Warum wird der Rundfunkbeitrag erhöht?

Damit wir uns nicht nur mit der Pandemie beschäftigen müssen, diskutiert die Bundes­öffentlichkeit aktuell über eine mögliche Erhöhung der Rundfunkgebühr (früher: GEZ). Die beträgt seit 11 Jahren 17,50 € pro Haushalt und soll nach dem neuesten Vor­schlag im kommenden Jahr um 86 Cent auf 18,36 € angehoben werden. Die Folge: Aufschrei des Bundeswutbürgertums, Hasstiraden gegen den vermeintlichen „Staats­funk“. Was alle wissen sollten, aber manchmal vergessen: Genau diese Rundfunk­gebühr sorgt dafür, dass „der Staat“ oder „die Politiker“ hier keinen direkten Einfluss haben. Weil der Rundfunk direkt von uns, der Bürgerschaft, bezahlt wird.

Auf der anderen Seite gibt es die privaten Medien, von manchen gegenüber den öffentlich-rechtlichen bevorzugt. Und die, stellt die Wutbürgerschaft zufrieden fest, kosten nichts, und sind auch nicht so kritisch gegenüber dem Wutbürgertum. Wie kommt es dann, dass ein einzelner deutscher Medienkonzern wie Bertelsmann jährlich doppelt so viel umsetzt (ca 18 zu 9 Mrd €) wie die gesamten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten (ÖRR)? Wieso werden ständig Politiker von den grossen, „privaten“ Medienkonzernen bezahlt (wofür die Rundfunkanstalten einfach kein Budget haben), und wieso werden die Besitzer dieser Medienkonzerne von Jahr zu Jahr reicher? Weil diese Medien uns mit Werbung zuballern und uns eine bunte, heile Konsumwelt vorgaukeln, die angesichts einer kleineren Krise durch einen neuartigen Virus in lauter kleine, hässliche Splitter zerspringt?

Klar, alle, die einigermassen zu Macht und Reichtum gekommen sind (also in der Regel über genügend kriminelle Energie verfügen), versuchen Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen, um dadurch noch mehr Macht und Reichtum zu gewinnen. Eine beitragsfinanzierte öffentliche Rundfunkmedienanstalt ist das beste Mittel dagegen. Die privaten Medien dagegen sind zu 100 % Werkzeuge ihrer Besitzer. Leider haben diese in den wutbürgerlichen Parteien einen politischen Arm gefunden, um die lästige öffentliche Medienkonkurrenz zurückzudrängen. Es ist unsere (also die der nicht von Hass gesteuerten Mehrheit der Bundesbevölkerung) Aufgabe, das zu verhindern. Die 86 Cent monatlich sollten uns das wert sein.

pic: blende12 cc0

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