Usha Jey: Where the f-though, where the love go?

Die tamilische Tänzerin und Choreografin Usha Jey lebt in Paris und zeigt uns gerade, was wir von der Globalisierung haben könnten, würden wir sie nicht hyperreichen alten Faschisten überlassen: Eine weltumspannende Kultur, die alle Menschen reicher macht, nicht nur sehr wenige, die den atemlosen Augenblick rund um den gesamten Planeten dehnt, überall gleichzeitig ist und alles verwendet, was diese Zivilisation geschaffen hat. Nur eben positiv, und ohne Klima- und andere Katastrophen. Ich glaube, Usha Jey zeigt uns gerade die nächste Entwicklungsstufe unserer Spezies. Kommunismus hat ja nicht funktioniert (wir waren zu doof dafür), dann also eben globale Choreografie. via blört

Chat Pile: God’s Country

Die Berge von Splitt und Abraum, die seit der Gewinnung von Blei und Zink vor 100 Jahren ganze Landstriche der USA vergiften, stellen einen sehr malerischen Band-namen: Chat Pile. Entsprechend beschäftigt sich die Band mit den Abgründen des Kapitalismus. Im Track „Why“ schreit der Sänger über die krachenden Drums und stählernen Gitarren: Warum? Warum müssen Leute im Freien schlafen? Wir haben die Mittel und die Möglichkeiten, Obdachlosigkeit zu verhindern. Warum tun wir das nicht? Hört euch auf bandcamp an, wie beeindruckend Noise Rock in den 2020s klingen kann. Mehr noch als in seinem Ursprungsjahrzehnt, den 1990s.

Chaotic Neutral Human Wizard

Stimmt es, dass man sich mit der Zeit, mit neuen Erfahrungen, mit überwundenen Problemen, Niederlagen, Erfolgen, verändert? Das will mir zumindest einer der präzistesten Persönlichkeitstests, nämlich der Dungeons&Dragons Character Test nahelegen. War ich demnach vor 9 Jahren noch Chaotic Good Human Bard/Rogue, so hat sich meine Persönlichkeit durch die durchaus turbulente Zeit seither wohl verändert, nämlich zum Chaotic Neutral Human Wizard. Also jemand mit weniger sozialen Interessen, eher ein Einzelgänger, der sich ungern an Regeln hält und seine Vorhaben durchzieht, no matter what. Wow. Das hatte ich nicht erwartet. Eher die gegenteilige Entwicklung. Aber ok… wie ist das bei euch? Das sehr gelungene Pic ist von Gerry Arthur. Und hier gehts zum Test. Viel Glück.

The Fringe: Der Schmutzrand der Galaxis

Prospect war 2018 einer der Handvoll besten SciFi-Filme der letzten Jahre, in einer Liga mit District 9 oder Arrival. Jetzt hat die Indie-Filmcrew um Zeek Earl und Chris Caldwell ein neues Projekt angekündigt, mit einem dreckigen, fiesen Aussenseiter-kosmos am Rand irgendeiner Galaxis, reichlich Hintergrundstory und massiven, modernen Crowdfunding-Plänen: The Fringe. Das Teaser-Video ist schon ne Klasse für sich, ich bin bereits aufgeregt und gespannt. „Help us, Zeek and Chris, you’re our only hope.“ via quietearth

Krause: The Art of Fatigue

Der Bandname klingt nach potentiell schlimmem deutschen Mundart-Rock, die 4 Alben dagegen gar nicht. Wie auch, Krause kommen aus dem Untergrund der griechischen Metropole Athen und legen ein so extremes Noise-Rock-Brett hin, wie man es seit seligen Amphetamine-Reptile-Zeiten nicht mehr gehört hat. Ein Brett, das muss man dazu sagen, das mit einer dicken Schicht Distortion überzogen ist, gesprenkelt mit Pulver, das manche gerne gegen Müdigkeit und Langeweile konsumieren. Musik, die glücklich macht. Hört selber.

Das eigentliche Problem mit Dämonen

Wie aus einem von Ali Karjoo-Ravary, Kulturwissenschaftler und Juniorprofessor für Islamforschung an der Bucknell University in Lewisburg, Pennsylvania wiederveröffentlichten Fachbuch aus dem frühen 20sten Jahrhundert hervorgeht, kommen Dämonen nachts ins Schlafzimmer der Sterblichen geschlichen und lecken an deren Füssen. Ausserdem, so beschreibt der Begleittext, sei es ein Segen, dass Menschen die Dämonen normalerweise gar nicht sehen können, was angesichts der vielen Abbildungen des Buchs durchaus schlüssig wirkt. Diese Dämonengeschichte klingt jetzt zunächst mal lustig, ist aber auch darüber hinaus erwähnenswert, weil der kulturwissenschaftliche Blick ins historische Persien eben viel ungehinderter die Schwachstellen der menschlichen Psyche enthüllt. Heute glauben Menschen dann eher daran, dass die Impfung gegen Covid-19 gefährlicher sei als die Krankheit selbst, dass es schon immer warme und kalte Jahre gegeben hätte (und keine heranrollende Klimakatastrophe) oder dass eine irgendwie zionistische Weltelite die (weisse, christliche) Bevölkerung der Industrieländer durch muslimische Einwanderer ersetzen will. Also Dinge, die bei direktem Anschauen mindestens genauso bizarr wirken wie der oben abgebildete Dämon mit dem Zehenfetisch. via publicdomainreview

So many metal bands, so little time

Viel zu selten finde ich die Musse, stundenlang Musik zu hören. Kein Wunder, dass ich mich dauernd müde fühle. Aber vielleicht liegt das auch an den drei Jobs, die ich late-capitalism-kompatibel jongliere. Heute lohnte sich jedenfalls ein Besuch auf dem grossartigen Metal Injection Blog, das der Welt umfangreiche Listen im Stil von „20 Underground Metal Bands, die du im Februar verpasst hast“ zur Verfügung stellt. Was das Hauptproblem unserer Informationsgesellschaft direkt adressiert: Es ist zuviel. Von allem. Und was alles, was du als Underground Publizist tun kannst, ist filtern, kuratieren. So wie hier im 11k2. Die Cancer Bats dagegen sind eine extrem sympathische und wundervoll unernste Metal Combo mit einem wundervoll unernsten Metal Bandnamen und ebensolchen Videos. Also, weiter mit den anderen Bands:

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Sugar Daddy als feministische Hymne

Die US-Hiphop-Artistin Qveen Herby schlüpft in diesem Song in die Rolles eines „Sugar Babes“, also einer jungen Frau, die ihre Attraktivitäten für sehr viel Geld an einen einzigen Mann verkauft. Also gleichzeitig eine Form von Prostitution und eine Form weiblicher Selbstbestimmung – schliesslich hat sie in dieser Rolle deutlich mehr Kontrolle über sich selbst als etwa in einer wirtschaftlich begründete Ehe. Diese Selbstbestimmung führt Herby auch im real life durch: Sie veröffentlicht ihre Songs ohne Label oder Verlag, ist also völig independent. Ich denke, so funktionieren role models heute: „the bitches wanna judge me, but i don’t care“.

Traumberuf Scream Queen

Ashley Peldon hat einen Beruf, von dem viele nur träumen können: Sie ist Schrei-Darstellerin. In Paranormal Activity, Free Guy, Scream und vielen anderen Holly-woodproduktionen übernimmt sie das Schreien für Schauspielerinnen. Das ist sinnvoll, weil durch ungeübtes Schreien die Stimme zumindest vorübergehend beschädigt werden kann (Heiserkeit etc). Mrs. Peldon ist also eine akustische Stuntwoman. Ich finde, solche Kreativberufe sollten mehr Aufmerksamkeit erhalten. guardian

Ist Tontechnik Männersache?

Männer sind Männer, Frauen sind Frauen, und mit Musik oder Tontechnik hat das zunächst mal herzlich wenig zu tun (Dass „Männer“ und „Frauen“ hier nur die beiden häufigsten Identitäten dastellen, können wir ein andermal diskutieren). Wie 11k2-Fans wissen, mag ich Musik, Tontechnik und Gerechtigkeit – auf das Video des Musikers, Produzenten und Youtubers Benn Jordan bin ich durch Zufall gestossen, als ich mich durch seinen Kanal hangelte. Ja wirklich, ich arbeite seit vielen, vielen Jahren im Pro Audio, und habe nur in Berlin und Zürich weibliche Audio Engineers kennengelernt, und auch dort nur einzelne. Hier im süddeutschen Prosperitätsgürtel kenne ich gar keine. Warum?

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Irland: Grundeinkommen für Künstler:innen

Bedingungsloses Grundeinkommen für Künstlerinnen und Künstler: Das Ministerium für Kultur (etc) der Republik Irland hat beschlossen, Geld in die Hand zu nehmen, um für 2000 kreative Leute aus allen künstlerischen Bereichen ein Grundeinkommen von 1300 Euro monatlich aufzustellen, davon 200 Berufsanfänger:innen.

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Bärtierchen leuchtet

Bärtierchen oder Wasserbären oder Tardigraden sind eigentlich nur höchstens anderthalb Millimeter lang, dafür aber unglaublich stabil und alles in allem niedlich und sympathisch. Deswegen gibt es jetzt bei Archie McPhee eine etwa 11 cm lange grün leuchtende Bärtierchen-Lampe aus Keramik für 15 Bärendollars 95 plus Versand. Da kann man schlecht Nein sagen, oder? via laughingsquid

Jlin: Unknown Tongues

Jerrilynn Patton wuchs in Greater Chicago (Gary, Indiana) und, wie hier im Vid von 2015 zu hören (aber nicht zu sehen), mit ghetto house und footwork auf. Das neue Album Embryo von letztem Jahr ist technoider, weniger IDM, auch wenn eine inoffizielle Collab mit Aphex Twin in eine andere Richtung deutet. Die wir dann natürlich auch hören wollen. Oder zumindest die Remixe.

In Lafayette, Lousiana, ist das Leben noch hässlicher als hier

Capra sind aus Lafayette, Lousiana, nicht weit vom Golf von Mexiko, irgendwo in den Sümpfen zwischen New Orleans und Houston. Das Leben dort muss ziemlich hässlich sein. Die Musik dagegen grossartig. Beim Herumblättern auf Musikwebseiten (Kann man im Internet herumblättern? Ich denke schon) fiel mir die Band schon zum zweiten Mal auf. Capra ist ja eigentlich kein Metal, eher Hardcore, und meilenweit weg von der Legion mittelmässiger Metalkapellen mit Vorzeigesängerin.

 

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Woher kommt der Ton bei einer E-Gitarre?

Wir von der Gitarrenfraktion (und viele andere Leute) haben uns das schon oft gefragt: Was ist wichtig für den Sound? Wieviel macht das Holz aus, vom Body und vom Hals? Wieviel machen Brücke, Potis/Elektronik, Pickup, Mechaniken? Jim Lill hat das mal auspobiert und dokumentiert. Mit erstaunlichen Ergebnissen. In unrelated News: Die letzte Geige, die ich mir gekauft habe, ist eine uralte koreanische P-Bass-Kopie. Neue Saiten, Hals einstellen. Die Potis waren durch, die musste ich austauschen, aber ansonsten hat das Teil einen märchenhaft bösen Sound. Die 50 Schleifen waren gut angelegt. Alles weitere erklärt euch Jim. via mefi

Firefly kommt zurück

Firefly war eine der besten Scifi-TV-Serien ever. Eine Space-Opera in kleiner Besetzung, die zeigte, was Han Solo uns vorenthielt: Das Leben von Rebellen und Aussenseitern am Rand der galaktischen Zivilisation. Mit erstaunlich viel menschlicher Wärme. Fans fordern seither eine Fortsetzung, diese kommt jetzt. Irgendwie. Disney hat die Rechte gekauft und will eine familienfreundliche Fassung auflegen. Was das bedeutet, mussten wir mit dem unerträglich klischeehaften und langweiligen „The Mandalorian“ ertragen, der das Star Wars Universum auf den kleinstmöglichen kommerziellen Nenner reduzierte. Die erotischen Elemente dürften also genau so aus der Serie verschwinden wir das reichlich vergossene Blut, die vielen Flüche in chinesischer Sprache oder das Lebensmotto von Firefly-Captain Malcolm Reynolds: „I aim to misbehave“. Schade. via movieweb

Generationen-übergreifende De-Evolution

Ungefähr so, als würdest du mit deinem Geigenorchester die kleine Nachtmusik auf die Bühne bringen, und Wolfgang Amadeus Mozart springt auf und legt ein paar Takte dazu. Ungefähr. Hier ist es die Gen Z Poppunkband Detention aus Akron, Ohio und Gerry Casale von Devo (ebenfalls aus Akron, Ohio). Gerry ist übrigens 73 Jahre alt und macht genau das, was ein 73jähriger tun sollte: Auf die Bühne springen und Teens supporten. Klingt wie ein Plan. Mach ich dann auch.