Fleisch oder Autos? Das können wir uns aussuchen

Eigentlich wissen wir das seit Jahren: Ein Viertel der globalen Erwärmung (die uns zunehmend massive Probleme bereitet), wird durch Landwirtschaft verursacht. Doppelt so viel wie alle Autos (und andere Verkehrsmittel) der Erde zusammen. Ja, aber, wir müssen doch alle essen? Den Unterschied macht hier, was wir essen. Wie uns die University Of California hier sehr anschaulich vorrechnet, verursacht ein einziges (Rinder)Steak 330g CO2(Äquivalent), ein gleich grosses Stück Huhn nur 52g, Fisch (der aber andere Probleme verursacht) nur 40g, Gemüse 14g, Linsen: 2 Gramm. Ein Steak verursacht also 165 mal so viel Klimakatastrophe wie ein Essen aus Hülsenfrüchten. Am Rande eine schlechte Nachricht für mehr-oder-weniger-Vegetarier: Milchprodukte stammen fast ausschliesslich von Rindern und sind genauso schlecht für unseren Planeten wie Steaks. Nochmal: Lebensmittel aus Tieren (Fleisch, Milch etc) verursachen genau so viel globale Erwärmung wie alle Transportmittel zusammen (Autos, Lastwagen, Flugzeuge, Schiffe, Züge etc). Vor allem, weil diese Tiere so viel Methan von sich geben. Ausserdem benötigt die weltweite Fleischherstellung mehr als eine Milliarde Tonnen Getreide pro Jahr. Das wäre genug, um 3,5 Milliarden Menschen zu ernähren. Kinder verhungern also in den armen Ländern, damit wir Fleisch auf dem Teller haben. Und ja, das Fleisch wird fast ausschliesslich in den reichen Industrieländern verbraucht. Trotzdem ist es nicht nötig, völlig auf Tierprodukte zu verzichten, um unser Klima nicht zu kippen. Die sogenannte Mittelmeerküche produziert nur unwesentlich mehr CO2 (und Methan) als vegane oder vegetarische Ernährung. Würden wir alle umsteigen auf viel Gemüse und wenig Fleisch, könnten wir 15% der Klimagase einsparen. Ein Sechstel weniger globale Erwärmung. Das ist es, was wir Einzelnen tun können. Jeden Tag. via mefi

Heute ist der 8-Milliarden-Tag

Die UN hat ausgerechnet, dass die Zahl der Menschen heute die Marke von 8 Milliarden überschritten hat. Vor 12 Jahren waren es noch 7 Milliarden, aber die 9-er Marke reissen wir erst in 15 Jahren. Weil sich das Bevölkerungswachstum weltweit seit den 1960ern (nach dem „Babyboom“) verlangsamt. Und auch 10 oder 11 Milliarden (das wird dann der Scheitelpunkt, danach wird die Zahl der Menschen wieder langsam abnehmen) sind kein Problem für unseren Planeten. Weil nämlich die allermeisten Menschen sehr wenig Ressourcen verbrauchen und sehr wenig Umweltbelastung erzeugen. Nur eine kleine Gruppe, die Bewohner der Industrieländer, verursachen riesige Probleme, indem sie veraltete Technik benutzen, weil dieses für einzelne unter uns unermesslichen Reichtum bringt. Wir könnten unseren Lebensstandard halten, und diesen für alle anderen Leute auf unserem Planeten öffnen, wenn wir aufhören, Energie aus Verbrennung zu beziehen und den Planeten mit Plastikmüll und Chemikalien zu verdrecken. Aber heute können wir ein bischen feiern: Seid umschlungen, 8 Milliarden!

Migration als Flucht aus der Kleinstadt

Olgaç Bozalp verliess im Alter von 19 Jahren seine Heimatstadt Konya in Anatolien, um in Zypern und Brittannien zu studieren und in Freiheit zu leben. „Ich bin erst mit 19 ausgewandert, aber ich hatte immer das Gefühl, dass hinter diesen Grenzen etwas auf mich wartet“, sagte er im Interview, und „meine Persönlichkeit passte nicht in eine Kleinstadt“. Heute arbeitet er als Fotograf und macht unter anderem ausdrucksstarke Bilder wie oben. Wir sehen die Jugendfreunde von Olgaç auf einem Salzsee unweit von Konya, wie sie in Burkas gekleidet eine Menschenpyramide auf einem Moped bilden. Das passt natürlich auch nicht in eine Kleinstadt, ob in Anatolien oder in Bayern. via guardian, pic olgaç bozalp aus seinem Fotoband leaving one for another

Antifa, verzweifelt gesucht

Aktuell vom US-Senat veröffentlichte Dokumente zeigen, dass das US Department For Homeland Security (DHS) im Vorfeld der letzten US-Präsidentenwahl und auf Anordnung des damaligen Präsidentendarstellers verzweifelt nach einer Terroristen-Organisation namens „Antifa“ suchte, und nichts fand. Die dafür verballerten Steuermillionen waren also umsonst ausgegeben worden. Macht nichts, finde ich – dann wurden dafür wenigestens keine Waffen gekauft. Andererseits zeigt uns diese Anekdote wieder einmal, dass Ordungsbehörden rund um die Welt nur allzu gerne für Antidemokraten arbeiten. Die Idee, Polizei und Geheimdienste einfach abzuschaffen und durch (unbewaffnete) Kriminalexperten und psychologisch geschulte Sozialarbeiter zu ersetzen, wird mir immer sympathischer. us-senate via gizmodo, pic joanbrown

Hoffnung für den Amazonas Dschungel

Nach dem Wahlsieg Lulas gegen den Rechtsaussen Bolsonaro hat Brasilien wieder eine Chance, den Raubbau am Amazonasurwald zu beenden. Die Grafik oben wurde aus Satellitenfotos erstellt, mit welchen sich sehr genau die Waldfläche feststellen lässt. Wir sehen auch deutlich, was an der Fake News dran ist, unter Lula wäre die Abholzung höher gewesen als unter Bolsonaro: Lulas soziale Regierung sorgte für einen extremen Rückgang des Raubbaus, während der Ausverkauf unter Bolsonaro wieder zunahm. via vox

Die Weisheit der Sprühdose

Besser hätte ich es selbst nicht ausdrücken können, was die Sprayer der Wahrheit an einem Fabrikgebäude auf meinem Weg zum Dayjob notierten. Ganz unabhängig davon, ob der angesprochenen Polizei das gefällt oder nicht: Das ist die Lebenssituation der Genz Z. Nicht meine. Ich hab graue Haare, da sind die Coppers höflich, da ist von [A]nnalena [C]harlotte [A]lma [B]aerbock nicht viel zu merken. pics sind von mir, cc by sa, Originalgemälde von den Originalurheber:innen und (c).

Update: Wieviele Covid-19-Erkrankte werden nie wieder gesund?

Was wissen wir über Long-Covid? Ein Team von 12 Mediziner:innen von verschiedenen Kliniken und Universitäten in Schottland hat die Patientenakten von 33.281 Fällen mit Krankheitssymptomen und PCR-Test-Bestätigung untersucht, die Patienten anschliessend immer wieder befragt und dadurch heraus gefunden, dass 6%, also eine(r) von 17 Covid-Erkrankten, nicht mehr gesund wird. Die Krankheit geht nicht weg. Bei weiteren 42%, also fast der Hälfte, bleiben Symptome für Monate, so dass eine Einschränkung der Lebensqualität weiter besteht. Zusammen wären das 48%, also geht nur jede zweite Covid-Erkrankung gut aus. Ist jetzt alles aus, und wir können die Situation nur noch verdrängen, mit oder ohne Alkohol? Nein. Atemmasken wie oben auf dem Bild (von Anna Shvets, cc0 nc) verringern das Infektionsrisiko durch Ausatmen und Einatmen extrem, ebenso die Impfung gegen den hoch-ansteckenden SarsCov2-Virus. Leider weigert sich bis heute ein knappes Viertel der Bevölkerung, sich impfen zu lassen (wahrscheinlich war die Desinformationskampagne des russischen Geheimdiensts hier erfolgreich), und Masken in besonderen Gefahrensituationen sind auch nicht so beliebt, wie sie sein sollten. Das wird entweder besser, oder Corona bleibt für immer, und macht weiter Menschen chronisch krank. Hier ist die Studie: nature.

Van Gogh, Sonnenblumen und Tomaten helfen, das Klima zu retten

Tolle Aktion von Just Stop Oil. Die Aktivist:innen haben in der National Gallery in London eine Dose Tomatensuppe über das Originalgemälde der Sonnenblumen von Vincent Van Gogh geschüttet. „Was ist wichtiger, Kunst oder Leben?“, fragen sie. Die Frage ist berechtigt, und das Bild ist, wie alle vorher wussten, durch eine Glasscheibe geschützt. Also eine rein symbolische Aktion, die aber dennoch genau die richtigen triggert: Die Wohlstandsbürger(innen), die gerne verdrängen, dass die Klimakatastrophe bereits begonnen hat. Nur ist sie eben noch nicht so schlimm wie sie in 10 Jahren sein wird. Ich möchte mich daher bei Phoebe Plummer, Anna Holland, und natürlich Vincent Van Gogh bedanken. Ihr habt hier alles richtig gemacht. guardian

Die Klimakrise und ihre Kippunkte

Zuerst die gute Nachricht: Wir haben unseren Planeten noch nicht unbewohnbar gemacht, und es ist möglich, dass wir das auch nicht tun werden. Noch eine gute Nachricht: Die Klimatologie wird immer präziser, wir wissen immer genauer, welche zusätzliche Erwärmung der Atmosphäre durch Einleiten von Klimagasen zu welchen neuen Problemen führt. Zu den echten Problemen der Kilmakrise gehören die Kipppunkte, also Temperaturen, die ihrerseits globale Prozesse auslösen, die dann noch mehr Probleme mit sich bringen. Ab der im Pariser Klimaabkommen festgeschriebenen (und bisher nicht konsequent beachteten) Grenze von 1,5 Grad dürfte nach aktuellem Forschungsstand bereits grosse Eismassen in der Antarktis, der Insel Grönland und Hochgebirgen wie dem Himalaya, den Anden und den Alpen abschmelzen. Das führt nicht nur zu Überflutungen in Küstenregionen, sondern auch zu Wassermangel in landwirtschaftlichen Gebieten, wie in diesem Sommer in Frankreich oder Italien zu sehen war. Da wir mit Erreichen oder Überschreiten der 1,5 Grad auch die Alpengletscher loswerden, steht auch Deutschland vor ausgedehnten Trockenperioden. Je höher die globale Durchschnittstemperatur steigt, desto mehr dieser Kipppunkte werden ausgelöst und weitere Naturkatastrophen folgen. Und die letzte gute Nachricht: Wir können es schaffen, von einer globalen Katastrophe verschont zu bleiben, indem wir aufhören, Fossilstoffe zu verbrennen (Sonne, Wind und Wellen bieten genug Energie) und riesige Massen von Tieren zur Fleischerzeugung zu züchten. Der Nachteil dieses Plans: Die Fossilindustrie muss sich neue Geschäftsfelder suchen (die Fleischindustrie auch). Für uns, im Alltag, würde sich durch modernere Technik aber wenig ändern. Die zitierte Studie findet sich in der Publikation Science. pic LuisValiente cc0

CanSino: Corona-Impfung als Nasenspray

Convidecia, ein Corona-Impfstoff zur Anwendung als Nasenspray, ist aktuell zur Anwendung und zum Export zugelassen worden. Der Wirkstoff besteht aus veränderten Erkältungsviren, funktioniert also ähnlich wie die Produkte von AstraZeneca oder Johnson&Johnson. Mit einem einzigen, selbst verabreichten Spraystoss erreicht der Stoff in klinischen Tests 66 % Wirksamkeit gegen Coronasymptome und 91 % Schutz vor einer schweren Covid-Erkrankung. Damit erreicht das Mittel nicht ganz die Wirksamkeit moderner Impfstoffe von Biontech oder Moderna, sollte aber weit besser vor dem hochansteckenden SarsVov2-Virus schützen als… garnichts. Hierzulande sind seit Anfang 2020 fast 148.000 Menschen an Covid 19 gestorben, die Zahl täglicher Todesfälle hat sich durch eine Impfquote von über 75 % inzwischen auf rund 100 „verringert“, immerhin nur noch entsprechend eines abgestürzten Verkehrsflugzeugs alle 2 bis 3 Tage. Ob ein Nasenspray das Vertrauen ängstlicher und von Propaganda verunsicherter Bundesbürger:innen gewinnen kann, bleibt abzuwarten. bloomberg, pic cansinotech

Klimakrise: Hagel wird grösser

Francis Lavigne-Theriault, Forscher im Northern Hail Project der Western University, Ontario, Canada, beschäftigt sich mit der zunehmenden Grösse von Hagelkörnern in den letzten Jahren. Die grössten aktuell in Nordamerika gefundenen Hagelkörner haben über 10 cm Durchmesser und ein Gewicht von knapp 300 Gramm. Wo die faustgrossen Eisklumpen einschlagen, nimmt der Hagelschaden extreme Ausmasse an. Die Versicherungswirtschaft meldet bereits Rekordansprüche. Der grösste, jemals in Nordamerika gefundene Hagelklumpen wog allerdings knapp 900 Gramm bei einem Durchmesser von 20 cm. Die Entwicklung bleibt nicht auf Nordamerika beschränkt, in Katalonien, Spanien, kam am 30. August ein Hagelsturm mit bis zu 12 cm grossen Eisklumpen nieder, ein Kind wurde getötet, 67 Menschen verletzt. Auch andere Kontinente berichten ähnliches. Wir müssen uns klarmachen, dass die Überhitzung der Atmosphäre durch CO2 und Methan bisher unbekannte Wetterphänomene erzeugt. westernu, myscience, essl, pic Western University

Was passiert mit den alten Solarzellen?

Solarzellen oder Photovoltaikanlagen sind ein beliebtes Ziel der Desinformation. Es gibt tatsächlich Leute, die diese wertvollen Energieerzeuger für Sondermüll halten, der früher oder später unseren Planeten vergiftet. Diese Propagandabemühungen der Fossilenergiekonzerne stehen allerdings auf… gar keinen Füssen. Grundsätzlich bestehen PV-Zellen aus Silizium, einem verbreiteten und ungiftigen Mineral, plus geringen Mengen seltener Metalle, die auch keinen Schaden anrichten – wenn sie denn jemals auf einer Müllkippe landen würden. Was nicht der Fall ist, weil gebrauchte Solarzellen, selbst wenn sie durch Alterung oder Hagel einen Teil ihrer Leistung verloren haben, in den Entwicklungsländern reissenden Absatz finden und dort heute schon vielen Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität verschaffen. International tätige Solarzellenbörsen haben zu jedem Zeitpunkt über 10 Millionen PV-Tafeln im Angebot, in der „Dritten Welt“ holen diese Second-Hand-Sonnenzellen Menschen aus der Armut. via bloomberg, pic Thomas Oettinger cc0

Die 100 schlimmsten Feinde unseres Planeten

Weltweit sind 100 Konzerne verantwortlich für über 70 % der CO2-Emissionen. Hier ist eine Weltkarte mit den CEOs dieser Unternehmen. Die Länder sind in der Grösse ihrer weltweiten Verschmutzung dargestellt, also dem Klimaschaden, der von den Konzernzentralen ausgeht. Einer der hier blossgestellten CEOs, Nick DeIuliis vom Erdgaskonzern CNX, versuchte bereits, das Freiwilligenprojekt Decolonial Atlas auf Löschung seiner Namensnennung zu verklagen und scheiterte damit vor einem Federal District Court in New York. Schlimmster deutscher Feind unseres Planeten ist übrigens Markus Krebber, Nachfolger von Rolf Martin Schmitz und Vorstandsvorsitzender des Energieriesen RWE. Das ist der Konzern, der bis heute in Nordrhein-Westfalen (unter anderem) ganze Dörfer und Wälder wegreissen lässt, um noch mehr klimakillende Braunkohle abbauen zu können. Lützerath muss bleiben, die RWE kann weg.

USA: Mehr Marijuana als Tabak

In den USA haben noch nicht alle Bundesstaaten den Konsum von Marijuana legalisiert. Aber trotzdem zeigt eine aktuelle Gallup-Umfrage, dass dort inzwischen mehr Menschen Marijuana als Tabak rauchen (16 zu 11%). Bereits dieser geringe Anteil zeigt positive Wirkung, so verzeichnen Bundesstaaten, in welchen Marijuana freigegeben ist, deutlich weniger Verkehrsunfälle. Kein Wunder: Viele, vor allem jüngere Leute nutzen dann lieber Ganja statt Alkohol und sind bekifft weit fahrtüchtiger als betrunken. Inzwischen diskutieren hierzulande die Entscheidungsträger über Grenzwerte und Rechtsnormen, statt den Hanf einfach freizugeben. Deshalb nochmal: Das Betäubungsmittelgesetz ist falsch und richtet nur Schaden an, es muss abgeschafft werden. Der notwendige erste Schritt in die Zukunft ist hier die bedingungslose Freigabe von Hanfkonsum. Peace. npr via slashdot, pic dea pd