Musikindustrie fast tot, Umsätze wachsen weiter

Die Musikindustrie wird, wie wir alle wissen, seit Jahrzehnten durch Piraterie und Raubkopien in den Tod getrieben. So gründlich sind die Mörder der Musik­ab­teilungen internationaler Medien- und Finanzkonzerne, dass nach aktuellen, offiziellen Zahlen die globalen Umsätze um einen erneuten Rekordwert von 9,7 % gewachsen sind. Ein stetiges, jährliches Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent hätten wir allerdings auch gerne. Die Hälfte (47 %) stammt mittlerweile aus Streaming. Wir wissen allerdings im Moment nicht, was aus diesem Geschäftsmodell nach Umsetzung der EU-Copyrightdirektive werden soll.
ifpi via pitchfork, pic cc0 lukas

Generative Musik

Alex Bainter ist so freundlich, auf seiner Website eine Vielzahl an generativen Musikstücken bereitzustellen. Also Musik, die nicht komponiert wurde, sondern die von einem Script erzeugt wird, während du zuhörst. Wer ist dann der Urheber und wer hat welche Rechte woran? Naja, drittes Jahrtausend, da passen nicht mehr alle Konzepte aus der frühen „Neuzeit“. via kottke, pic screenshot generative.fm

Das Internet wird gerade an Konzerne verkauft

Im Europaparlament – dort passiert das aktuell – geben sich Lobbyvertreter und konzernnahe Abgeordnete gerade alle erdenkliche Mühe, das Internet zu einer geschlossenen Plattform zu machen. Die dann von einigen wenigen Unternehmen kontrolliert wird. Was läuft konkret dabei ab? Das neue europäische Copyright, das dann später von den Mitgliedstaaten in lokales Recht umgewandelt werden muss, hat über Nacht einen Entwurf bekommen, der schlimmer ist als alles, was wir bisher kannten. Ausgehandelt wurde der Text von einer deutschen und einer französischen Delegation. Die beiden Länder zusammen können solche Gesetzesentwürfe durchdrücken. Nur die kommende Abstimmung im EU-Parlament kann das alles noch verhindern. Und was genau? „Das Internet wird gerade an Konzerne verkauft“ weiterlesen

FCKDRM: Endlich geistiges Eigentum

Die Online-Vertriebsplattform GOG (Good Old Games) hat eine Initiative namens FCKDRM gestartet. Der Vertrieb für Spiele und andere Online-Kultur bietet bisher schon alles ohne Kopierschutz (DRM) an: Wenn du etwas kaufst, gehört es dir, und du kannst damit machen, was du willst. Auch deinem Freund oder deiner Freundin kopieren. Was du nicht sollst, weil die Entwickler des Spiels oder Schöpfer des digitalen Kulturguts auch von irgend was leben müssen. Aber du entscheidest selbst, und nicht irgendein Software-Zusatz, der deine Nutzung einschränkt, etwa weil du dich jedesmal mit dem Internet verbinden musst, um das Gekaufte zu nutzen. Was kann man tun? Produkte ohne DRM kaufen, zum Beispiel bei GOG (kann ich aus eigener Nutzererfahrung empfehlen) und weiter Freiheit vom DRM fordern: fckdrm.

Der Makaken-Copyright-Prozess ist zu Ende

Jetzt ist die Sache endlich klar. Das Berufungsgericht des neunten US-Bezirks in San Francisco hat gestern entschieden, dass der indonesische Makake Naruto (siehe selfie oben) kein Klagerecht wegen Urheberrechtsverletzung besitzt. Warum? „Der Makaken-Copyright-Prozess ist zu Ende“ weiterlesen

Die US Navy als Piratenflotte

Aus unserer beliebten Reihe „Niemand weiss, was Copyright eigentlich ist“. Heute: Die deutsche Software-Firma Bitmanagement mit Sitz am schönen Starnberger See unweit von München verkaufte vor einigen Jahren eine Lizenz für ihre 3D-Software „BS Contact Geo“ für 100 PCs zu insgesamt 30.000 USD an die US Navy. Danach erwarb die Flotte noch 38 Lizenzen der neuesten Version. Vor zwei Jahren wurde klar, dass die Navy das Programm auf deutlich mehr Geräten verwendete, so dass sich Bitmanagement an ein US-Gericht wandte. Inzwischen geht es um nicht weniger als 429.604 Installationen und einen Antrag auf einstweilige Verfügung, mit dem Ziel, 600 Millionen USD zu erhalten. Eigentlich sollte irgendwer in der grössten Militär­flotte der Welt wissen, wie Copyright geht. Ist aber wohl nicht so. torrentfreak, pic pd

Wo das Copyright endet

Obwohl wir in den letzten Jahren eine anhaltende Ausdehnung der „geistigen Eigen­tumsrechte“ erleben, gibt es immer wieder Anzeichen von Vernunft. Zum Beispiel Richter, die einen Anspruch auf geistigen Besitz an irgendetwas Beliebigem stoppen. So wie im konkreten Fall Michael W. Fitzgerald am Bezirksgericht Zentral-Kalifornien, der gerade eine Klage der Songwriter Sean Hall und Nathan Butler gegen das Pop-Sternchen Taylor Swift zurückgewiesen hat. „Wo das Copyright endet“ weiterlesen

Piratenmarketing funktioniert immer wieder

Vor zehn Jahren veröffentlichten Jerome Bixby (Buch) und Richard Schenkman (Regie) den Indie-SciFi „The Man from Earth“, eigentlich ein Theaterstück mit wenigen Darstellern, das vorziegend in einem einzigen Zimmer spielt. Das Pro­duk­tions­budget umfasste berichtetermassen 200.000 USD, das Marketingbudget null, kein Vertrieb interessierte sich, wenige Monate später war das kurzweilige Stück ein Kultklassiker geworden und heimste Filmpreise ein. Was war inzwischen passiert? „Piratenmarketing funktioniert immer wieder“ weiterlesen

Piraterie im Internet der Dinge, die einem nicht mehr gehören


Das unbezahlte Ansehen und Anhören von Kultur- und Wissenserzeugnissen im Internet wird heute teilweise mit dem malerischen Wort „Piraterie“ bezeichnet. Ahh, die Karibik! In anderen, deutlich weniger pittorsken Nachrichten zum selben Thema erfahren wir, dass der US-Internetprovider Armstrong Zoom dazu übergangen ist, seinen Kunden Drohbriefe zu schicken, wenn sie der „Piraterie“ beschuldigt werden. Dann nämlich würden diese in Gefahr geraten, so der Drohbriefprovider, dass sie ihre Heizung und andere ans Internet-Of-Things angeschlossene Geräte nicht mehr richtig benutzen können. „Piraterie im Internet der Dinge, die einem nicht mehr gehören“ weiterlesen

Warum Urheberrecht nicht funktioniert: Weisses Rauschen

Urheberrecht, oder Copyright, ist wie ähnliche Immaterialgüterrechte (Marken, Patente) mittlerweile zu einem wirtschaftlichen Monster geworden. Obwohl es ja irgendwann mal dafür gedacht war, und in der Vorstellung vieler immer noch dafür da ist, Urhebern, also Künstlern und Wissenschaftlern, ein Auskommen zu verschaffen. Was aber im selben Moment zur Illusion wurde, als man dieses Recht an der eigenen Schöpfung zu Handelsware deklarierte, die einfach so gegen Geld ihren Besitzer wechseln kann. Im anglophonen Rechtsraum vollständig, in Kontinentaleuropa nur in Form der Vertriebsrechte, was aber in der Praxis keinen gravierenden Unterschied bedeutet. Ein fantastisches Bespiel für dieses einfach nicht funktionierende Konzept des Urheberrechts liefert dieser Tage der australische Musikwissenschaftler Sebastian Tomczak. „Warum Urheberrecht nicht funktioniert: Weisses Rauschen“ weiterlesen

Der Krieg um den Planet der Affen und ihr Urheberrecht

Endlich Frieden auf dem Urheberrechtsplaneten! Die Tierrechtsorganisation PETA hat die Klage gegen den Fotografen David Slater (hier und hier im 11k2) zurückgezogen. Letzterer hatte das Urheberrecht auf Affenselfies im indonesischen Urwald für sich beansprucht, Wikipedia auf Löschung der Bilder verklagt und ein schönes Makakenselfiebilderbuch herausgebracht. Von dessen Einnahmen wird Slater ein Viertel für die Erhaltung des Affenurwalds abgeben, und die Urheberrechtsfrage ist ein für alle Mal geklärt: Affen haben keines, gegenständige Daumen hin oder her. Pech. Deswegen sind die mit Davids Kamera geknipsten Portraits auch in der Public Domain, jeder kann sie verwenden, auch David für sein Buch (oder auch jeder andere, für andere Bücher). Ein Sieg der Vernunft, und ein seltener Schlag gegen die Landnahme des Geistigen, die gerne alles und jedes zu geistigem Eigentum erklären möchte, welches sich am Ende doch im Keller der besitzenden Klasse ansammelt. Wo es niemandem nützt. Dann lieber im Affenurwald. via ars technica

Spielestudio lädt eigenes Spiel auf Pirate Bay, für Leute ohne Geld

Acid Wizard Studio, die Entwickler des gerade erschienenen Horror-Games Darkwood, haben nach eigenen Angaben ihr neues Game, das auf Steam oder GoG gerade 13€99 kostet, DRMfrei und ohne Einschränkungen auf die Pirate Bay hochgeladen. Damit handelt es sich hier um einen eindeutig legalen Torrent, falls das jemand wissen möchte. Die Devs nennen dafür zwei Gründe: „Spielestudio lädt eigenes Spiel auf Pirate Bay, für Leute ohne Geld“ weiterlesen

Eigentum an Überschriften, via Import und Export

Wer erinnert sich noch an die Versuche der deutschen Grossverlage vor zwei Jahren, ein Eigentum an Überschriften und Nachrichtenartikelzeilen zu er­finden, um dadurch Geld von Google, kleinenen Suchmaschinen und überhaupt dem ganzen Internet abzusaugen? Und wie kläglich das gescheitert ist, weil alleine schon die Google Suche die Hälfte der Besucher auf eine Nachrichtenwebseite bringt? „Eigentum an Überschriften, via Import und Export“ weiterlesen

iZombie 3

Die dritte Staffel der wirklich sehr amüsanten Zombiekomödie iZombie ist vorgestern kulminiert (neudeutsch: gefinalt) und steht daher vollständig auf den einschlägigen Streamingplattformen zum bingewatchen bereit. Staffel vier wird produziert, und, ja, die Finanzierung von Kunst und Kultur ist ein ungelöstes Problem, solange wir alle Streaming kucken statt Bezahl-Netflix oder gehirnzerstörendes Werbe-TV. Aber das müssen wir eben ein andermal klarziehn. Womöglich sollte man direkt damit anfangen, die Austeritätspolitik abzuschaffen. Das Pic ist übrigens nicht direkt aus der Serie, sondern Cosplay von Katy-Angel. Yay. Cosplay.

Portugal legalisiert die Privatkopie

Das portugiesische Parlament hat das dortige nationale Urheberrecht durch Gesetzesbeschluss soweit abge­ändert (PDF), dass in Zukunft die Privatkopie auch trotz eines etwa vorhandenen digitalen Kopierblockers (DRM) legal ist. Dasselbe gilt für Erziehungszwecke. Das kleine südwesteuropäische Land stellt sich damit noch weiter an die Spitze des Fortschritts. „Portugal legalisiert die Privatkopie“ weiterlesen