South Of The Circle

Peter Hamilton ist Klimaforscher, hat aber das Pech, in der Ära der Kalten Kriegs zu leben, in der alles nach Ost und West eingeteilt wird. Das Interaktive-Film-Game South Of The Circle erzählt seinen Überlebenskampf nach einem Flugzeugabsturz in der Antarkis, und erklärt vieles daran mit seinen Erinnerungen an seine Kindheit, die Cambridge-Universität und seine Freundin. Die Dialogoptionen bestehen eher aus Emotionen als aus Sätzen, die vom Spieler ausgewählten Reaktionen beeinflussen den Spielverlauf aber wenig, an manchen Stellen ist es ein Point-And-Click-Adventure, und der Protagonist will hier und da durch gefährliche Situationen gesteuert werden. Die Story ist spannend und einfühlsam erzählt und voller Rätsel, das Ende allerdings abrupt und ernüchternd. Ich hab mir das Game gestern gekauft, weil mir die Grafik so gut gefallen hat, und das Setting auf dem Südpolkontinent. Abschlussnote: Fünf von fünf Schneeflocken, allerdings einen Pinguin-Fussabdruck Abzug wegen des zu schnell erzählten Endes. Im Ganzen ein wundervolles, relaxtes Game für einen oder zwei Abende.

Chaotic Neutral Human Wizard

Stimmt es, dass man sich mit der Zeit, mit neuen Erfahrungen, mit überwundenen Problemen, Niederlagen, Erfolgen, verändert? Das will mir zumindest einer der präzistesten Persönlichkeitstests, nämlich der Dungeons&Dragons Character Test nahelegen. War ich demnach vor 9 Jahren noch Chaotic Good Human Bard/Rogue, so hat sich meine Persönlichkeit durch die durchaus turbulente Zeit seither wohl verändert, nämlich zum Chaotic Neutral Human Wizard. Also jemand mit weniger sozialen Interessen, eher ein Einzelgänger, der sich ungern an Regeln hält und seine Vorhaben durchzieht, no matter what. Wow. Das hatte ich nicht erwartet. Eher die gegenteilige Entwicklung. Aber ok… wie ist das bei euch? Das sehr gelungene Pic ist von Gerry Arthur. Und hier gehts zum Test. Viel Glück.

Wo der Tod erst Bedeutung bringt, in der Galaxis der Pixel

Ich kenne wenig entspannenderes, als in No Man‘s Sky über immer neue unentdeckte Planeten zu fliegen, zur typischen Ambient-Prog-Rock-Soundkulisse des Games. Nicht mal das Herumfahren auf unerforschten Monden zu Klaviersonaten in Elite Dangerous kommt da ran. Entsprechend hab ich in den letzten Jahren über 750 Spielstunden aufgesammelt, und einige Veränderungen durch grössere Patches erlebt. Ja, aber wird das nicht langweilig, immer nur so rumfliegen? Nein, und das obwohl ich inzwischen neue Pilotenkarrieren in der Space Opera von Hello Games ohne Main Quest, Artemis, ohne Anomalie (diese grosse Raumstation, die alles einfacher macht), und damit ohne grosse Homebase mit Zusatzquests, aber dafür im härtesten Spielmodus beginne: Permadeath*.

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Starfield: Skyrim in space

Bethesda, das wahrscheinlich führende Role-Playing-Game Entwicklerstudio, hat einen Erscheinungstermin für seine kommende Weltraumoper Starfield angekündigt: 11.11.22 – bis dahin werden wir noch viele Teaser Trailer zu sehen bekommen. Das hier ist der erste. Die Devs versprechen uns sowohl ein „Skyrim in Space“ als auch einen „Han Solo Simulator“, also ein komplexes Solo-Rollenspiel mit viel Laserstrahlenaction. Klingt gut für mich, nicht nur wegen der Laserguns und dem Kessel Run, sondern vor allem, weil mir dieses Fantasy-Mittelalter-Setting fast aller RPGs zu den Ohren rauskommt. In anderthalb Jahren wissen wir mehr, dann öffnet die Post-Fallout Open World ihre (Sternen)Tore. via rps

Zufallstreffer, versenkt: World Of Warships

Gerade in schweren Zeiten wie diesen sollte man offen sein. Zum Beispiel für neue Games. Und wenn Steam mir ein Spiel vorschlägt, das auffallend hübsch aussieht und nichts kostet, will ich mal nicht so sein. Notfalls wird es wieder de-installiert. Dazu wird es allerdings im vorliegenden Fall so schnell nicht kommen. Das Nachfolgeprodukt von World Of Tanks und World Of Warplanes aus dem Hause Wargaming.net sieht nicht nur flott maritim aus, sondern spielt sich wie Counter Strike für Leute in meinem Alter, oder wie ein MMORPG mit historischen Kreuzern, Zerstörern, Schlachtschiffen und Flugzeugträgern aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. „Zufallstreffer, versenkt: World Of Warships“ weiterlesen

Die Zukunft hat längst begonnen, und läuft auf einer Game-Engine

Der kommende SciFi-Film „Gods Of Mars“ ist noch in Produktion und hat daher noch kein offizielles Erscheinungsdatum. Im Production-Trailer oben erfahren wir allerdings, dass er nur einen winzigen Bruchteil dessen kostet, was in Hollywood für einen Pixar oder ILM Film aufgestellt wird. Was ist der Trick? Die Hintergründe werden komplett in der Unreal-Game-Engine erstellt, das Team benötigt also keine Lagerhallen füllende Render-Server-Farm, sondern nur einen ordentlichen Gaming-PC. Selbst die Raumschiffe und Battlemechs werden zunächst als Modelle zusammengesetzt, dann gescannt und anschliessend im Spiel… im Film frei verwendet. Aber natürlich! Warum soll nicht die vorige Generation (Film) der literarischen Sphäre von der heutigen (Games) profitieren? Schliesslich profitiert ja auch die vorletzte (Theater) von der letzten (Film-Einspielungen). Ich finde, das hier ist ein sehr schönes Beispiel für die gegenseitige Belebung unterschiedlicher kultureller Genres. io9, variety

Alexandria Ocasio-Cortez gewinnt auf Twitch gegen die Politikerkrankheit

Die US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez („AOC“, New York, Democrats) hat gezeigt, wie man die Politikerkrankheit besiegt: In dem man auf Twitch mit Kolleg*innen (Ilhan Omar) und Streamer*innen (Pokimane, Hasan Piker, Myth, Dr. Lupo, Disguised Toast, Jacksepticeye) Among Us zockt, Spass hat und zu seiner politischen Einstellung steht (democratic socialists). Der Stream war dann auch das drittgrösste Twitch-Event ever, ihr Channel hat weit über ne halbe Million Follower, und alle hatten einen prima Abend. Damit hat Mrs. OC gezeigt, dass sie in der Realität lebt, und zwar in derselben wir wir anderen auch. „Alexandria Ocasio-Cortez gewinnt auf Twitch gegen die Politikerkrankheit“ weiterlesen

Endlich Quake auf Vinyl

Seit der Veröffentlichung des (aber wirklich) legendären First-Person-Shooters Quake im Jahr 1996 haben wir diverse Dimensionssprünge hinter uns gebracht – mal ehrlich, wer hätte sich vor 24 Jahren Smartphones, SarsCov2, Trump und eine seit 20 Jahren kreisende Internationale Raumstation auf einmal vorstellen können? Also ist es um so wichtiger, dass der Originalsoundtrack des Klassikers endlich auf schwerem Doppel-Vinyl erscheint, für 35 Die-Regierung-Belügt-Uns-Und-Führt-Geheime-Dimensionstor-Experimente-Durch-Dollars im NineInchNails-Webshop. via boingboing

Freelancer 2020

Das legendäre Spacegame Freelancer war jahrelang verschwunden, aber man kann es wieder legal herunterladen, installieren und spielen. Eigentlich ist es seit Anfang 2017 frei, weil Microsoft kein kommerzielles Interesse mehr daran hatte und es aufgab. Angekündigt 1999 durch „Wing Commander“ Chris Roberts und sein Digital Anvil Entwicklerstudio, wurde es nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2003 zum Kulthit, verkaufte aber keine grossen Stückzahlen. Die Grafik des Spiels ist eher typisch für die 90er und kann mit Konkurrenzprodukten aus unserem neuen Jahr­hundert nicht mithalten. Aber die leicht zugängliche Maussteuerung, das auffallend gute Sounddesign und die Doppelpackung als Solokampagne plus Multiplayer haben eine Fangemeinde geschaffen, die bis heute an Mods und Servern schraubt. Wer Spacegames mag, sollte sich das kostenlose Game holen, und zwar so: „Freelancer 2020“ weiterlesen

Medien nach der Krise: So wird das aussehen

US-Rapstar Travis Scott gab gestern Abend ein Konzert anlässlich seiner aktuellen Single-Veröffentlichung, und 12 Millionen Menschen sahen zu. Zum Vergleich: Mehr Zuschauer hat die Tagesschau nur zu besonderen Krisen, sonst eher unter 10 Mio. Und wo war das Konzert? Na, im derzeit heissesten Social Network. Fortnite. Wo sich Spieler jetzt einen Travis Scott als Avatar zum Mitspielen kaufen können. Und wo der echte Travis noch weitere 4 Konzerte gebucht hat. Wisst ihr was: Ich spiel selber nicht Fortnite, ist mir zu bunt und kindgerecht (noch mehr als WoW), aber das Video vom Event ist super. Tja dann. Lebt wohl, alte Medien. War ne schöne Zeit. kotaku

Warum Japan uns kulturell überlegen ist

Kanaldeckel. Gusseisenschwer und unansehnlich. Nicht so in Japan, wo bereits erste Städte mit Pokemon-Deckeln ausgestattet werden, die nicht nur instant zur Touristenattraktion werden, sondern dazu noch die Position von Pokestops verraten. Und? Wann kriegen wir sowas? He? „Warum Japan uns kulturell überlegen ist“ weiterlesen

Wenn Widerstand zur Pflicht wird: Watch Dogs Legion

Rebellion im totalitären Britannien, nach dem Brexit? Der französische Spiele­entwickler Ubisoft hat mit seiner Watch Dogs Reihe bisher deutlich weniger Erfolg erzielt als etwa mit seiner Assassins Creed Geschichte. Im dritten Teil der Watch Dogs, das auf der aktuellen E3-Spielemesse in Los Angeles neu vorgestellt wurde und im März nächsten Jahres erscheinen wird, erleben wir ein ungewohntes Setting: Die nach dem Brexit völlig totalitäre britische Regierung wird von einer informellen Widerstandsbewegung angegriffen, und die Spieler schlüpfen in die Identitäten beliebiger Briten – sofern diese über action-geladene Vorkenntnisse verfügen. Ex-Geheimagenten, Kriminalpolizistinnen, Stuntmen, Drohnen-Pilotinnen führen Anschläge durch, retten gefangene Widerstandskämpfer und bringen das Unterdrückersystem ins Wanken. „Wenn Widerstand zur Pflicht wird: Watch Dogs Legion“ weiterlesen

Twitch in Zeiten des Ramadan

Streaming-Celebrity Tyler “Ninja” Blevins hat sich etwas einfallen lassen, um seine muslimischen Fans korrekt zu behandeln. Er schaltet im aktuellen Fastenmonat Ramadan die Webcam aus, solange er etwas isst. Aus Höflichkeit und nach Anfrage eines Twitch-Fans. Natürlich könnte auch der muslimische Twitch-Fan seinerseits ausschalten und Ninja sein Fortnite-Fast-Food streamen lassen. Aber aus dem selben Grund streamen nicht-christliche Twitch-Artisten zu Weihnachten keine Jesus-Pornos. Um nett zu sein. Zu Leuten, denen das was ausmachen könnte. Zu anderen Zeiten kann man ja diskutieren und provozieren, aber hier hat Tyler gepunktet. Weil er sujet-untypische Sensibilität zeigte. Und weil er damit mal was anderes macht, als uns der aktuell schon halb gesellschaftsfähige Rechts­populismus vorplappert, nämlich immer so zu tun, als wäre die „weisse, christliche Rasse“ allen anderen Erdteil­bewohnern zivilisatorisch und moralisch überlegen. Oder als wären alle Bewohner offiziell islamischer Länder (ein Viertel der Weltbevölkerung) auch gleichzeitig wahabitische Extremisten. Etwa so, als wären wir Bewohner angeblich christlicher Länder (rund ein Drittel der Menschheit) auch evangelikale Hardcore-Frauen-, Fremden- und Demokratiehasser. Sind wir ja alle nicht (nur ein paar tausend Spinner). Und das hat Tyler (der früher auch mal gerne durch Blödsinnreden aufgefallen ist) erstklassig dargestellt. Na also. Geht doch. via kotaku, pic tyler

Legend of Micah: Fallout 4 hat selten so gut ausgesehen

Cosplay ist eine der neueren, noch nicht allgemein anerkannten Kunstformen. Dabei tut sie doch dasselbe wie frühere Kunstformen: Sie greift allgemein Bekanntes auf und erzählt damit etwas Neues. Die gesamte Ära der Romantik bestand aus griechischen und römischen Elementen. Rockmusik verstärkt und verzerrt Elemente der Folklore. Die Filmindustrie lebt vom Abfackeln der Grimmschen Märchen und anderer Überlieferungen. Cosplay-Gruppen wie hier Legend of Micah nehmen Figuren aus Filmen und Games und machen Zitate daraus. Keine neuen Filme oder Games, sondern Situationen, Fotos. Kunstformen, die viel leichter zu produzieren und damit für viel mehr Menschen zugänglich sind. Die Fallout-4-Hommage sieht jedenfalls toll aus. Viel besser als im Game. via kotaku