Wie man Fake-News-Trolle erkennt

Es gibt Leute, die den ganzen Tag nichts anderes tun als andere im Internet zu ärgern. Die nennen wir Trolle. Und es gibt Leute, die den ganzen Tag Falschmeldungen produzieren, also Fake News, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Und es gibt natürlich auch jede Menge Leute, oder vorgetäuschte Accounts von Leuten, die gar nicht wirklich existieren, die den ganzen Tag Fake News verbreiten, um diese noch erfolgreicher zu machen. Die nennen wir dann Fake News Trolle. Nur: Wie erkennt man die? Wie kriegt man raus, ob jemand im Internet echt ist und seine ehrliche Meinung sagt, oder ob nur irgendeine Trollfabrik künstliche Aufregung produziert, um Wahlen zu beeinflussen oder einfach alle gegeneinander aufzuhetzen und den öffentlichen Frieden zu stören? Der Clemson University Media Forensics Hub hat hier einen unterhaltsamen Schnellkurs zum Thema, der einem wirklich was beibringen kann. Seht selbst. pic clemson u pd

Was ist Kultur: Kesh Angels

Kesh Angels (abgeleitet von Marrakesh, und „Angels“ als Namensbestandteil zahlloser Motorradgangs) ist eine Arbeit des marrokanischen Fotografen Hassan Hajjaj (insta) von 2014. Tatsächlich hat er lokale, junge Frauen mit ihren Bikes fotografiert, mit einigen zusätzlichen Accessoires wie Sonnenbrillen oder Sneakers. Was macht er da und warum ist seine Arbeit so bedeutungsvoll? „Was ist Kultur: Kesh Angels“ weiterlesen

Was sind überhaupt Verschwörungstheorien?

Vor allem von der Corona (a.k.a. Covid-19) Epidemie ausgelöst, aber in früheren Jahren auch durch die künstlich geschürte Angst vor Ausländern und die Islam­feind­lichkeit, davor die Impfparanoia (jetzt mit Bill Gates als Feindperson) und über Jahr­hunderte hinweg Antisemitismus (eine Verbindung aus christlicher Allein­stel­lungs­fantasie, Rechtfertigung des Kolonialismus durch Erfindung einer „überlegenen weissen Rasse“ und simpler wirtschaftlicher Konkurrenz), sind „Verschwörungs­theorien“, wie sie heute oft genannt werden, ein allgemeiner Grund für Kopf­zerbrechen. Zunächst ist die Bezeichnung „Theorie“ hier ungenau. Eine Theorie ist eigentlich die ordnende Zusammenfassung sehr, sehr vieler nachprüfbarer Fakten, so dass wir eher von Verschwörungsmythen sprechen sollten. „Was sind überhaupt Verschwörungstheorien?“ weiterlesen

Covid-19: So sieht also die zweite Welle aus

Mit 2297 Neu-Infektionen innerhalb eines Tages (von gesamt 270.070) und sechs neuen Todesfällen an einem Tag (von gesamt 9.384) haben wir einen traurigen, neuen, zweiten Covid-19-Höhepunkt erreicht. Nicht so schlimm wie im März (aber das will auch wirklich niemand) aber trotzdem ein Zeichen dafür, dass wir wieder nachlässig geworden sind. In etwa seit Beginn der Urlaubssaison gehen die Zahlen wieder nach oben. Also der Zeit, in welcher Menschen in anderen Länder fliegen, sich dort betrinken und gegenseitig ablecken (oder schlimmeres). Ja, 9 von 10 Bürger*innen finden die Corona-Hygienemassnahmen auf Nachfrage richtig, 3 von 10 würden noch mehr Hygiene begrüssen, nur einer (von 10, wahrscheinlich männlich, mittleren Alters, nach Eigenansicht vom sozialen Abstieg bedroht) findet das alles übertrieben. Dieser eine, von einer hochtourigen Propagandamaschine mit Scheinargumenten versorgt, ist das Problem: wenn einer von 10 sich der Solidarität verweigert, hat so ein Virus immernoch mehr Auslauf als gut für uns ist. Wahrscheinliche Entwicklung der nächsten Wochen und Monate: Die Realitätsverweigerer werden sich weiter der Realität verweigern, die Infektions- und Todeszahlen werden weiter ansteigen, die Schäden für Wirtschaft, Bildung, Kultur werden weiter zunehmen. Solange bis endlich ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen. Diese werden dann von den Realitätsverweigerern nich angenommen, was aber in diesem Fall nicht so schlimm ist, weil ja dann nur noch die Besserwisser und Wirrköpfe sterben, nicht mehr die Verantwortungsvollen. Aber bis dahin werden wir eine harte Zeit haben, mit vielen Einschränkungen, die wir dann einer kleinen Gruppe von unsozialen Individuen verdanken. Vielleicht lernen wir (9 von 10) ja daraus.

Endlich Quake auf Vinyl

Seit der Veröffentlichung des (aber wirklich) legendären First-Person-Shooters Quake im Jahr 1996 haben wir diverse Dimensionssprünge hinter uns gebracht – mal ehrlich, wer hätte sich vor 24 Jahren Smartphones, SarsCov2, Trump und eine seit 20 Jahren kreisende Internationale Raumstation auf einmal vorstellen können? Also ist es um so wichtiger, dass der Originalsoundtrack des Klassikers endlich auf schwerem Doppel-Vinyl erscheint, für 35 Die-Regierung-Belügt-Uns-Und-Führt-Geheime-Dimensionstor-Experimente-Durch-Dollars im NineInchNails-Webshop. via boingboing

Die Zorn Gottes im Siete Mesas Dschungel

Das Beste an dieser Expedition war natürlich, dass Klaus Kinski (Friede sei mit ihm) nicht dabei war. Als mir nämlich neulich zugetragen wurde, dass Eingeborene des Siete Mesas Dschungels südlich meiner verschlafenen Heimatstadt bis zum heutigen Tag Legenden vom Wrack der „Zorn Gottes“ erzählen, einem verwunschenen Fluss­dampfer, dessen Schicksal mit einem bis zur Besinnungslosigkeit betrunkenen Kapitän und einer Mannschaft am Rande des Wahnsinns verknüpft sei, beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen. „Die Zorn Gottes im Siete Mesas Dschungel“ weiterlesen

Bester. Peptalk. Ever.

Peptalk wie Aufmunterungsrede. Jack Conte ist eigentlich Musiker, hat die Band Pomplamoose und die Künstlerfinanzierungsplattform Patreon gegründet und erklärt in diesem Video sehr, sehr gut, wie das ist, wenn man was macht (in seinem Fall Musik und alles drumherum): Es geht in 99kommaweissichnich aller Fälle in die Hose. Ab und zu funktioniert was, und machst ein bischen Kohle (was dringend nötig ist) und dann geht wieder alles schief. Und dann klappt wieder was. Und dann wieder nicht. Was du lernen musst, wenn du etwas machst, ist, die Misserfolge nicht so schwer zu nehmen. Ja, ok, hat nicht hingehauen, und das davor auch nicht, und es geht schon ne Weile so. Aber du bleibst dran, und dann wird es auch was. Genau darum geht es. via boingboing

Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe

So sah es am vorgestrigen Mittwoch in San Franciso aus. Kein Filter. Terry Tsai hat die Stadt mit seiner Drohne gefilmt und freundlicherweise ein Stück vom Bladerunner 2049 Soundtrack druntergelegt. Warum ist alles so orangerot? Weil ganz California brennt. Weil der Klimawandel dieses Land genauso ausdörrt wie viele andere. Wenn wir also die aktuelle Pandemie irgendwie kleingekriegt haben, steht uns die nächstgrössere Dystopie vor dem Haus: Die globale Erwärmung. Nein, es ist nicht so, dass wir nichts dagegen tun könnten. Aber wir müssen es eben tun. Sonst sieht die ganze Erde in ein paar Jahren so aus wie das kurze, anschauliche Video oben. Und mindstens eine Milliarde Menschen sind auf der Flucht (geschätzt spätestens 2050, aber das alles kann sich noch beschleunigen). via daringfireball

Stand der Forschung: Covid-19 ist eine Gefässkrankheit

Eine massive Untersuchung von 40.000 Gensequenzen aus 17.000 Proben durch den Summit Supercomputer am Oak Ridge National Lab in Tennessee ergab, dass der SarsCov-2 Virus in erster Linie die Ausschüttung von körpereigenen Stoffen wie Bradykinin bewirkt, die unsere Adern undicht machen, so dass Stoffe in falsche Gegenden des Körpers gelangen können. Lungen füllen sich mit Flüssigkeit, die dann geliert und ein Atmen selbst mit Sauerstoffgeräten unmöglich macht, Organe entzünden sich, das Gehirn erhält falsche Lieferungen und entwickelt neurologische Probleme. Ein Lösungsweg könnte daher sein, das Bradykinin-Ungleichgewicht zu adressieren, um den infizierten Körper vor den mitunter schrecklichen Folgen zu schützen. Auf jeden Fall ist Covid-19 eines nicht: Eine Grippe.

Thomas Smith, elemental. pic Anna Shvets cc0

Musiktheorie ist Rassismus

Schon lange wächst in mir die Überzeugung, dass man alle „klassische“ Musik vor 1850 besser verbrennen und vergessen sollte. Vielleicht mit Ausnahme einiger weniger Partituren für wissenschaftliche Zwecke. Aber in unserer Kultur hat diese „Klassik“ in meiner wie erwähnt wachsenden Überzeugung nichts mehr zu suchen. Meine Argumente waren hier zunächst eher musikalischer Art: „Musiktheorie ist Rassismus“ weiterlesen

Covid-19-Folge: Chronisch herzkranke Kinder

Ein Team von Medizinern an der University of Texas untersuchte 662 MIS-C-Fälle (Multisystem inflammatory syndrome in children, Multi-Organ-Entzündungssyndrom bei Kindern) als Folge von Infektionen mit SarsCov-2 und fand, dass keines der Kinder die bekannten Lungenerkrankungssymptome zeigte. Allerdings stellten sich nach einigen Wochen andere schwere Probleme ein, so dass 71% der Kleinen in die Intensivstation gebracht werden mussten, 60% Anzeichen eines physischen Schocks, zu 100% Fieber und zu zwei Dritteln Magendarmsymptome zeigten, die Hälfte Herzstörungen im EKG hatten, zu 22% künstlich beatmet werden mussten. Von den kleinen Patienten starben 11. Etwa ein Viertel der Kinder hatte Übergewcht, was nach Ansicht der Kinderärzte ein Risiko darstellt. Die Überlebenden haben nach Tests ein 50faches Risiko für Herzinfarkte. Auch deswegen müssen wir die Ausbreitung des SarsCov-2-Virus stoppen und alle Träumereien von einer „Herdenimmunität“ schnellstens vergessen. Schon wegen der Kinder. uthealth, pic anestiev cc0

Klimawandel und Steinobst

Wir können uns darauf einstellen, dass es weiter jedes Jahr ein bischen wärmer wird. Hier wird es so wie in Italien, Italien wird so wie Afrika, Afrika wird undbewohnbar, und eine Milliarde Afrikaner flieht nach Norden. Ich fürchte ich werde das noch erleben. Auch, dass Grönland abschmilzt (hat schon angefangen) und der Meeresspiegel deswegen global und sieben Meter steigt. Sieben. Keine Küstenstädte mehr, keine Tiefländer. Noch ein oder zwei Milliarden Menschen auf der Flucht. Andererseits hab ich in diesem Internet (von dem man neuerdings so viel hört) gelesen, dass man die Kerne von Pfirsichen, Aprikosen, Nektarinen und so weiter auch ganz gut aufheben und bei Gelegenheit aussäen kann. Das hab ich heute gemacht, im für Immobilienhaie unverdaulichen Restgrüngürtel meiner verschlafenen Heimatstadt. Vielleicht wachsen dann in zwanzig Jahren Pfirsich-, Aprikosen- Nektarinen-, Oliven- und Undso­weiter­bäume am Flussufer. Vielleicht fliesst dann dort noch Wasser, selbst wenn die Alpen­gletscher verschwunden sind. Vielleicht wird die Klimakatastrophe gar nicht so schlimm, wie es jetzt aussieht. Doch, wird sie. Das kann mich aber nicht davon abhalten, heute Bäume zu pflanzen. (pic ist von mir und cc by sa)

Grundrecht auf heile Welt

Aufgeschreckt von richtig schlechter, lauter Musik unterbreche ich meine fein ge­chillten Ferienaktivitäten, nur wegen ein paar zaunlattenverarmten Gestalten direkt vor meinem Fenster. Corona, my ass. Es ist was anderes, wenn man diese Fans in­halts­leeren Protests in Videoberichten und Nachrichtenbeiträgen sieht. Aber in der eigenen Nachbarschaft? Mit Spruchbändern, die ein Ende der Pandemie einfordern, das Recht auf Fragen und ganz allgemein das Grundgesetz (das den Spruchblasenjongleuren immerhin das Recht auf eine solche Veranstaltung garantiert). Ganz abgesehen davon, dass diese Pseudoproteste gegen allgemeine Hygienevorgaben während einer Epidemie eine ausgesprochen systemstabilisierende Wirkung haben – immerhin muss sich jeder denkende Mensch hier zähneknirschend auf die Seite der Regierung stellen und Protest als legitimes demokratisches Meinungsbildungsinstrument wird im Ganzen lächerlich gemacht – fordern die 50 – 100 lokalen Schlafschafe (in deren eigener Terminologie) am Ende nichts anderes als ein Recht auf heile Welt. Niemand soll über die Pandemie reden, Hygiene soll nur für andere gelten, alles soll wieder so sein, wie es früher niemals war. Und währenddessen klafft die Einkommensschere in unserem Land von Jahr zu Jahr weiter auf, Milliardäre leben prima auf Kosten der Allgemeinheit, und tatsächliche, nicht halluzinierte Grundrechte wie das auf Asyl werden pulverisiert. Nein, wirklich, ich finde Leute, die ernsthaft auf Antihygienedemos gehen und ein dort Ende der Schutzvorkehrungen fordern, komplett lächerlich und bescheuert. By the way, das oben erwähnte Grundgesetz garantiert, dass ich das denken und sagen darf. Yay. (pic von mir cc by sa)

Katsumi Hayakawa: Die Skulptur als Stadt

Papier, Druck, Acryl, Kunstrasen. Katsumi Hayakawa bringt in Malerei und Skulptur die urbane Landschaft in eine Form, die gleichzeitig unbegreiflich und vertraut unser Lebensumfeld beschreibt. Die Stadt, oder die Idee der Stadt, von aussen, von der Seite, als Bonsai Version ihrer selbst. Oder von Tokyo, wo der Künstler lebt, als Abstraktion von Urbanität.

via colossal