In die Tiefe

Langfristige Projekte ftw. Heute: Ich überleg mir seit 3 Jahren, wieder Musik zu machen. Meine letzte Band wird nicht mehr, meine vorletzte, buchstäblich in einem anderen Jahrtausend tourende schon gar nicht. Dann was neues, etwas, das meine persönliche Entwicklung vom Postpunk zum Doomgaze fortsetzt. Aber was dann? Solarstrom-Industrial? Eigentlich führte mich meine musikalische Entwicklung weg von der Melodie und immer mehr zum Groove. Schon in den 80ern sah ich mich selbst mehr als Rhythmusgitarrist (hat man aber nicht so gehört), in den 10ern dagegen war bereits alles nur noch Loop und Feedback, und alles unter 50 bpm. Also führt mich der Weg in die Tiefe, den Segen der Älteren Götter (die, deren Namen man nicht nennen darf) vorausgesetzt.

Seit Jahresanfang denke ich folgerichtig darüber nach, in Zukunft Bass zu spielen. Aber welchen, und wie? Nach wie vor ist das wichtigste Kriterium in der zeitgenössischen Musik nicht Harmonie oder Komposition, sondern Attitude. Also muss es ein fenderartiger, Retrocharme ausstrahlender werden. Der Jazzbass hat, bei aller Nierentischnostalgie, leider nur Single-Coil-Pickups, und brummt deshalb bei jeder Gelegenheit. Also fällt der suchende Blick auf den Precision Bass, den knurrigen, alten, humbuckergestärkten Dieselpunk-Tieftöner. Und einen passenden Amp dazu, mit einem voluminös klingenden 15er-Speaker (38cm), oder auch nur ein Top (auf meinem Wohnzimmerregal liegt noch mindestens ein 15er und eine Box ist schnell gebaut).

Nach Wochen, wenn nicht Monaten geduldigen Belauerns der Second-Hand-Portale fiel mir in der benachbarten Millionenstadt für vertretbare 57 Euro ein Harley-Benton HB-160B in die Hände, ein etwas klobiger, teppichbezogener Combo mit einem dicken Celestionspeaker und völlig ausreichenden 100 Watt. Und kurze Zeit später, in den waldumkränzten, gehobenen Reihenhausvororten meiner geliebten Heimatstadt, eine Precision-Kopie der weniger bekannten koreanischen Marke Career, in eher mässigem Zustand mit zahlreichen Lackdellen und ohne Potiknöpfe, für ebenfalls budgetfreundliche 50 Schleifen (ich musste etwas handeln). Für neue Potis, Knöpfe, einen extra langen Gurt, einen Gigbag, Picks und Kram waren nochmal 46 Eurelien beim grössten planetaren Musikversender fällig, das Einbauen und Neuverlöten der Potis, Aufziehen neuer Saiten und Einstellen der Bridge begnügte sich mit rund 2 Stunden. Jetzt kann ich mir eine neue Band und neue Horizonte suchen. Cthulhu sei uns allen gnädig.

Alle pics von mir, cc by sa

1 Kommentar

  1. Happy slapping! :o)

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