Wider jeden gesellschaftlich akzeptierten Antisemitismus

Reformationstag, my ass. Als ob es da was zu feiern gäbe. Tatsächlich hat dieser Luther nur die Kirche als Machtapparat erschüttert, Latein durch Deutsch ersetzt, das Vögeln von Pfarrershauswirtschafterinnen erleichtert. Und dafür den Antisemitismus so festgeschrieben, dass er seither in Deutschland sowas wie den Rang eines Kulturguts hat. »Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams.« (Martin Luther, Tischreden, Nr. 1795). Kein Wunder, dass 1938 der evangelische Landesbischof jubelt, als in Deutschland Synagogen brennen.

Selbst die personifizierte deutsche Unmenschlichkeit, Adolf Hitler, sieht sich deswegen in seiner gedruckten Hasspredigt Mein Kampf als Hand Gottes: »So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.« Warum haben wir diesen Luther also nicht schon längst auf die Mülldeponie der Geschichte geworfen? Ich glaube, wir haben das als deutsche Gesellschaft noch nicht getan, weil er ausführlich schriftlich begründet, was ein bedeutender, einflussreicher Teil von uns im mehr oder weniger Geheimen glaubt.

Nämlich dass die Deutschen ganz besonders reinblütige Exemplare der weissen Rasse seien und deswegen ein natürliches (a.k.a. gottgegebenes) Recht hätten, alle andere zu schikanieren, umzubringen und auszurauben (egal, in welcher Reihen­folge). Ich fordere daher, dass Martin Luther nicht länger verehrt, der Reformationstag nicht länger gefeiert, sondern statt dessen ein Tag der Trauer begangen wird, an welchem wir uns dem Verlust stellen, den wir durch die nationale Gewaltorgie des dutzendjährigen Reiches erlitten haben. Eine Gewaltorgie, die mit Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit den grösseren Teil unserer Kultur vernichtete, in dem sie die meisten Juden, Roma, Intellektuellen, Künstler vertrieb oder ermordete, bis nach ihrem Ende in unserem Land fast nur noch stumpfe deutsche Spiesser übrig geblieben waren. Diese Kultur müssen wir uns seither wieder erarbeiten, und ein Gedenken an ideologische Verbrecher wie diesen Luther macht unsere Arbeit unnötig schwer.

Ja, aber die Reformation! Die war ein Witz und hat die negative Energie des Chris­ten­tums in keiner Weise gebremst. Was im im eurozentristischen Weltbild nicht vor­kommt, ist die Reformation in anderen Religionen. Der Islam, heute mit sehr schlech­tem Image versehen, hat das schon wenige Jahrhunderte nach seiner Gründung (um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung) geschafft, als Sufi-Theologen formulierten, dass Glaube (oder Religion) nichts anderes sei als das Gespräch zwischen Mensch und Gott und sich nicht auf weltliche Dinge bezieht. Wenn man an einen Gott glaubt, ist das eine ziemlich massive Erkenntnis. Leider hat der europäische (und später us-amerikanische) Imperialismus seine Militärverträge lieber mit Vertretern der Wahabiten-Sekte, also der Familie Saud, abgeschlossen, so dass heute vom reformierten Islam kaum etwas zu sehen ist – zumindest in „westlichen“ Medien. Die selbstgefällige, koloniale Vorstellung vom aufgeklärten Westen im Gegensatz zu den primitiveren Kulturen des globalen Südens wird dadurch, und durch eine Glorifizierung einer christlichen Reformation (die keine war), immer weiter aufrecht erhalten.

Das pic wurde im dunklen 16. Jahrhundert vom älteren Lucas Cranach gemalt und ist damit pd

2 Kommentare

  1. Wider jeden Antisemitismus, bei Dir aber (wie immer) nur als virtue-signalling, und ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Realitäten in diesem Jahrtausend in Deutschland und Europa.
    Dass die Linke nicht aus ihrer Realitätsverweigerung hinsichtlich dem Islam und Muslimen rauskommt, das wird langsam zum Problem für euch.
    Gegen Antisemitismus, und für die unkontrollierte Masseneinwanderung von Muslimen zu sein geht leider nicht zusammen, da muss man sich entscheiden was man will.

    https://www.sueddeutsche.de/politik/juden-deutschland-antisemitismus-1.3921657-4

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    • Oh weh. Spätestens mit „unkontrollierte Masseneinwanderung von Muslimen“ hast du dich als rechtsoffenes Propagandaopfer geoutet. Dieser jahrzehntealte Versuch, Antisemitismus auf Moslems abzuwälzen, stammt von unseren eigenen, nationalen Antisemiten und ist nichts anderes als eine Form von versteckter Holocaustleugnung. Ehrlich, ich bin um jeden eingewanderten Moslem froh, weil damit der Anteil von Nazikartoffeln in unserem Land abnimmt. Tschüss.

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