Warum ist Beirut wirklich explodiert?

Am Spätnachmittag des 4. August 2020 explodierten im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut bis zu 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, töteten über 200 Menschen, verletzten über 6000 und verwüsteten die Stadt. Eine Viertelmillion Einwohner sind jetzt obdachlos. Wie das internationale, von Aussen- und Entwicklungshilfeministerien sowie Stiftungen finanzierte Recherchenetzwerk „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) jetzt berichtet, steht hinter der Katastrophe ein Dickicht aus Waffenschmuggel, Briefkastenfirmen und gefälschten Schiffspapieren.

Das Ammoniumnitrat stammte aus dem Schwarzmeer-Anrainerstaat Georgien und wurde mit dem in Moldawien eingetragenen, aber kaum seetüchtigen Frachter Rhosus im Besitz russischstämmiger Schiffsagenten in Zypern Richtung Mozambique ge­steu­ert, von wo aus Waffenfabriken im Besitz der alten portugiesischen Kolonialelite Sprengstoff an Terroristengruppen liefern. Das Schiff legte auf dem Weg Richtung Suezkanal im September 2013 in Beirut an, um dort zusätzliche Ladung auf­zu­nehmen. Allerdings drohten die dafür vorgesehen LKWs das verrostete Deck zu durchbrechen, so dass die Beladung unterbrochen wurde. Die nachfolgende Kontrolle durch die Hafenbehörden ermittelte, dass das Schiff für unbeglichene Millionenkredite verpfändet war, so dass ein Auslaufen unterbunden wurde. Der Frachter lag 10 Monate lang im Hafen, die Besatzung erhielt weder Löhne noch Versorgung, bis die Hafenverwaltung das Schiff entladen und in ruhiges Wasser hinter einem Wellenbrecher schleppen liess, wo es wenig später unterging. Für die explosive Ladung interessierten sich weder Käufer noch Reeder, nicht einmal die libanesische Armee wollte die Ware schlechter Qualität übernehmen. Anonymen Hinweisen aus Geheimdienstkreisen zufolge hatte Beirut Glück im Unglück, weil die Ladung bis zum Zeitpunkt der Explosion bereits teilweise gestohlen worden war. Die Geschichte ist weit komplizierter, als in diesen wenigen Sätzen zusammengefasst. Was wir daraus lernen können, ist, dass die heute kaum regulierte Weltschiffahrt weit stärker kontrolliert werden muss, damit solche Gefahrensituatonen nicht so einfach entstehen können. Auch heute, Wochen nach der Katastrophe von Beirut, lagert Ammoniumnitrat in den Hafenanlagen rund um den Globus, in teilweise weit grösseren Mengen. Die nächste Explosion würde dann noch schrecklicher ausfallen. Der ganze Bericht ist hier: A Hidden Tycoon, African Explosives, and a Loan from a Notorious Bank: Questionable Connections Surround Beirut Explosion Shipment. pic screenshot youtube aljazeera

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