Der australische Genozid, und der weltweite

Das Thema des australischen Genozids kommt erst in den letzten Jahren ins öffent­liche Bewusstsein: Auf dem südlichsten Kontinent lebten seit über 50.000 Jahren unterschiedliche Völker, die während einer früheren Eiszeit über die damalige Land­brücke Indonesien eingewandert waren. Nachdem die ersten europäischen „Entdecker“ Ende des 18.Jahrhunderts den Kontinent zur „Terra Nullius“, einem unbewohnten, leeren Land erklärt hat, rotteten die zumeist britischen Kolonisten die Ureinwohner bis auf etwa 60.000 Menschen aus (Zensus 1920). Von der Kultur und den Sprachen der eigentlichen Bewohner Australiens blieb kaum etwas übrig, auf der südlichen Insel Tasmanien gar nichts. Warum erwähne ich das alles, warum ist es mir einen eigenen Beitrag in meinem Blog wert, wo doch Menschen aus allen Kontinenten, Ländern, Kulturkreisen Böses tun, morden, ausrotten?

Weil es ein Beispiel für die weltumspannenden, völkermordenden Verbrechen der Europäer ist. Und ich bin nun mal Europäer, deswegen sind es Verbrechen meiner Vorfahren und meiner Historie. Ebenso wie die antisemtischen Verbrechen meiner deutschen Vorfahren und Historie mich mehr angehen als irgendwelcher, um Dimensionen schwächere Antisemitismus anderer Weltteile. Deswegen möchte ich, dass diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten, verdrängt und entschuldigt werden. Und dass jede Form des Kolonialismus, der heute wirtschaftlich und militärisch weitergeführt wird, ein Ende erfährt.

Ja, ich denke, es ist unsere Verantwortung als heute lebende Europäer, die Aus­beutung und Unterdrückung der weniger militaristischen Kontinente zu beenden, die geraubten Reichtümer zurück zu geben, die Opfer zu entschädigen. Auch wenn das ein Ende des unermesslichen Reichtums einiger Weniger in der „Ersten Welt“ bedeuten würde – für die arbeitende Bevölkerung würde sich nicht viel ändern. Ausser, nicht mehr an einem Fliessband arbeiten zu müssen, dass mit dem Blut südlich von uns geborener Kinder angetrieben wird. Um es einmal poetischer zu formulieren. Richtig, ich will nicht, dass der Tod weiterhin ein Vorarbeiter aus Deutschland oder Europa oder der „westlichen Welt“ ist (um Paul Celans Todesfuge zu zitieren). Weder in Australien noch sonst irgendwo.

via badethnography, historical-nonfiction Das Bild oben zeigt die australischen Sprachen vor der britischen Kolonisation, reddit

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