Wie und warum der Schlaf der Vernunft Monster gebiert

Glücklicherweise haben wir Wissenschaftlerinnen wie Cornelia Koppetsch, derzeit Professorin für Soziologie (Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung) in Darmstadt, die uns präzise erklären können, was wir nur so ungefähr und mit un­sicherem Bauchgefühl erfassen können. Nämlich dass erst das Entfesseln des Neoliberalismus durch Gesetzesänderungen in den Industriestaaten mit Beginn der 80er den heutigen Rechtspopulismus ausgelöst hat. Durch den Verlust unserer Iden­tität als Bürger einen demokratischen Staats, mit Recht auf Teilhabe und Mit­be­stim­mung. Dieser Verlust ist übrigens für die Bewohner der ehemaligen DDR und mancher anderer Teile des ehemaligen Osteuropa besonders stark, weswegen die Identitätsversprechen der Rechtspopulisten dort besonders gut ankommen. Was ich hier zusammenfasse, ist nur eine sehr, sehr stark vereinfachte Version, ihr müsst den Originalartikal von Frau Koppetsch im Freitag selbst lesen: Der Blick nach unten. pic AJ Nakasone cc0

Google löscht Kurdistan

Von der Weltkarte. Die Karte des von Kurden bewohnten Gebiets, zerschnitten von den Staatsgrenzen der Türkei, Syriens, des Irak und des Iran, war vor Jahren von einem womöglich kurdischen Nutzer von Googles MyMaps erstellt und hochgeladen worden. Jetzt beschwerte sich die türkische Regierung und Google entfernte die Karte unter Hinweis auf eine „Verletzung der Nutzungsvereinbarungen“. Was lernen wir daraus? Google ist ein weiterer Grosskonzern geworden, der jedem Druck eines Diktators nachgibt, wenn dieser finanzielle Folgen androht. Ausser vielleicht, wenn die Mitarbeiter streiken, wie im Fall der geplanten Zensurversion der Suchmaschine für China. Inzwischen sollten wir uns dafür einsetzen, dass Google statt dessen die Türkei von der Weltkarte entfernt, zumindest bis die türkischen Truppen wieder aus Syrien abgezogen worden sind und eine Bedrohung für das Land durch Erdogan vorbei ist. kurdistan24

In 54 Tagen quer durch die Antarkis

Colin O’Brady aus Portland, Oregon, war mit seinem Leben unzufrieden und be­schloss daher, zu Fuss einmal quer durch die Antarktis zu laufen. Jetzt ist er wieder da. Weil hier im Norden grade Wintersonnwende war, ist am Südpol die Sonne Tag und Nacht am Himmel, so dass Colin für die 1500 km Wegstrecke keine Lampe brauchte, sondern nur Schi und einen Schlitten mit allem Überlebensnotwendigem drauf, 170 Kilo schwer. Jetzt ist er wieder zurück, nach 54 Tagen mit bis zu 129 km Wegstrecke. Vor zwei Jahren war sein britischer Kollege Henry Worsley beim selben Rekordversuch ums Leben gekommen. On second thought: Schön, dass jemand die Antarktis durchquert hat, solange sie noch da ist. guardian, pic

Das Internet wird von Maschinen bewohnt

Die Hälfte des gesamten Internettraffic, also alle Klicks und Aufrufe, ist nicht erst seit diesem Jahr nicht von Menschen verursacht. Sondern von Maschinen, oder Bots, oder kleinen Programmen, die so tun, als wären sie Menschen, die etwas ansehen, auf etwas klicken oder auch etwas kommentieren. Das verzerrt nicht nur unsere Weltwirtschaft, allem voran die Werbe- und Medienindustrie, sondern auch unsere Demokratie. Welche Reaktion ist noch echt, welche Meinungsäusserung stammt von einem Programm? Die Horrorvorstellung von Skynet und Wintermute, künstliche Intelligenzen, die im Hintergrund alle Fäden ziehen, ist heute schon Realität. Mit dem einen Unterschied, dass die Maschinenwelt nicht intelligent, sondern strohdumm ist, und nicht mehr auf Umweltreize reagieren können als einzelligen Algen. Wir wissen trotzdem nicht, wohin das alles führen wird, Nur, dass sich derzeit niemand um die Situation kümmert ausser einer Handvoll Securityspezialisten. Und die allein werden die Welt nicht retten können, vor den einzelligen Nichtpersonen des Netzzeitalters. intelligencer, nytimes, das bild ist aus dem film i, robot, 20th C Fox

Passende Hexenhüte für die Zeit nach Mutternacht

In einer Woche ist Mittwinter (Mutternacht), dann werden die Tage wieder länger und das Leben kehrt zaghaft in die vom Kapitalismus verwüstete Welt zurück. Damit die urbane Hexentätigkeit passende Impulse erhält, fertigt Kate (pic oben) aus Lexing­ton, Kentucky dazu Hüte aus weichem, farblich abgestimmtem Filz. In ihrem Etsy Shop gibts die für 2-400 USD. „Passende Hexenhüte für die Zeit nach Mutternacht“ weiterlesen

Ist Korruption staatstragend?

Wir haben schon gehört, dass ausgefeilte Steuertricks in den letzten Jahren 55 Milliarden Steuerrückzahlungen erzeugt haben. Für Steuern, die nie bezahlt wurden, also 100 % Gewinn. Davon 32 Mrd. in Deutschland. Zum Vergleich: Das ist ungefähr der Jahrestat der Bundeswehr oder der Bundesanstalt für Arbeit. Das alles wurde von einer internationalen Reportagezusammenarbeit (38 Reporter aus 12 Ländern) unter der Koordination von Correktiv herausgefunden. Auf die zahlreichen Talkshows zum Thema warten wir noch. Auf die fieberhafte Aktivität der zuständigen Strafverfolgungsbehörden ebenfalls. Obwohl. Jetzt wurden Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Hamburg aufgenommen. Allerdings nicht gegen Steuerbetrüger, sondern gegen Oliver Schröm, den Chefredakteur von Correctiv. Wegen „Anstiftung zum Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen” nach §17 UWG (Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb) und auf Anzeige durch die an den Cum-Ex-Geschäften beteiligten Schweizer Bank Sarasin. Ist Korruption staatstragend?

Elektronische Geschenke ohne fiese Überwachung

Das Jahresendkonsumrauschfest (strukturkonservativ: Weihnachten) kann kommen. Welche potentiellen Geschenke aus dem Elektronikfachhandel nämlich nicht so hacker- und überwachungsfreundlich sind, sondern tendenziell eher auf der Seite der Konsumenten (wertkonservativ: wir) ausgepackt werden, hat Firefox-Entwickler Mozilla für uns getestet. Manche Gadgets und Stromspielsachen lassen uns nämlich in Ruhe (was sie auch sollen), andere plappern alles an ihre Hersteller weiter, oder sind so schlecht gesichert, dass chinesische Scriptkiddies unsere Daten fest­plat­ten­weise auf den örtlichen Flohmarkt schleppen könnten. Zu den guten Spielsachen gehören die Nintendo Switch (siehe Pic), die Sony PS4, Philips Hue LEDs-Lichter, das Apple iPad (aber nicht die AirPod Earplugs), die meisten Fitbit-Produkte. Mehr im Babadook-Lager finden sich Toys wie die Nest Security Kameras, das Amazon Fire Tablet und billige Drohnen wie DJI Spark, Parrot Bebop 2, Sky Viper Journey. Sowas vermeidet man besser. Die ganze, übersichtliche Liste ist hier: privacynotincluded

Schöne neue Taxi-Welt, ohne Jobs

Früher haben wir gerne Witze gemacht und Geisteswissenschaften als Taxi­fahrer­studium gedisst. Nicht mehr lange. Im Video oben sehen wir ein selbstfahrendes Waymo-Taxi, aus dem Google (bzw Alphabet) Konzern, in dem man fröhlich, unbe­schwert und billiger als bisher (weil kein Fahrer bezahlt werden muss) ans Ziel kommt. Und alle Einnahmen gehen an einen einzigen Konzern. Oder zwei, oder drei. Es gibt in Deutschland derzeit rund 60.000 Taxis, die in Schichten fahren und deswegen bis zu 300.000 Arbeitsplätze für Menschen mit überschaubar praxisnaher Berufsausbildung bereitstellen können. Diese Arbeitsplätze fallen dann weg, ebenso wie die zusätzlichen in der Taxizentrale am Telefon, und die in der Buchhaltung in mittelständischen Taxibetrieben. Also locker eine halbe Million, die in 10 Jahren auf ein Grundeinkommen angewiesen sein wird. Schöne neue Welt, was?

Was die Gelben Westen wirklich fordern

Während die hiesigen Leitmedien Bilder der Zerstörung und Gewalt aus Paris zeigen, ahmen hier versprengte Pegida-Reste den Gelbwesten-Protest unter ihren eigenen menschenfeindlichen Selbstmitleidsparolen in erbärmlich kleinen Zebra­streifen-Aktionen nach. Aber was wollen die ‚gilets jaunes‘ wirklich? Hier sind die 42 Forderungen, die sie an Präsident Macron gestellt haben:

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