werden sollte

Alle paar Jahre muss so ein PC neu installiert werden, finde ich. Entweder, weil die Hardware erneuert wurde (bei mir letztesmal vor 2 Jahren), oder weil, wie neulich, irgendeine Installation einen Legacy-Treiber im Windows auf meiner Game-Partition zerschossen hat. Der sich auch nicht reparieren liess. Na gut, dann eben tschüss unlizenziertes Windows 7 (kann man immer noch bei Microsoft runterladen und unregistriert benutzen) und her mit einem Windows 8.1 per Ebay. Nein, kein Windows 10. Das ist mir zu neugierig und selbstherrlich. Selbst wenn du alle Schnüffelaktionen ausschaltest, gehen trotzdem Infos von deinem Rechner zum Todesstern nach Redmond, WA, und das nächste Update stellt wieder Edge als Standard-Browser ein. Nein danke, so unverschämt ist nicht mal Apple.

Aber 8.1 wird noch bis ’23 unterstützt, und in 5 Jahren kann viel passieren. Vielleicht ist Steam OS dann soweit, vielleicht hat die globale Erwärmung uns bis dahin alle umgebracht. Und weil ich zum Arbeiten incl. Internet, also alles ausser Games, seit 5 Jahren Linux bevorzuge, lege ich (es ist Mittwochnachmittag) neben der Windows 8.1 Original-Disc eine selbst gebrannte Ubuntu 18.04 DVD bereit (mein aktuelles doofes Gigabyte Mainboard kennt keinen USB Boot). Alle Daten liegen auf ins­ge­samt 3 im PC verbauten Festplatten, die ganz wichtigen (Firefox und Thunderbird Profile) auf USB Sticks, die SSD als Dual-Boot-Startvolumen wird im ersten Schritt bei der Windows-Installation neu formatiert und eingerichtet. Weil Windows etwas doofer ist als Linux, sollte man es für ein Dual-Boot-System zuerst installieren. Also los. Bis hierher alles farbenfroh und munter. Erst beim Testinstallieren von Antivirus, Grafiktreiber, Steam, ein Game zum Testen, meldet sich der inzwischen freundlich hellblaue Bluescreen-Of-Immernoch-Death: Mit niedlichem Frownie und einer Kernel Security Check Kaputt Meldung. Also nochmal installieren, und währenddessen am Smartphone in den unzähligen Hilfeforen nachblättern, woran das liegen könnte.

Irgendwann melden sich die Mitternacht und ihre Freundin, die Konzentra­tions­schwäche, was die Sache auf den nächsten Morgen vertagt. Anscheinend gibt es eine knappe Million Gründe für diese Kernel-Fehlermeldung, aber als ich am nächsten Tag (also gestern) weitermache, formt sich in mir der Verdacht, dass es am Grafiktreiber liegen muss. Was sich durch einige weitere Neu-Installationen auch belegen lässt. Stimme aus dem Off: „Das hätte ich dir doch gleich sagen können!“ Janein, weil das Meta-Ergebnis der weltweiten Hilfeforen ist, dass es nicht an einem bestimmten Grafiktreiber liegt, sondern an allen. Egal, welcher Hersteller. Wie kann das sein? Ganz einfach: Es liegt an Windows. Also nochmal neu installieren und dann Updates prüfen: Keine Updates vorhanden. Das kann aber nicht sein, weil Windows 8.1 nicht wirklich letzten Dienstag veröffentlicht wurde, sondern vor 5 Jahren. Also auf den Update-Button hämmern, bis eine Reaktion kommt. In Form aller Updates ever, was sich mit Download, Installation und Neustart bis heute Mittag hinzieht. Dann Grafiktreiber drauf, alles andere dazu: Perfekt. Hätte ich mir ja denken können, oder? Nein. Weil es sonst auch niemand wusste, in diesem Internet.

Nachdem der weniger wichtige Teil meiner Neuinstallation damit abgeschlossen war, schnell die Ubuntu 18.04 DVD eingelegt, neugestartet, einmal auf „Neben dem bestehenden Windows installieren“ geklickt und 10 Minuten später ist Linux vollständig drauf. Mit problemlosen Hin-und-her-booten durch den integrierten grub2-Bootmanager. Jetzt noch die beiden Profilordner für Firefox und Thunderbird aus dem Sicherungsordner jeweils ins Programm kopiert und fertig ist der kombi­nierte Arbeits- und Freizeit PC. Nach 48 Stunden, wovon Linux eine Viertelstunde verbraucht hat. Ok, ich hab in der ganzen Zeit zwei mal unruhig geschlafen, mehr­mals lustlos gegessen, den Sinn des Lebens bezweifelt, unzugängliche Stellen meiner Wohnung geputzt und immer wieder auf irgendwelche Irgendwasse geklickt. Verdict: Windows sollte verboten, oder zumindest per Gerichtsbeschluss zum Funktionieren gezwungen werden. Aber das neue Ubuntu (mit dem ich diesen Beitrag schreibe) sieht grossartig aus. Das kann ich empfehlen.

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3 Kommentare

  1. Alle Produkte von Firmen mit M sind eigentlich unnötig, Microsoft, Monsanto, McDonald, Meika, Milka, Mitsubishi…alle.
    Warum machst eigentlich noch Win? Steam und Wine auf Linux, bis auf Adobe läuft dann doch eigentlich alles.

    Gefällt 1 Person

    • Windows braucht man gelegentlich noch, wenn man proprietäre Geräte über proprietäre Software ansteuern will, für die noch keine Linuxunterstützung existiert. USB-HID in eine WINE-Umgebung einzuschleifen, ist leider noch experimentell, weswegen sogar ich noch eine Windowsinstallation vorhalte (allerdings noch XP). Nutzen tu ich sie alle paar Monate mal, ansonsten bin auch ich seit ca. 10 Jahren auf Ubuntu. „Das Neue“ gefällt mir allerdings nicht (Gnome), Ubuntu-Mate ist hier irgendwie flexibler. Ich selbst nutze XUbuntu.

      Gruß

      Thomas

      Gefällt 1 Person

    • Das Ergebnis von Lobbyisten denn jeder Rechner kann mit Linux ausgestattet sein…. nur gibt es so viele Leute die sich keine Gedanken dazu machen😩

      Gefällt mir


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