Die nukleare Version von Romantik

indian_summer_in_new_england

Herbst! Herbst! So sehr ich den Sommer in diesem Jahr mochte – und er wird wahrscheinlich bald noch mal zu Besuch kommen – so aufregend ist die kühle, feine, dunstige Luft heute. Der Duft des Herbstes ist da. Endlich. Meine Lieblings­jahreszeit. Die mich in jedem Moment an ein Interview erinnert, das ich ’97 mit der britischen Industrial-Metal-Band Godflesh geführt hab, als sie in Stuttgart auf einer Tour mit Ministry spielten. „Weisst du“, sagte mir der Gitarrist und Frontmann Justin Broadrick, „unsere Musik kommt aus genau einer Quelle, nämlich zu wissen, dass es etwas gibt, wonach du dich am meisten von allem auf der Welt sehnst, und gleich­zeitig zu wissen, dass du es niemals haben wirst“. Das ist seither meine Definition von Romantik. Eure rosa Blümchen könnt ihr behalten. Ich hab ja den Herbst. pic Werner Kunz cc by sa

Schöner rechnen, so alle 5 Jahre

Phragmites_australis_Schilfrohr

Der Zustand war schon länger kein haltbarer mehr: Die Front-USB-Ports liessen kein Signal mehr durch (nur noch Strom), so dass ich zum Anschliessen und Auslesen von Gadgets das rückseitige Panel inmitten der tückischen Staubwanderdünen aufsuchen musste (a.k.a. Dangerseeker). Der gerade so eben zweikernige Athlon 245 Stromsparchip (nahezu leistungsfrei) hatte mittlerweile Mühe beim Webseiten­scrollen und der dazu gehörige, nach heutigen Massstäben mikroskopische 19Zoll-Monitor mit traditionsorientiertem 4:3-Seitenverhältnis strahlte vor allem schlechte Laune aus. Letzte Woche Beschlussfassung, tags drauf Bestellung bei einem vertrauenswürdigen Computerteileversender, heute morgen klingelt der Postbote. Weiterlesen

Das Vermächtnis des 23. August, vor allem im 11k2

cake-366346_960_720

Der 23. August, ein denkwürdiger Tag: An diesem Datum im Jahr 1866 wird der Deutsche Bund aufgelöst. Ausgerechnet in Augsburg (Können wir gerne wieder mal machen), 1946 kommt „Tote schlafen fest“ (The Big Sleep, mit Humphrey Bogart als Detekiv Philip Marlowe und Lauren Bacall als Vivian Sternwood Rutledge) in die Kinos, 1966 knipst die Weltraumsonde Lunar Orbiter 1 zum ersten Mal das Bild der Erde, wie sie gerade über dem Mond aufgeht, und am 23.8.2008 startet eine der wichtigsten Publikationen meiner persönlichen Werkschaffenssphäre: 11k2. Ich glaube, so lange war ich nicht mal beim Trust Magazin dabei, und 7350 Artikel hab ich sonst auch nirgendwo untergebracht, die von über 580.000 Lesern insgesamt 4.728.688 mal gelesen wurden. Da sind die 5 Millionen Page Impressions auch bald voll. Naja, in ein paar Monaten. Wusstet ihr übrigens, dass ihr dieses Blog am lieb­sten am Montag (16% der Aufrufe) gegen 20:00 (6% der Aufrufe) lest? Oder dass es 544 Facebook-Follower, 309 via WordPress, 214 via Twitter und ganze 34 per Email hat? Die vierte Zahl verwundert mich besonders: Immer wenn ich einen Blogbeitrag veröffentliche, klingelt bei der oder dem Abonnenten die Inbox? Dass man da nicht meschugge wird? Wobei ich ansonsten wirklich nicht weiss, was ich von euch halten soll. Der meistgelesene Beitrag des Jahres 2016 (bisher) ist nämlich der sechs Jahre alte Mutierter Spinnen-Militär-Horror: Extraction. Wahrscheinlich wegen der fluffigen Kamelspinnen, dem Lol-Spider-Mem oder sonst welchen Nerd­krankheiten meiner Leserschaft. Nein, im Ernst: Ihr seid super. Ich mach euch’n Angebot: Ich schreib weiter, ihr lest weiter. pic cc0, übrigens. Happy birthday, little blog.

Was ich in der Schule gelernt habe: Autismus und Untote

jigsaw-polar-475

Nicht in der Grundschule in den 60ern, und dann im Gym in den 70ern, das hab ich überwiegend schon vergessen, sondern in den letzten 5 Wochen als Schulbegleiter. Tag für Tag je 5-6 Stunden mit meinem Betreuungskind in einer bayrischen Realschule. Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Beides. Tatsächlich lernen die Kids da ordentliches Englisch, Deutsch und Mathe, haben Sport und Kunst und Musik, und leider auch 2 Wochenstunden Religion mit diesem ganzen an den Haaren herbeigezogenen Unsinn über einen mythischen, untoten Religionsgründer. Man kann tatsächlich durchfallen wegen dieser Märchenstunde, anders als in Kunst, Musik oder Sport. Krass. Und der Erdkundelehrplan ist klar aus den 90ern. Egal, die Kids vergessen sowieso bald wieder alles. Weiterlesen

Daran gewöhnen Sie sich schon

zwei_bilderDas war heute mein letzter Besuch in der Augenklinik, gut zwei Jahre nach meiner ersten OP dort im April 14. Die Netzhaut ist schön wieder angewachsen, nur ganz rechts aussen fehlen 10 oder 15 Grad Sichtfeld. Das Pic beschreibt das noch bestehende Problem: Mit dem linken Auge seh ich das Testgitter ganz normal, wie ihr auch, mit dem rechten dagegen verbeult. So ähnlich wie auf dem rechten Pic, allerdings in mehreren Punkten im Bereich der Bildmitte (a.k.a. Makula), nicht nur einem. Immerhin: keine Löcher, keine Verdunkelung, nur Verzerrungen. Wenn ich also was genau sehen will, muss ich nur das rechte Auge zukneifen. Beide zusammen ergeben ein unsicheres Bild mit schlechter Räumlichkeit, gerade bei Bewegungen im Raum. Würde ich mir eine schicke Piraten-Augenklappe besorgen, könnte ich sofort wieder arbeiten, Auto fahren, voll am Leben teilnehmen (Bonus: Piratenromantik). Allerdings würde mein Sehzentrum dann nie lernen, die beiden Bilder zu einem zusammenrechnen. Das kann ein paar Jahre dauern, wie mir der Herr Chefprofessor heute persönlich versichert hat: „Daran gewöhnen Sie sich schon“. Ja, danke, das hatte ich mir auch schon gedacht. Irgendwann fahr ich auch wieder Auto. Nur mit mehr PS, schneller und „4 wheels off the ground“, weil ich dann ja ein paar Jahre Lenk­rad­pause nach­holen muss. Bis dahin kann ich ja gefahrlos mit Egoshootern trainieren. Pew pew.

Wo Begabung ein Problem ist

autism_icon

Seit Montag dieser Woche (heute ist also mein dritter Tag) arbeite ich als Schul­begleiter (a.k.a. Schulassistent) für ein Kind mit diagnostizierter sogenannter Autismus-Spektrum-Störung an einer Realschule im Umkreis meiner Heimatstadt. Das Puzzle-Icon wie oben im Beispielbild wurde in den Sechzigern erfunden, als man noch nicht mit Autismus umgehen konnte, und ist daher veraltet. Den Job als Springer für einen Monat (der 29.6. ist mein letzter Tag dort) bekam ich von einem Bekannten angeboten, den ich nicht zuletzt in ehrenamtlichen sozialen Projekten wie dem Grandhotel Cosmopolis immer mal wieder treffe. Weiterlesen

Mehr Katzenbilder

graveyard_queen

Die Welt ist düster genug. pic via catsforsatan