Was ich in der Schule gelernt habe: Autismus und Untote

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Nicht in der Grundschule in den 60ern, und dann im Gym in den 70ern, das hab ich überwiegend schon vergessen, sondern in den letzten 5 Wochen als Schulbegleiter. Tag für Tag je 5-6 Stunden mit meinem Betreuungskind in einer bayrischen Realschule. Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Beides. Tatsächlich lernen die Kids da ordentliches Englisch, Deutsch und Mathe, haben Sport und Kunst und Musik, und leider auch 2 Wochenstunden Religion mit diesem ganzen an den Haaren herbeigezogenen Unsinn über einen mythischen, untoten Religionsgründer. Man kann tatsächlich durchfallen wegen dieser Märchenstunde, anders als in Kunst, Musik oder Sport. Krass. Und der Erdkundelehrplan ist klar aus den 90ern. Egal, die Kids vergessen sowieso bald wieder alles. Weiterlesen

Daran gewöhnen Sie sich schon

zwei_bilderDas war heute mein letzter Besuch in der Augenklinik, gut zwei Jahre nach meiner ersten OP dort im April 14. Die Netzhaut ist schön wieder angewachsen, nur ganz rechts aussen fehlen 10 oder 15 Grad Sichtfeld. Das Pic beschreibt das noch bestehende Problem: Mit dem linken Auge seh ich das Testgitter ganz normal, wie ihr auch, mit dem rechten dagegen verbeult. So ähnlich wie auf dem rechten Pic, allerdings in mehreren Punkten im Bereich der Bildmitte (a.k.a. Makula), nicht nur einem. Immerhin: keine Löcher, keine Verdunkelung, nur Verzerrungen. Wenn ich also was genau sehen will, muss ich nur das rechte Auge zukneifen. Beide zusammen ergeben ein unsicheres Bild mit schlechter Räumlichkeit, gerade bei Bewegungen im Raum. Würde ich mir eine schicke Piraten-Augenklappe besorgen, könnte ich sofort wieder arbeiten, Auto fahren, voll am Leben teilnehmen (Bonus: Piratenromantik). Allerdings würde mein Sehzentrum dann nie lernen, die beiden Bilder zu einem zusammenrechnen. Das kann ein paar Jahre dauern, wie mir der Herr Chefprofessor heute persönlich versichert hat: „Daran gewöhnen Sie sich schon“. Ja, danke, das hatte ich mir auch schon gedacht. Irgendwann fahr ich auch wieder Auto. Nur mit mehr PS, schneller und „4 wheels off the ground“, weil ich dann ja ein paar Jahre Lenk­rad­pause nach­holen muss. Bis dahin kann ich ja gefahrlos mit Egoshootern trainieren. Pew pew.

Wo Begabung ein Problem ist

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Seit Montag dieser Woche (heute ist also mein dritter Tag) arbeite ich als Schul­begleiter (a.k.a. Schulassistent) für ein Kind mit diagnostizierter sogenannter Autismus-Spektrum-Störung an einer Realschule im Umkreis meiner Heimatstadt. Das Puzzle-Icon wie oben im Beispielbild wurde in den Sechzigern erfunden, als man noch nicht mit Autismus umgehen konnte, und ist daher veraltet. Den Job als Springer für einen Monat (der 29.6. ist mein letzter Tag dort) bekam ich von einem Bekannten angeboten, den ich nicht zuletzt in ehrenamtlichen sozialen Projekten wie dem Grandhotel Cosmopolis immer mal wieder treffe. Weiterlesen

Mehr Katzenbilder

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Die Welt ist düster genug. pic via catsforsatan

Vom Rebell zum Teufel

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„Unausweichlich wird jemand mit einem freien, unabhängigen Geist zu jemandem werden, der sich gegen Autoritäten und etablierte Konventionen stellt: Ein Rebell. Wenn genügend Menschen ihm zustimmen and dem Rebellen folgen, nennt man ihn einen Teufel. Solange, bis ihm noch mehr Menschen zustimmen. Und dann haben wir, endlich: Grösse“. (Aleister Crowley). Weil der Grossmeister, wie immer, recht hat, werde ich von jetzt an ausschliesslich über das Wirken Satans und seine Befreiung der Menschen berichten. Und über osteuropäische Blackmetal-Bands (Pic oben: Behemoth), die diese Lehren berücksichtigen. Hail Satan!

Ihr seid 30.000

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Genauer gesagt 30.007, soviele Kommentare habt ihr seit dem späten August 2008 hier hinterlassen. Oder: Haben wir, weil da meine Antworten ja dabei sind. Der exakt 30.000ste Kommentar war dann wohl der verärgerte von Leserin Corvusalbusberlin über vor allem die Grünen. Die andere Zahl seht ihr auch, oder? Die 413.364 Spamkommentare. Und noch eine, nämlich 666 MB an hochgeladenen Daten. Satan sei mein Zeuge. Und natürlich ist mit klar, dass Blogs in der Ära der Social Media zum alten Eisen gehören. Nur: Es ist unabhängiges altes Eisen, und keines, das unter der Kontrolle irgendeines Social Network Konzerns steht. Altes Eisenzeit-Internet also, ein Web aus individuellen Meinungsäusserungen. Kein Plastik. Insofern seh ich keinen Grund, mein Hobby beiseite zu schieben, nämlich jeden Tag der Welt zu erzählen, was ich im Moment gerade wichtig und/oder besonders fand. Einschliesslich der Katzenbilder.

#FF4500, das orangerote Manifest

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Mal unter uns: Mir gehen Parteien auf die Nerven. Mir gehen diese super-umständlichen, von Ego-Problemen, verdrängten Ängsten und erstarrten Vorurteilen zersetzten Meinungsfindungsprozesse auf die Nerven. Vor allem, weil weite Teile der Gesellschaft überhaupt keine Meinungsfindung betreiben, sondern einfach Verantwortung delegieren: Die CDU versteht was von Wirtschaft, die SPD sichert unsere Arbeitsplätze, die Grünen garantieren saubere Flüsse und die AfD beschützt uns vor der osmanischen Kavallerie. Ist natürlich alles hirnrissiger Blödsinn, funktioniert aber trotzdem. Zumindest für die Leute, die sich innerhalb des politischen Systems nach oben boxen und anschliessend ihre Karriereanstrengungen durch massive Einnahmen versüssen lassen. Deswegen wollte ich im grösseren Teil meines Lebens nichts mit all dem zu tun haben. Nur, so einfach geht das auch nicht. Ich kann es nicht vor mir selbst verantworten, mich auf Dauer nicht zu engagieren. Mich mit nicht anderen zusammen zu schliessen. Die Ungerechtigkeit nicht zu bekämpfen. Also bin ich 2009 zu den Piraten gegangen und 2010 mit grosser Überwindung der Partei beigetreten. Seitdem lerne ich, wie Politik geht, vor allem, seit ich 2013 in den Bezirkstag Schwaben gewählt wurde (für Nicht-Bayern: das ist so eine Art Stadtrat für eine Region, die in meinem Fall 13 Landkreise umfasst, etwas kleiner als Thüringen ist und etwas mehr Einwohner als München oder Hamburg hat). Zu den Erkenntnissen, die ich in der praktischen politischen Arbeit gewonnen habe, gehört: Parteien sind ein irgendwie schlüssiges Konzept für diesen gesamtgesellschaftlichen Meinungsfindungs- und Entscheidungsprozess, bilden aber auch ein Hindernis. Anders gesagt: Es geht nicht um Parteien, sondern um Probleme, die gelöst werden müssen. Also habe ich diesen Standpunkt, gesellschaftliche Probleme grundsätzlich in parteiübergreifender Zusammenarbeit zu lössen, in einem Manifest zusammengefasst und auf einem neuen Blog veröffentlicht, das als programmatischen Namen eine Farbe trägt: #FF4500. Orangerot.